Beschlossene Sache

Sie kostet voraussichtlich 150 000 Euro und wird - so will es die CDU als Partei mit der absoluten Mehrheit - mit finanzieller Hilfe der Verbandsgemeinde gebaut. Das sind die beiden wichtigen Ergebnisse der VG-Ratssitzung, in der das Reizthema "Radwegbrücke in Kell" im Mittelpunkt stand.

Kell am See/Schillingen. Es war die Aufgabe des Keller Ortsbürgermeisters Markus Lehnen (CDU), am Donnerstagabend in der Sitzung des Verbandsgemeinderates die Katze aus dem Sack zu lassen: Fünf Angebote sind bei der Ausschreibung für den geplanten Bau der seit Monaten heiß diskutierten Radwegbrücke in Kell eingegangen. Die Mehrheit nimmt Abstand von Deckelung

Als sie am 10. Juli bei der Submission geöffnet wurden, stellte sich heraus: Abgesehen von einer Offerte, die keinerlei Skizzen enthielt und aus der Bewertung herausfällt, liegt der günstigste Preis für ein solches Bauwerk bei rund 150 000 Euro.Wird die Verbandsgemeinde bei diesem Betrag mitmachen und eine Finanzspritze für die Metallkonstruktion über die Landesstraße 143 leisten? Dies war im Schillinger "Gasthaus Maßem" die entscheidende Frage. Obwohl sich nach ihm noch viele in einer kontroversen Diskussion zu Wort melden würden, lieferte schon Klaus Marx als erster Redner die mit Spannung erwartete Antwort. "Wir wollen die Brücke und müssen uns um der Sicherheit Willen als Verbandsgemeinde beteiligen", stellte der CDU-Fraktionssprecher klar. Auch von der zuvor im TV angekündigten Deckelung des Betrages auf 10 000 Euro hatte die Mehrheitspartei intern Abstand genommen. Die Rechnung, die Marx machte, sah nämlich wie folgt aus: Er gehe von einem Landeszuschuss von 60 Prozent aus. Würden dann der ungedeckte Betrag wie vorgesehen zu jeweils einem Drittel von Kreis, VG und Ortsgemeinde getragen und zudem berücksichtigt, dass die Kosten abgezogen werden können, die dem Landesbetrieb Mobilität bei der Umsetzung der ursprünglichen Planung mit Rampe und Barken an der L143 entstanden wären, jetzt aber eingespart werden, "dann liegen wie bei einer Summe von 16 000 Euro oder drunter. Die Brücke kostet die VG also so viel wie das Defizit, das das Freibad in den letzten drei Wochen eingefahren hat", argumentierte Marx.Manfred Rommelfanger kam jedoch zu ganz anderen Ergebnissen: Der SPD-Fraktionschef verwies darauf, dass in der Regel der Fördersatz aus dem Investitionsstock bei 40 Prozent liegt."Demnach sind wir mit 30 000 Euro dabei". Egal, wie hoch der VG-Anteil nun aber konkret ausfallen wird: Rommelfanger und seine Parteifreunde machten ihr kategorisches Nein zur Ko-Finanzierung des Keller Bauwerks aus VG-Töpfen erneut ganz deutlich. "Wir haben andere, wichtigere Aufgaben", betonte der Zerfer Ortsbürgermeister, der sich auch darauf berief, "dass die Akzeptanz der Bevölkerung für diese Brücke nicht berauschend ist. Zumindest nicht in der Gegend, aus der ich komme". Auch Erwin Rommelfanger bedauerte, dass "die Brücke beschlossene Sache ist. Wir haben kein Geld, verteilen aber Geschenke und machen ein Fass auf. Überschaubarer Beitrag der Solidargemeinschaft

Denn jetzt wird es auch Nachforderungen von anderen Gemeinden geben", kritisierte der FWG-Sprecher. Dass allein die "Hauptstädter" ihre Brücke bekommen - diesen Vorwurf wollte Lehnen nicht stehen lassen: "Wir bauen keine Keller, sondern eine Verbandsgemeindebrücke, von der alle profitieren sollen, die den Radweg benutzen, also alle Bürger der VG und unsere Gäste." Sein Appell, "als Solidargemeinschaft für einen überschaubaren Betrag ein Zeichen zu setzen", fand aber nur bei seinen CDU-Parteifreunden Gehör. Das allerdings reichte, um bei 14 Ja- und 8 Nein-Stimmen von SPD und FWG eine deutliche Mehrheit für eine Kostenbeteiligung der VG an der Radwegbrücke zu bekommen. ma