Schlecht fürs Polster

Unter dem anhaltend schlechten Wetter der vergangenen Wochen leiden vor allem Saarburgs Gastronome am Buttermarkt. Statt einer - wie sonst um diese Zeit - brechend vollen Terrasse rund um den Wasserfall blieben dort bislang die meisten Stühle über Tage unbesetzt. Bleibt derzeit nur die Hoffnung auf einen kräftigen Sonnenstrahl.

Saarburg. Auf die Nerven, oder besser gesagt aufs Gemüt, ging das Wetter der vergangenen Wochen wohl generell den meisten Menschen in der Region. Einige allerdings bekommen den Dauerregen und die niedrigen Temperaturen noch ganz anders zu spüren. So verzeichnet Saarburgs Gastronomie rund um den Wasserfall deutliche finanzielle Einbußen durch das permanente Wetter-Tief. Stärker als an anderen Orten setzen die Selbstständigen dort nämlich auf das Terrassengeschäft im Sommer. In den - normalerweise - heißen Monaten legen die meisten von ihnen bei der Schlagzahl zu, um sich ein finanzielles Polster für die Wintermonate anzulegen. In der touristenarmen Zeit von November bis März ist die Innenstadt meist derart wenig frequentiert, dass viele Restaurantbesitzer eine längere Winter(zwangs-)pause einlegen und ihre Häuser geschlossen lassen. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung bei den Gastronomen am Buttermarkt, als sich der Trierische Volksfreund am Donnerstag umhört. "Was soll man sagen? Bescheiden war das Geschäft bisher", sagt Rudolf Rassier, der im dritten Jahr die "Marktschänke" führt. 15 Tische, 55 Plätze bietet die Adresse, jedoch blieben die meisten bislang unbesetzt. "Der April war überraschend gut. Da haben wir schnell reagiert und die Stühle rausgestellt", erzählt Rassier. Tagestouristen bleiben weg

In der Bilanz fehle jedoch vor allem der gesamte Mai mit seinen vielen Feiertagen und verlängerten Wochenenden, an denen ansonsten immer sehr viel los sei. Im Moment merke er vor allem, dass die vielen Tages-Touristen aus Luxemburg, dem Saarland oder Trier wegbleiben. "Schwierig ist das hier am Wasserfall, weil sich die meisten im Sommer ein Polster für den Winter anschaffen." Aber auch wenn das "richtig Geld koste", rät Rassier: "Man muss optimistisch bleiben und auf bessere Zeiten hoffen."Alles geben, wenn nur endlich die Sonne kommt, will auch Vafa Monsavi, Inhaber von "Amadeus" am Amüseum. "Mit dem April waren wir voll zufrieden, aber danach wurde es richtig schwach", sagt er. Obwohl Monsavi nicht allein auf die Außengastronomie angewiesen ist und ausreichend Plätze in seinem Restaurant hat, musste er feststellen: "Bei diesem schlechten Wetter gehen die Leute einfach überhaupt nicht raus. Da wir keinen Parkplatz direkt vor der Tür haben, nutzen uns die Innenplätze bei ganz schlechtem Wetter wenig." Dass es finanziell eng werden könnte, daraus macht der Unternehmer, der das Restaurant erst seit zwei Jahren führt und im Winter sechs Wochen aus Einspargründen schließt, keinen Hehl: "Wir packen das nur, wenn die Bank mitspielt."In ein ähnliches Horn bläst auch Beate Bier von der "Brasserie". "Die Reserven, die wir durch den guten April aufbauen konnten, sind im Juni und Juli schon wieder draufgegangen." Dennoch setzten sie und ihr Mann Thomas alles daran, die wenigen Touristen, von denen sie lebten, zu ziehen: "Unser Vorteil sind die großen Schirme. Da bleibt der eine oder andere auch schon mal bei Regen sitzen. Außerdem legen wir Decken auf die Stühle." Auf die Frage, wie ein solcher Sommer zu verkraften sei, antwortet Beate Bier: "Wir sind sehr sparsam und hoffen einfach, dass sich das Blatt noch wendet."Während die anderen darum beten, dass es endlich richtig Sommer wird, ist Elvira Bous vom "Wirtshaus zum Pferdemarkt" mit dem Wetter der vergangenen Wochen äußerst zufrieden. Das allerdings liegt an der speziellen Ausrichtung ihres Hauses: 20 Plätze außen und 90 Plätze innen hält die Gastronomin für ihre Gäste bereit. Zudem gehören 19 Hotelzimmer zu dem vor fast zehn Jahren umgebauten Anwesen. "Wir merken zwar, dass die Spontangäste, vor allem die Fahrradfahrer, wegbleiben. Aber trotzdem leben wir vom schlechten Wetter, weil wir viele Hotelgäste mit festen Arrangements beherbergen. Wir können uns wirklich nicht beklagen."