Der Häuptling der Tretboote

LOSHEIM. Der Losheimer Stausee ist um eine Attraktion reicher: Dieter Schwarzenbarth, in und um Losheim bekannt wie ein bunter Hund, ist dort für den Verleih der Tretboote am See zuständig.

Einen "Wanderer zwischen den Welten" nennt er sich selbst, oder einen "Zigeuner des Weltalls". Und wenn es eine Verkörperung des Begriffs "Lebenskünstler" gibt, dann ist er das: Dieter Schwarzenbarth, der seit Beginn dieser Badesaison den Tretbootverleih am Losheimer Stausee betreibt. Schwarzenbarth, der aus Niederlosheim stammt, ist in der Seegemeinde und weit darüber hinaus bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Das hängt damit zusammen, dass er Ende der 70er- Jahre nach abgeschlossenem Lehramtsstudium den Weg in den Lehrerberuf mangels freier Stellen nicht einschlug, sich vielmehr seiner großen Leidenschaft intensiv widmete: dem Fußball. "Ich war bei 13 Vereinen als Spieler oder Trainer tätig", erzählt der heute 54-Jährige, dessen durchtrainierter Körper davon zeugt, dass er sich auch heute noch weiter fithält. Einem bürgerlichen Lebensstil mit fester, regelmäßiger Beschäftigung hat er hingegen früh entsagt. Seine sportlich erfolgreichsten Jahre verbrachte er mit dem FSV Saarwellingen, als dieser in der Oberliga spielte. Doch auch in Oppen, Pachten, Hüttersdorf, Scheuern, Roden und anderen Orten war Schwarzenbarth als Fußballer aktiv, ehe er zum SV Losheim kam. Dort beendete er vor ein paar Jahren seine Laufbahn. Dann suchte die Gemeinde im Frühjahr einen neuen Pächter für den Tretbootverleih, und Schwarzenbarth setzte sich gegen 15 andere Bewerber durch. Durch sein fußballerisches Wanderleben hat sich Schwarzenbarth einen Bekanntheitsgrad erworben, der weit über die Kreisgrenzen hinausreicht. Unzählige Spitznamen gibt es für ihn. Wegen seiner Kopfballstärke kennen viele ihn als "Seeler", andere sprechen ihn mit "Geronimo" an. Warum, erläutert Schwarzenbarth selbst: "In meinem früheren Leben war ich Indianer-Häuptling, und als mein Volk einst vom weißen Mann gezwungen werden sollte, ins Reservat zu gehen, bin ich allein gegen diese Übermacht in dieSchlacht geritten und habe mich für es geopfert." Und er fügt gleich darauf hinzu: "Ich habe dies einmal in einem Schulaufsatz geschrieben, und der gilt heute noch als der beste Aufsatz, der je an einer Losheimer Schule geschrieben wurde!" Treffpunkt für Weggefährten

Es ist diese begnadete Fähigkeit, auf andere Leute zuzugehen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie zu unterhalten, die ihn auszeichnet. Sie hat den Tretbootverleih zu einem beliebten Treffpunkt für gute Bekannte, frühere sportliche Weggefährten oder Besucher von außerhalb gemacht, die diesen besonderen Typen einmal kennen lernen wollen. Die eine Hälfte des Jahres verbringt Dieter Schwarzenbarth am Stausee, die andere in seiner zweiten Heimat Brasilien. Seit Jahren zieht es ihn regelmäßig in den Wintermonaten nach Südamerika, dort traf er auch die Frau, der sein Herz gehört: "Sie ist jetzt für drei Monate in Deutschland, im Herbst werde ich sie zurück nach Brasilien begleiten", erzählt Schwarzenbarth, während er mit entspanntem Blick an seiner Zigarette zieht und den Blick über den See gleiten lässt. Dann verrät er noch, dass seine Herzdame Lucijane Raposa do Nascimento heißt, dass er sie bald heiraten werde und dass sie eine Cousine von Fußball-Legende Pelé sei. Ob das nun wirklich so ist oder nicht, spielt dabei gar keine so große Rolle: Allein die Art, wie Dieter Schwarzenbarth das erzählt, bereitet dem Zuhörer Vergnügen.