Franziskaner verlassen Hermeskeil

Franziskaner verlassen Hermeskeil

Die Tage des einzigen Franziskanerklosters in den Bundesländern Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind gezählt. Nach einem aktuellen Beschluss der Deutschen Ordensleitung wird das Hermeskeiler Kloster im Herbst 2016 aufgelöst. Die vier Brüder, die derzeit dort leben, müssen dann das Haus verlassen. Die Entscheidung wird in der Hochwaldstadt mit großem Bedauern aufgenommen.

Hermeskeil. Mit seinen 78 Jahren ist Bruder Lutwin der älteste Bewohner des Franziskanerklosters in Hermeskeil, das im Volksmund liebevoll "Klösterchen" genannt wird. Seit 1999 lebt Lutwin zusammen mit seinen aktuell noch drei Mitbrüdern Christoph, Joachim und Ulrich im Kloster, zu dem auch eine Kirche gehört.
Zahl der Ordensmitglieder sinkt


"Als ich von der Entscheidung hörte, konnte ich in der Nacht nicht schlafen. Wir haben doch eine so schöne Gemeinschaft", sagt Lutwin im Gespräch mit unserer Zeitung ganz offen. Die Leitung der Deutschen Franziskanerprovinz hat vor wenigen Tagen auf ihrer Sitzung in München den Beschluss gefasst, dass das zwischen der Innenstadt und dem Bahnhof gelegene Hermeskeiler Kloster im Herbst 2016 geschlossen wird. "Wir müssen uns auch von Orten trennen, die uns sehr ans Herz gewachsen sind, weil wir all das, was wir momentan noch tun, so nicht in Zukunft tragen können", begründet Provinzialminister Cornelius Bohl, der den Franziskanern in Deutschland vorsteht, die aktuelle Entscheidung. Weil die Zahl der Franziskanerbrüder in Deutschland (aktuell sind es etwa 300) insgesamt sinkt, während sich ihr Altersdurchschnitt erhöht, sei die Ordensleitung zu strukturellen Veränderungen gezwungen. Deshalb gab es schon 2013 einen Beschluss, dass bis Ende 2016 sechs von damals noch 39 Standorten der Franziskaner in Deutschland aufgegeben werden sollen. Der Franziskanerorden hat zudem finanzielle Probleme, wie vorigen Herbst bekannt wurde.
"Dass in Deutschland sechs Häuser geschlossen werden, war uns natürlich bekannt. Wir sind aber davon ausgegangen, dass wir nicht auf der Liste der aufzulösenden Häuser stehen würden, weil Hermeskeil das letzte Franziskanerkloster ist, das es in Rheinland-Pfalz und im Saarland noch gibt", sagt Bruder Christoph im TV-Gespräch.
Für ihn und seine Mitbrüder, die zwischen 54 und 78 Jahre alt sind, sei der Beschluss der Ordensleitung daher eine "traurige Nachricht". In welches Kloster die vier Brüder nach der Schließung des Hermeskeiler Hauses im Herbst 2016 umziehen und welche Aufgaben sie in ihrem neuen Domizil übernehmen, "wissen wir noch nicht", sagt Bruder Christoph. Völlig offen ist zudem, was in Zukunft mit den Klostergebäuden passiert.
Brüder in Seelsorge tätig


Fest stehen hingegen zwei Dinge. Erstens: Nach über 90 Jahren werden die Franziskaner Hermeskeil verlassen. Die ersten Brüder haben sich 1923 in der Hochwaldstadt niedergelassen. Das Kloster wurde 1931 gebaut.
Zweitens: Der Weggang der Franziskaner wird das kirchliche Leben im Hochwald vor neue Probleme stellen. Denn die Brüder haben seit jeher nicht verborgen hinter den Klostermauern gelebt. Sie leisten bis heute seelsorgerische Arbeit in den Pfarreiengemeinschaften Hermeskeil und Schillingen, die das komplette Gebiet beider Hochwald-Verbandsgemeinden Hermeskeil und Kell abdecken (siehe Extra Reaktionen). Zum Angebot des Hauses gehörten unter anderem Einkehrtage.
Außerdem war die Klosterkirche Schauplatz vieler kultureller Veranstaltungen - beispielsweise für das traditionelle Benefizkonzert des Lionsclubs Hermeskeil-Hochwald.Extra

Steht ab Herbst 2016 leer: das Klösterchen. TV-Foto: Axel Munsteiner. Foto: (h_hochw )

Zur angekündigten Schließung des Franziskanerklosters sagt der Hermeskeiler Pastor Clemens Grünebach: "Das reißt eine große Lücke." So hatte Bruder Ulrich eine halbe Stelle in der Pfarreiengemeinschaft Hermeskeil inne. Er hielt in den Orten Gottesdienste oder Beerdigungen und war auch in der Krankenseelsorge tätig. Bruder Christoph begleitete die angehenden Gemeindereferenten bei ihrer Ausbildung. Bruder Lutwin war zwar formal schon im Ruhestand, half aber noch häufig bei seelsorgerischen Aufgaben in den Orten der Pfarreiengemeinschaft Schillingen (VG Kell) aus. Außerdem laden die Franziskaner Gläubige aus Hermeskeil und Umgebung zu regelmäßigen Gottesdiensten (zwei an Sonntagen, einer an Werktagen) ins Kloster ein. "Wir können sie nicht ersetzen", sagt Grünebach über das Wirken der Franziskanerbrüder. Auch Stadtbürgermeister Mathias Queck bedauert die Entscheidung: "Damit verliert Hermeskeil eine Institution". Vom Beschluss der Ordensleitung hat Queck erst durch den TV erfahren: "Wir waren darüber vorher nicht informiert. Der Beschluss ist sehr schade. Wir müssen ihn aber akzeptieren." Wichtig erscheint es Queck, dass sich der Franziskanerorden als Besitzer des Klosters Gedanken darüber macht, wie das Gebäude in Zukunft sinnvoll genutzt werden kann. "Wir bieten da als Stadt unsere konstruktive Mitarbeit an", betont Queck. ax

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