Führungswechsel an der Spitze des Arbeitsgerichts

Uta Lenz ist die neue Direktorin des Trierer Arbeitsgerichts. Mit einem Festakt wurde sie gestern im Großen Sitzungssaal des Gerichts in ihr neues Amt eingeführt. Gleichzeitig wurde Vorgänger Karl-Heinz Radünzel nach 18 Jahren an der Spitze des Hauses verabschiedet.

 Der Alte geht, die Neue kommt: Karl-heinz Radünzel (links) wurde als Direktor des Trierer Arbeitsgerichts verabschiedet, auf ihn folgt Uta Lenz als neue Direktorin. Formal hatte Lenz das Amt schon zum 1. Januar dieses Jahres übernommen. TV-Foto: Kim-Björn Becker

Der Alte geht, die Neue kommt: Karl-heinz Radünzel (links) wurde als Direktor des Trierer Arbeitsgerichts verabschiedet, auf ihn folgt Uta Lenz als neue Direktorin. Formal hatte Lenz das Amt schon zum 1. Januar dieses Jahres übernommen. TV-Foto: Kim-Björn Becker

Trier. Ob entwendete Maultaschen oder angedrohter Pilotenstreik: In wirtschaftlich turbulenten Zeiten haben Arbeitsgerichte oft Hochkonjunktur. Die jüngsten Beispiele belegen das. Dann stehen die Gerichte - und die Urteile, die sie fällen - unter besonderer Beobachtung. Eine Ausnahme in diesen Tagen ist das Trierer Arbeitsgericht: Kein spektakulärer Prozess, sondern ein eher stiller Führungswechsel rückte das Gericht in den Mittelpunkt: Nach 18 Jahren an der Spitze des Hauses wurde der bisherige Direktor des Trierer Arbeitsgerichts, Karl-Heinz Radünzel, in den Ruhestand verabschiedet. Zum 1. Januar dieses Jahres übernahm seine Nachfolgerin Uta Lenz die Führung. Lenz ist seit 1994 Richterin und arbeitete an den Arbeitsgerichten in Kaiserslautern, Koblenz und Trier.

Zur gestrigen Feierstunde im Großen Sitzungssaal gab sich die rheinland-pfälzische Justiz die Ehre: Norbert Schwab, Präsident des rheinland-pfälzischen Landesarbeitsgerichts, stellte die besondere Bedeutung der Arbeitsgerichtsbarkeit im deutschen Wirtschaftssystem heraus und lobte Radünzel für seine "guten und weitsichtigen Entscheidungen" in insgesamt über 40 Dienstjahren als Arbeitsrichter. Der rheinland-pfälzische Staatsminister für Justiz, Heinz Georg Bamberger, stellte die Eigeninitiative und das "soziale Einführungsvermögen" des verabschiedeten Direktors heraus und lobte die "überdurchschnittlichen Kenntnisse" seiner Nachfolgerin Uta Lenz, die bislang "durch eine ausgezeichnete richterliche Arbeit überzeugt" habe.

Erinnerungen an Champagner und Erotisches



Und was sagten die Protagonisten selbst? "Wenn man über 35 Jahre an derselben Institution tätig ist, dann ist es nicht leicht, loszulassen", gestand Radünzel und erklärte das erste Jahr im Ruhestand als "Orientierungsjahr" für weitere Projekte. Und seine Nachfolgerin Uta Lenz verband mit dem Großen Sitzungssaal im Trierer Arbeitsgericht eine ganz besondere Erfahrung: "Ich erinnere mich, als ich vor einigen Jahren schon einmal in diesem Saal stand - damals legte ich mein erstes juristisches Staatsexamen ab und wurde gefragt, was genau denn das Arbeitsrecht sei." Heute sagt sie erfrischend unakademisch: "Arbeitsrecht, das ist das pralle Leben." Wenn sich zwei Parteien im Gerichtssaal gegenüberstünden, dann erinnerte das manchmal an ein Scheidungsverfahren im Familienrecht, sagte Lenz und plauderte aus dem Nähkästchen bereits verhandelter Fälle - "Fälle, die man nicht vergisst": so wie das Kaufhaus, das seine streikbrechenden Angestellten mit einer Flasche Champagner belohnte. Oder der Mitarbeiter eines Unternehmens, der trotz Krankschreibung an einem Kegelturnier teilnahm - und über dessen sportliche Leistung der Trierische Volksfreund dann berichtete. Oder auch die Krankenschwester, die einen Nebenjob im Online-Erotik-Gewerbe ausübt, obgleich sie bei einem katholischen Krankenhaus beschäftigt ist.

Mit Optimismus blickte die neue Direktorin in die Zukunft und dankte ihrem Vorgänger und früheren Chef auf die wohl charmanteste Weise: "Also meinetwegen hätte auch alles so bleiben können, wie es war."