Gefahr aus dem Wald

HERMESKEIL. Wenn scheue Waldbewohner das Revier unsicher machen: Vor allem die erneute Zunahme von Wildunfällen hat auf den Straßen im Hochwald im Jahr 2005 auch die Gesamt-Unfallzahl von 783 auf 836 in die Höhe schnellen lassen. Positiv: Im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Hermeskeil ist die Zahl der Verkehrstoten von sechs auf einen gesunken.

Was Dienststellenleiter Siegfried Agostini und der zuständige Verkehrssachbearbeiter Bertram Höfle beim Blick auf die Unfallstatistik 2005 als besonders "erfreuliche Entwicklung" bewerten, liegt auf der Hand: Im Gebiet der PI Hermeskeil ist - entgegen dem Trend in der Region Trier - ein "deutlicher Rückgang" bei der Zahl der Verkehrstoten zu verzeichnen. Kamen 2004 noch sechs Menschen auf den Straßen im Hochwald ums Leben, gab es 2005 auf der B 407 am Keller Friedhof "nur" einen Unfall, bei dem ein Autofahrer getötet wurde. Hingegen ist in der Rubrik "Schwerverletzte" eine Steigerung von 25 im Jahr 2004 auf nunmehr 32 statistisch erfasst; die Zahl der Leichtverletzten blieb 2005 mit 83 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (80). Zwiespältige Gefühle löst die detaillierte Auswertung der Unfälle bei Höfle in einem Bereich aus, der dem Verkehrserzieher besonders am Herzen liegt. "Sehr gut" kommentiert er die Tatsache, dass 2005 kein Kind in einen Unfall auf dem Schulweg verwickelt wurde. Der Wermutstropfen: Als Fußgänger, Radfahrer oder Mitfahrer im Auto waren zwölf Kinder an Unfällen beteiligt - 2004 waren es drei. Dass die Zahl der Kollisionen, bei denen nachweislich Alkohol und Drogen mit im Spiel waren, von 30 auf neun gesunken sind, führen die Beamten auf ihre Arbeit zurück. "Unser Konzept, das auf Prävention und Repression durch umfangreiche Kontrollen setzt, zeigt Wirkung", behauptet Agostini. Einen besonderen Brennpunkt, den die Experten als "Unfallhäufungsstelle" bezeichnen, gibt es im Hochwald derzeit nicht. Davon spricht die Polizei, wenn es innerhalb eines Jahres an einer Stelle fünfmal kracht. Allerdings, so Höfle, gibt es zwei gefährliche Ecken, die beinahe dieses Kriterium erfüllt hätten. Diese befinden sich beide in Hermeskeil: an der Einmündung von der Gusenburger Straße auf die B 52 gab es beim Abbiegen 2005 vier Unfälle, ebenso beim Spurwechsel auf dem Innenstadtring (Trierer Straße) zwischen der Sparkasse und der Abzweigung in die Saarstraße. Was den Beamten der Hermeskeiler Polizei jedoch den größten Kummer bereitet, sind Rehe, Hirsche, Füchse und anderes Wild. War die Zahl der Wildunfälle 2004 mit 304 sehr hoch, so gab es 2005 einen neuen Rekord bei den Kollisionen zwischen Mensch und Tier. Von insgesamt 836 Unfällen im Bereich der PI fallen 345 in die Kategorie "Wildunfälle". Das entspricht einem Anteil von über 41 Prozent und bedeutet, dass im Hochwald, statistisch gesehen, fast jeden Tag die Polizei gerufen wird, wenn ein Waldtier den Weg eines Autofahrers gekreuzt hat. Vor allem auf drei Straßenabschnitten ist dabei laut Höfle besondere Vorsicht geboten: auf der B 327 zwischen der Flugausstellung Abtei und Malborn, auf der L 148 zwischen dem Großen Kreuz bei Beuren und der Gedenkstätte Hinzert sowie auf der B 407 zwischen Waldweiler und Kell am See. Die Möglichkeiten, diese Gefahr einzudämmen, seien leider sehr begrenzt, betont der Verkehrsexperte. So verlagern Schutzzäune nach seiner Ansicht nur das Problem und führen dazu, dass sich das Wild andere Stellen für den Wechsel der Straßenseite sucht. Die PI beabsichtige jedoch, dass in Hermeskeil und Umgebung an den "Häufungspunkten" neue Schilder aufgestellt werden, "um punktuell zu warnen". Ansonsten bleibt Höfle nur noch der Appell an die Autofahrer, gewisse Verhaltensregeln zu beachten (siehe Extra). /ek