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Reinsfelder leistet Hilfe im Ebola-Gebiet

Reinsfelder leistet Hilfe im Ebola-Gebiet

Mit seinen Fachkenntnissen als Elektroniker hat sich Stefan Lofi vom Technischen Hilfswerk (THW) Hermeskeil am Kampf gegen die Ebola-Epidemie beteiligt. Sein insgesamt 15. Auslandseinsatz führte den 50-jährigen Familienvater aus Reinsfeld nach Sierra Leone. Nach seiner Rückkehr berichtet Lofi im TV von seinen Erfahrungen in dem westafrikanischen Land, das von der Krankheit besonders schlimm betroffen ist.

Hermeskeil/Reinsfeld. "Don\'t touch - Nicht berühren!" Diese Warnhinweise sind in Sierra Leone allgegenwärtig. Im westafrikanischen Land wird verzweifelt versucht, die weitere Ausbreitung der Ebola-Epidemie zu verhindern und die Seuche unter Kontrolle zu bringen. Internationale Helfer leisten dabei Unterstützung - und zwar nicht nur medizinisch. Im Kampf gegen die Krankheit ist auch der technisch-logistische Bereich wichtig.
Aus diesem Grund war Stefan Lofi aus Reinsfeld vier Wochen lang in Sierra Leone im Einsatz. Der 50-Jährige ist seit 1980 bei der Hermeskeiler Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) aktiv. Als Experte für Elektrotechnik hat der verheiratete Vater von drei Kindern seit Anfang der 1990er-Jahre schon 14 Mal im Ausland Hilfe geleistet - unter anderem beim Aufbau von Flüchtlingslagern und Unterkünften im Iran oder im Südsudan.
Wegen seines Fachwissens als Elektroniker hatte das THW - eine dem Bund unterstehende Anstalt - den Angestellten der Hermeskeiler Firma Teba vor einigen Wochen angefragt, ob er zu einem Einsatz in Sierra Leone bereit sei. "Ich musste die Sache natürlich zunächst mit meinem Arbeitgeber und der Familie abklären. Dann habe ich zugesagt", sagt Lofi, dessen Frau Silvia ebenfalls beim Hermeskeiler THW aktiv ist.
Er sei nicht mit einem mulmigen Gefühl nach Sierra Leone aufgebrochen. Lofi: "Natürlich ist Ebola eine schlimme Geschichte. Aber man informiert sich vor einem solchen Einsatz genau, wie man die Krankheit bekommt und wie sie verläuft. Sie überträgt sich ja nicht wie eine Erkältung, sondern durch den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von infizierten Menschen."
Die Devise "Don\'t touch - Nicht berühren" haben dann aber alle Helfer bei ihrem Einsatz als Vorsichtsmaßnahme beherzigt - und zwar nicht nur bei Begegnungen mit Einheimischen, sondern auch untereinander. Lofi: "Man hat also Abstand gehalten. Aber das muss so sein."
In Sierra Leone gehörte der Reinsfelder einem achtköpfigen THW-Team an. Dabei wurde Lofi unter anderem in Makeni - einer Stadt im Zentrum des Landes - beim Aufbau einer Werkstatt zur Instandsetzung von Krankenwagen und Fahrzeugen der Vereinten Nationen (UN) eingesetzt. "Mein wichtigstes Projekt war aber der Aufbau einer Desinfektionsstraße, durch die die Krankenwagen nach jedem Transport durchgeschleust werden", sagt Lofi. Diese Anlage wurde direkt an der Grenze zwischen zwei Distrikten aufgebaut, so dass sie Fahrzeuge von beiden Seiten nutzen können. An diesen Kontrollpunkten wird bei allen - egal, ob Einheimischer oder Helfer - Fieber gemessen. "Die Ebola-Epidemie hat das Land grundlegend verändert. Sierra Leone war schon vorher sehr arm. Jetzt geht die Wirtschaft dort noch mehr kaputt, weil es für die Leute vom Land noch schwieriger geworden ist, ihre Waren über die Distriktgrenzen in die Stadt zu bringen", berichtet Lofi von seinen Erfahrungen. Auch das gesellschaftliche Leben sei fast zum Erliegen gekommen: Wegen der Seuche werden in Sierra Leone zum Beispiel keine Fußballspiele mehr ausgetragen oder Weihnachtsfeste gefeiert.
Beeindruckt hat den Helfer aus Reinsfeld das "Miteinander der Menschen in diesem gebeutelten Land. Alle Bewohner helfen sich gegenseitig, zum Beispiel beim Hausbau. Außerdem leben dort Christen und Moslems friedlich zusammen und feiern ihre jeweiligen Festtage gemeinsam."
Ein besonderes Erlebnis war für ihn, als er in der Hauptstadt Freetown als Gast an einer Veranstaltung vor einem medizinischen Behandlungszentrum teilnahm. An diesem Tag wurden dort 95 frühere Ebola-Patienten, die die Krankeit überstanden hatten, als geheilt entlassen. Sie und die Mediziner sowie Pfleger bezeichnet Lofi als die "wahren Helden in dieser Geschichte".Extra

In Sierra Leone leben nach Angaben des Auswärtigen Amts rund sechs Millionen Menschen. Das westafrikanische Küstenland hat eine Fläche von 71 740 Quadratkilometern und ist damit etwa so groß wie der Freistaat Bayern. Laut der jüngsten Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in Sierra Leone bis zum Stand 25. Februar insgesamt 11 301 Ebola-Fälle gezählt. 3461 Menschen starben an der Krankheit. Die Gesamtzahl der Ebola-Erkrankungen in Westafrika liegt bei 23 729 und 9604 Toten. Das THW ist seit September 2014 und mit bisher rund 60 haupt- und ehrenamtlichen Helfern in den betroffenen Ländern im Einsatz. Neben der technisch-logistischen Unterstützung in den Camps internationaler Hilfsorganisationen in Sierra Leone organisiert das THW von einem Büro in Ghana aus die Beschaffung von dringend benötigter Ausstattung im Krisengebiet. So hat das THW aus Mitteln des Auswärtigen Amts 400 Motorräder zur Verfügung gestellt. Diese sind für den Transport von Blutproben möglicherweise infizierter Menschen zu den Laboren bestimmt. So lässt sich die Transportzeit für die Proben von bislang über fünf Tagen auf einen Tag verkürzen. ax