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Über Menschen, die sich selbst verlieren

Über Menschen, die sich selbst verlieren

Demenz ist ein Thema von zunehmender Wichtigkeit. Die Ausstellung "Einblicke" im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus lässt Besucher erahnen, was in den Betroffenen vorgeht, und weckt mehr Verständnis für die Veränderungen, denen Menschen im Verlauf der Krankheit gegenüberstehen.

Hermeskeil. (doth) Über 50 Besucher interessierten sich bereits bei der Eröffnung für die Ausstellung "Einblicke", die bis zum 24. September montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr zu sehen ist. Kernstück ist die sogenannte "Sprachbox". Über Kopfhörer kann man mitverfolgen, wie sich die Sprache eines Betroffenen verändert, bis er sich nicht mehr verständlich machen kann.

Der Schirmherr, Bürgermeister Michael Hülpes, sprach in seiner Rede von einem "Thema von enormer Dimension", das im Zuge des demografischen Wandels immer größere Ausmaße annimmt.

Besonderes Lob gilt Pia Linden-Burghardt von der Beratungs- und Koordinierungsstelle Hermeskeil für ihre Organisationsarbeit.

"Diese Ausstellung und das Rahmenprogramm sollen aufklären und Verständnis wecken", sagte Hülpes. Die Mitbegründerin der Alzheimer-Gesellschaft Region Trier e.V., Johanna Reusche, hob gerade die Darstellung der persönlichen Sicht eines Betroffenen hervor: "Die Fotos zeigen eindringlich die Veränderungen, die Demenzkranke mitmachen. Das dringt oft nicht an die Öffentlichkeit." Die Krankheit habe viele Gesichter.

"Ich habe mich selbst verloren", habe eine Patientin einmal zu ihm gesagt, erklärte Professor Matthias Maschke, Chefarzt am Brüderkrankenhaus in Trier, in seinem Fachvortrag. Bereits ab dem 20. Lebensjahr lasse beim Menschen die Merkfähigkeit nach. Der Spruch "Wer rastet, der rostet" stimme.

Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens, des Sozialverhaltens oder in der emotionalen Kontrolle - vieles könne auf die Krankheit hindeuten. In Deutschland gibt es eine Million Betroffene. Jährlich kommen 20 000 hinzu. Im Jahr 2050 werden es zwei Millionen sein, so die Schätzungen. Im hohen Alter, vor allem über 90 Jahren, ist über ein Drittel der Menschen von Alzheimer oder Demenz betroffen.

"Es ist eine tödlich verlaufende Krankheit, an der rund ein Drittel der Patienten nach zehn Jahren bereits verstorben sind", sagte Maschke. Medikamente helfen nur bedingt. Schutz biete auch geistige Anregung, viel Bewegung und "mediterranes Essen" mit viel Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl, wie Studien bewiesen haben. Bei fortgeschrittener Krankheit helfe menschliche Wärme. Fortschritte wurden auch mit einem russischen Medikament, das eigentlich gegen Heuschnupfen hilft, erzielt, das jedoch in Deutschland nicht zugelassen ist.

Wenig Mut konnte der Neurologe über die Therapie-Ziele machen: "Wir können das Fortschreiten der Krankheit nur verlangsamen. Gestoppt werden kann Demenz bislang noch nicht."