Viele Glücksbringer

KELL/HERMESKEIL. (hm) Hochwälder Bräuche sind Ausdruck der Geselligkeit oder der Gemeinsamkeit. Manchmal sind sie auch nur Formen des alltäglichen Lebens.

Bräuche und Gebräuche waren und sind im Hochwald wichtige gesellschaftliche Umgangsformen. Sie verbinden einerseits die Menschen einer Dorfgemeinschaft miteinander, andererseits geben sie auch Lebensregeln für den Alltag an. Andere werden seit Jahrhunderten gepflegt, auch wenn sie zum Teil ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben. Eine dieser Traditionen ist es, dass im Hochwald und in der Moselgegend am Tag vor Silvester der Neujahrskranz gebacken und frisch verkauft wird. Dann ist beispielsweise bei Bäckermeister Karl-Heinz Jakobs in Lampaden einiges los. Zahlreiche Neujahrskränze wandern über die Theke zu den Kunden, die dieses Jahresend-Gebäck als Glücksbringer für die Familie ansehen. Radkreuze in Form der heutigen Neujahrskränze wurden bereits im frühen Christentum als Zeichen Gottes übernommen und als christliche Gebäcke angeboten. Sie sollen heute ganz einfach Glück bringen und finden deshalb in der Hochwaldregion guten Absatz. Silvester ist als letzter Tag des Jahres nach dem Fest des Tagesheiligen Papst Silvester I. benannt. Dieser Festtag wird von der Kirche seit dem Jahr 354 gefeiert. Um Mitternacht ist auch die Hochwaldregion erfüllt von krachenden Feuerwerken und Böllerschüssen. Sektkorken knallen, Freunde und Nachbarn stoßen auf das neue Jahr an. Neujahr ist eher ein weltliches denn ein kirchliches Fest. Die Überlieferung besagt, dass im alten Rom aus diesem Anlass ausschweifende Feierlichkeiten mit Ess- und Trinkgelagen sowie Opfergaben stattfanden. Von den Christen wurde dieses heidnische Treiben zunächst gänzlich abgelehnt. In der Bevölkerung sind die römischen Neujahrsbräuche aber erhalten geblieben, als das Christentum im vierten Jahrhundert zur römischen Staatsreligion wurde. An Silvester und Neujahr sind unzählige Glücksbringer im Einsatz, damit das neue Jahr einen guten Verlauf nehmen soll. Hufeisen, vierblättrige Kleeblätter, Brezeln, Schweinchen, Marienkäfer und kleine Schornsteinfeger sind Symbole und Geschenke, die seit Jahrhunderten das Glück beschwören sollen.Der wilde Eber der germanischen Götter

Das Glücksschwein aus Marzipan erinnert an den Wilden Eber, der als heiliges Tier der germanischen Götter verehrt wurde. Das Hufeisen soll von Wotans Pferd stammen, und das vierblättrige Kleeblatt schließlich sei Glück verheißend, weil es alles gewünschte oder erhoffte Gute vervierfache. Blei gießen ist nach wie vor ein Renner bei jeder Silvesterparty, auch in der Hochwaldregion. Dort ist es in vielen Familien Brauch, in geselliger Runde bei Fondue oder Raclette zu speisen. Gute Vorsätze werden gefasst, doch meist fällt es schwer, sie durchzuhalten. Der erste Tag, an dem man sie verfolgen will, ist Neujahr. Da wacht fast jeder mit einem dicken Kopf auf, und schon sind alle guten Vorsätze vergessen.