Von Hand und zu Fuß

KORLINGEN. Im Musikverein (MV) ist Siegfried Moraweck das älteste Mitglied. Der 66-Jährige hat allerdings als Kassierer des Vereins – die anfallenden Arbeiten erledigt er auf eine besondere Art – seit vielen Jahren einen vertrauensvollen Posten.

Kurt Koppka ist einer der Kassenprüfer des MV Korlingen. "Siggi", so nennt jeder den Kassierer, "ist äußerst korrekt und versteht es, seine Kasse jederzeit ohne Beanstandungen zu führen." Im Jahre 1976 ist Moraweck, drei Jahre nach der Gründung der Kapelle, als Posaunist in die Reihen der Musiker gekommen. Die ersten Töne brachte ihm Gründungsmitglied und Dirigent Rudolf Neu bei. 1984 wurde er Kassierer, und er entwickelte damals eine Buchführungs-Technik, die er bis heute beibehalten hat. "Mit einem Computer will ich heute nicht mehr anfangen", sagt er und verlässt sich auf sein Journal. Die Frage drängt sich auf, was jemand, der 30 Jahre Lokführer und 15 Jahre Schlosser war, von Buchführung und einem Journal versteht. Moraweck hatte überhaupt keine Ahnung und brachte sich das erforderliche Wissen selbst bei. Pingelig genau verbucht er das Geld des Vereins. Drei Journale hat er dazu angelegt und vermerkt sauber alle Ein- und Ausgänge. Bis zu 500 Buchungen hat er dabei in einem Vereinsjahr zu bewältigen. Sein System: Die Kosten werden rot und die Einnahmen grün markiert. Am Ende der langen Zeile ist jederzeit der aktuelle Kontostand ersichtlich. Radiergummi oder Tipp-Ex sind dem Pensionär fremd. Gewissenhaft sorgt er für den finanziellen Überblick. "Viel Arbeit steht für mich immer an, wenn wir besondere Veranstaltungen wie unser Sommerfest im August abzurechnen haben." Dann sind ungewöhnlich viele Buchungen erforderlich. Die Journale erzählen die Finanz-Geschichte des Vereins. Da geht es um Mitgliederbeiträge, Kosten für die Verpflegung von Musikern, Fahrtkosten, Zinsen, Feste, Einkäufe von Noten und Instrumenten oder um bezahlte Auftritte. Zu jeder Buchung im Journal gehört ein Beleg im Ordner. Eine Besonderheit erlebt der Kassierer jedes Jahr. Rund 50 Vereinsmitglieder wollen ihre Beiträge bar bezahlen. "Sie besuche ich dann zu Fuß und unterhalte mich mit ihnen", sagt er. Diese Mitglieder seien am persönlichen Kontakt zur Vereinsführung interessiert. Moraweck will seine Aufgabe in den nächsten Jahren weiterführen. Ein Problem hat er: Die Journale gibt es nicht mehr im Handel. Er bekommt sie nur über Sonderbestellung.