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Religion
Ein Blick ins Innere der Moschee

Fünf Mal am Tag wird hier in Richtung Südosten, gen Mekka, gebetet. Die Moschee steht immer offen für Muslime und Nicht-Muslime.
Fünf Mal am Tag wird hier in Richtung Südosten, gen Mekka, gebetet. Die Moschee steht immer offen für Muslime und Nicht-Muslime. FOTO: Clemens Sarholz
Konz. Das Kopftuch, der Handschlag, die türkische Politik und die Religion prägten vergangenen Mittwoch den Tag der offenen Moschee in ganz Deutschland. 200 Besucher waren in Konz dabei.

Seit über 20 Jahren begehen am Tag der Deutschen Einheit Besucher den Tag der offenen Moschee. In den Konzer Moscheen sahen sich die Gastgeber durchweg kritischen Fragen ausgesetzt, wobei nicht nur die Religion eine Rolle spielte.

Yasmina Ben Lahbib ist eine junge Frau mit herzlichem Lächeln, klugen Augen und einem sehr gepflegten Äußeren. Sie studiert Psychologie in Trier und engagiert sich als Integrationshelferin an einer Schule. Und sie trägt ein Kopftuch. „Für mich ist das selbstverständlich, und ich wehre mich dagegen, dass das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung sein soll. Es ist Ausdruck meines Glaubens“, sagt sie und beginnt einen Vortrag über die Rolle der Frau im Islam.

Vor Gott seien Männer und Frauen gleichberechtigt, sage der Koran, doch habe Gott ihnen unterschiedliche Aufgaben zugeteilt. Der Mann sei beispielsweise im Islam dazu verpflichtet, allein für den Unterhalt seiner Familie zu sorgen, wofür er sich auch vor Gott verantworten müsse. Wenn eine Frau dagegen durch ihre Arbeit eigenes Geld verdient, müsse sie nichts davon abgeben. Auch sei die eigene Mutter im Islam der Mensch, der das höchste Maß an Respekt verdiene und auch dementsprechend behandelt werden müsse.

Die Zuhörer sind angehalten, Fragen zu stellen und zur Diskussion anzuregen. Der Imam, Hasan Saritas, beantwortet sie. Er trägt einen turbanähnlichen Hut, dazu ein weißes Gewand aus feinem Stoff mit goldbestickten Ornamenten, und seine Stimme trägt. Insgesamt bietet er ein gottesfürchtiges Erscheinungsbild.

Ein Mann meldet sich: „Ich weiß nicht, wie ich mich einer Muslima gegenüber verhalten soll.“ Er wirkt verunsichert. „Darf ich ihr zur Begrüßung die Hand geben?“ Tehvin Yilmaz, zweiter Vorsitzender der Haci Bayram Camii Moschee, übersetzt die Frage, damit Saritas, der nur wenig Deutsch spricht, antworten kann.

„Dass Frau und Mann einander berühren, ist im Islam Eheleuten vorbehalten. Ein Lächeln würde als Geste der Begrüßung genügen.“ Der Wertekanon der Muslime geht auf den Propheten Mohammed zurück. Er empfing vor etwa 1400 Jahren Offenbarungen von Allah, dem Gott, an den Muslime glauben. Die Offenbarungen wurden niedergeschrieben und im Koran zusammengefasst.

„Wie geht der Islam mit Homosexualität um?“, fragt ein anderer Besucher. „Im Koran gilt die Homosexualität als Sünde.“ Die Offenbarung, die dem zugrunde liege, dreht sich um Lot. Es ist derselbe Lot, dessen Frau im Alten Testament der Bibel zur Salzsäule erstarrt ist. „Das Christentum bekleckert sich bei dem Thema auch nicht mit Ruhm“, ärgert sich eine scheinbar nichtmuslimische Frau leise von der Seite.

Die Gastgeber sind bemüht, die Gemeinsamkeiten des Glaubens ins Licht zu rücken. Jesus gebe es auch im Koran, sagt Randell Matthieu, er ist Vorstandsvorsitzender einer Moschee. Sogar die unbefleckte Empfängnis erkennen Muslime an und auch die Wunder. Nur ist er eben aus ihrer Sicht nicht Sohn Gottes wie im christlichen Glauben, sondern Sohn der Maria.

Die muslimischen Gastgeber, die sich den kritischen Fragen stellen, haben anscheinend das Gefühl, ihren Glauben rechtfertigen zu müssen. „Wir haben Angst, falsch verstanden zu werden, und deswegen müssen wir unsere Worte sehr bedacht wählen“, sagt Yilmaz im Gebetsraum der Moschee. Er kommt gerade vom Nachmittagsgebet und steht ohne Schuhe auf einem großen, roten, weichen Teppich, der verziert ist. „Der Islam ist eine Religion des Friedens, aber der Ruf wird durch fundamentalistische Terroristen zerstört.“

Auch Medien hätten ihren Teil dazu beigetragen. „Die Medien berichten immer über Erdogan und Ditib und die Politik in der Türkei. Das hat aber nichts mit unserem Glauben zu tun. zu Hause sprechen wir natürlich auch über Erdogan und die Türkei und die Politik, aber hier ist ein Ort des Glaubens, und das müssen wir trennen“, sagt Yilmaz, bevor er zum Essen und zum Wiederkommen einlädt. „Wir freuen uns immer über Besuch und Austausch.“