Beim Angeln kommen die Ideen

Beim Angeln kommen die Ideen

Als musikalischer Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne, zwischen Klassik, Barock und neuzeitlichem Jazz versteht sich Markus Burger. Diese Elemente sind auch der Schwerpunkt seines Programms, mit dem er beim Mosel Musikfestival in Trier gastieren wird.

Trier Markus Burger, der aus der Region stammt und mittlerweile in den USA lebt, gab dem TV vor seiner Reise zum Mosel Musikfestival ein Interview. Herr Burger, Sie sind Deutschland ja schon seit längerem abhanden gekommen. Was hat Sie nach Texas verschlagen - der Bundesstaat ist ja nicht gerade berühmt für seine Jazzszene.Markus Burger: Ich lebe seit 17 Jahren in Kalifornien. Erst in Sacramento, dann in Santa Monica, Fullerton und nun in Murrieta. Die Westcoast Jazz Szene ist eigentlich super, und ich habe gerade mit dem Bassisten Bob Magnusson und dem Schlagzeuger Peter Erskine Aufnahmen gemacht, die wahrscheinlich bald in Europa herauskommen werden. Das Leben ist angenehm hier. Unsere Stadt hat einen eigenen Jazzclub, in dem ich auch selber circa zwei- bis dreimal im Jahr spiele. Gerade habe ich mit José Marino, dem legendären Bassisten von Antonio Carlos Jobim, und dem Percussionisten Julio Figuera aus Brasilien hier gespielt. Es gibt guten Rotwein und viel Musik auf den Weingütern.Sie unterrichten Klavier am Fullerton College in Kalifornien. Worauf legen Sie bei Ihrem Unterricht Wert? Was muss man können bzw. mitbringen, um von Ihnen als Schüler akzeptiert zu werden?Burger: Ich unterrichte Music Industrie Studies in Fullerton. Klavier unterrichte ich an der San Diego-State-Universität. Es gibt an der Uni Auditions wie bei uns. Die meisten Studenten sind nicht immer so weit wie in Deutschland oder in England. Was sie uns allerdings voraushaben, ist besserer Swing! Auch die Kollegen am College sind nicht so bewandert wie viele der Kollegen in Europa. An der Uni sieht das wieder anders aus. Dort sind die Professoren auch gute Musiker - etwa Bob Magnusson.Zahlreiche US-Jazzmusiker hat es einst nach Europa verschlagen, weil ihre Musik hier mehr wertgeschätzt wurde als in den USA. Wie beurteilen Sie die Situation heute?Burger: Ist leider immer noch genauso. Hier gibt es einige Stars wie Wynton Marsalis, Pat Metheny und Keith Jarrett, aber weniger junge Musiker die nur vom Spielen leben können wie viele Kollegen in Europa. Ich spiele sicherlich 70 Prozent meiner Konzerte im Ausland.Was hat Sie dazu bewogen, eine Karriere als Jazzpianist dem eines klassischen Pianisten vorzuziehen?Burger: Ich fand klassische Musik eher unlebendig. Eine Musik, die sehr restriktiv ist, die sich nicht weiterentwickelt hat und wenig Spielraum gab. Ich komponiere selber ja auch viel und spiele gerne meine eigenen Kompositionen. Mit Jan von Klewitz improvisiere ich ja über Musik klassischen Ursprungs oder besser barocken Ursprungs.Welche Rolle spielt der deutsche Jazz in den USA?Burger:Es gibt einige Free-Jazz-Kollegen, die hier bekannt sind, Albert Mangelsdorff etwa. Aber ansonsten spielen deutsche Jazzer keine besondere Rolle. Anders war das gerade in Europa, wo ich als Juror beim Europäischen-Jazz-Wettbewerb in Bukarest war. Da traten viele hervorragende Musiker deutscher Herkunft auf. Meine Favoritin Miriam Ast wurde auch Vokalpreisträgern und kommt aus Speyer.Gibt es einen "nationalen" Jazz? Anders gefragt: Spielen Sie als deutscher Musiker anders als ein amerikanischer oder russischer Kollege?Burger: Ich glaube, es gibt sicherlich einen bestimmten Sound, der durch Städte geprägt ist wie etwa die Kölner Jazzhaus-Szene oder Jazz aus London.Wovon lassen Sie sich bei Ihrer Musik inspirieren?Burger: Ich schreibe viel beim Angeln. Wenn ich aus Alaska wiederkomme, komponiere ich meistens sehr viel Musik. Letztes Jahr war ich auf Kodiak Island und habe danach das Material des Albums mit Peter Erskine geschrieben.Wie komponieren Sie? Kommt Ihnen in irgendeiner Situation ein Motiv in den Sinn, oder sitzen Sie improvisierend am Klavier, bis Sie plötzlich ein Thema fangen, mit dem Sie weiterarbeiten möchten?Burger: Ich glaube, so kann man das ganz gut beschreiben. Was könnte oder müsste man tun, um den Jazz populärer zu machen?Burger: Viele neue Richtungen im Jazz sind ja relativ populär. Die Musik aus Norwegen und Schweden, die von den Labels ACT und ECM vertreten wird, hat doch viele Freunde.Ragtime, Swing, Bebop, Third Stream, Cool, Free Jazz, Jazz Rap, Electroswing ... was kommt als Nächstes? Wohin kann sich der Jazz noch entwickeln? Und wo sehen Sie sich musikalisch in zehn oder 20 Jahren?Burger: Ich könnte mir vorstellen, dass es eine noch stärkere Symbiose von Jazz und Elektronik geben wird oder von Jazz und Folk Musik sowie Songs der letzten zehn Jahre, wie man sie bei der Stockholmer Band Dirty Loops und dem US-amerikanischen Fusion/Jazzrock-Kollektiv Snarky Puppy findet. Ich arbeite selber gerade an einem neuen Album, das Ambient Electronics (eine Variante der elektronischen Musik, bei der sphärische, langgezogene Klänge dominieren) mit Jazz verbindet.Beim Mosel Musikfestival tritt Markus Burger am Samstag, 19. August, 22 Uhr, in der Reihe "Nachts in der Basilika" mit dem Saxofonisten Jan von Klewitz und dem Athos Ensemble in der Konstantin-Basilika, Trier auf.Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/tickets" text="www.volksfreund.de/tickets" class="more"%>Extra: PIANIST MIT WURZELN IN WITTLICH

Markus Burger wurde 1966 in Wittlich geboren. Im Alter von acht Jahren begann er mit Klavierunterricht und wandte sich - nachdem er bei einigen klassischen Musikwettbewerben Preise gewonnen hatte - dem Jazz zu. Er studierte in Hilversum und Hamburg sowie an der Folkwang Hochschule in Essen. Er konzertierte unter anderem mit Cecil Payne, Kenny Wheeler und Norma Winston. Mit Joe LaBarbera und Bob Magnusson bildet er das Trio Accidental Tourists (Live in L.A., 2010). Er ist Klavierdozent am Fullerton College in Kalifornien.

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