Der Prinz, ein Arzt und die Kreiszahl

Der Prinz, ein Arzt und die Kreiszahl

In jedem Monat präsentiert TV-Redakteur Andreas Feichtner seine persönlichen Konzerttipps. In der Vorweihnachts-Zeit zieht es dabei auffällig viele Musiker mit Pseudonymen in die Region.

Trier. (AF) "Mein Name passt perfekt zu mir", das antwortete Schauspieler Johnny Depp einst. Angesprochen darauf, dass sein Name im Deutschen schnell die blassesten Kalauer sprießen lässt. Prinz Pi würde das vielleicht nicht unbedingt so unterschreiben. Der Berliner Rapper, der bürgerlich Friedrich Kautz heißt, firmierte lange Zeit unter "Prinz Porno". Bis er irgendwann keine Lust mehr hatte, von vielen Medien die Promo-CDs wieder ungeöffnet zurückgeschickt zu bekommen. Nur weil die Rezensions-Verweigerer hinter dem Blaublut-Rotlicht offenbar keine poetischen Preziosen witterten. Ein Affront! Oder, um das Ärgernis einmal im Duktus des Bordstein-Feuilletons einzuordnen: "Remember Goethe? Gefühl ist alles, Ihr räudigen Hunde, Name ist Schall und Rauch." Verzeihung!

Göttlich: Deus kommt gleich im Doppelpack



Seit die Kreiszahl Pi den Porno ersetzt hat, ist der Prinz jedenfalls auch für Mathematiker nicht mehr angreifbar. Und dass man von Prinz Pi und seinem Auftritt in Trier (8. Dezember, Exhaus) durchaus etwas erwarten kann, legt sein neues Album "Neopunk" nahe. Das ist musikalisch erfrischend vielseitig, von den Texten sozialkritisch, ohne ins Dumpfe abzudriften - dazu kommt eine feine Melancholie, die vielen seiner Rap-Kollegen eher abgeht. Könnte ein spannender Abend werden.

Wenn wir schon bei Pseudonymen sind: Für größere Menschen-Ansammlungen sorgen Campino & Co. (Die Toten Hosen, 2. Dezember, Arena, ausverkauft). Am 6. Dezember stellt Farin Urlaub am gleichen Ort das gelungene neue Album seines Racing Teams vor. Nach der Tour zieht es Farin wieder in einen längeren Urlaub. Bleibt noch Shantel (Stefan Hantel), den es nach einem großartigen Auftritt im vergangenen Jahr in den Kaiserthermen mit seinem Bucovina Club Orkestar wieder nach Trier treibt (der Tanz-Tipp des Monats: 15. Dezember, Varieté Chat Noire). Einen Klassiker gibt es schon gleich zu Monatsbeginn: Die belgischen Alternative-Gralshüter Deus spielen gleich an zwei Tagen im luxemburgischen Atelier. Das Konzert am 1. Dezember war in kürzester Zeit ausverkauft. Für den zweiten Termin am 2. Dezember gibt es noch Karten. Und je näher es Richtung Weihnachten geht, desto traditioneller wird es. Bekannte Weisen bringen Guildo Horn (23., Europahalle) oder The Rudolphs (23. Dezember, Tufa) auf die Bühnen. Ein Höhepunkt zwischen den Jahren ist dabei das Weihnachtskonzert von Jupiter Jones (Deutsch-Rock/Punk) am 27. im Exhaus. Die Jungs aus der Region sind mittlerweile längst überregional bekannt - da sollte es im Exhaus doch kuschelig voll werden.

Zugabe

Tipps: 4.12. Heinz Strunk (Lesung mit dem Kult-Autor, Chat Noire Trier), 5.12. Bad Dudes/Carlton Bangs (Trier, Exhaus), 11.12. Götz Widmann (Songwriter, Exhaus), 13.12. The Shanes (Jahresabschluss, Exhaus), 13.12. Tindersticks (Rockhal Esch), 15.12.: Slipknot & Machine Head (das Metal-Paket des Jahres, Rockhal, ausv.), 19.12. Intl. Noise Conspiracy (Esch/Kufa), 19.12. Electricity-Festival (Rockhal Esch), 27.12. Klimaschock (Ducsaal Freudenb. ) (AF)

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