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Ein Kampf mit dem Tod

Trier. Mit Sehnsucht, Tod, Erlösung und jeder Menge Klanggewalt beendete das Mosel Musikfestival seine Ausgabe 2013 in der Trierer Basilika. Man sei stolz auf das international ausgerichtete Festival, sagte sein Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Günther Schartz. Eva-Maria Reuther

Trier. "Weh mir, wo nehm ich, wenn es Winter ist, die Blumen und wo den Sonnenschein?" Friedrich Hölderlins bange Dichterfrage schien im Raum zu stehen, als an diesem frühen Herbsttag das Mosel Musikfestival in der Trierer Basilika zum Schlussakkord ansetzte. Um letzte Dinge, Unbeständigkeit, Todesnähe und Erlösungssehnsucht ging es beim Abschlusskonzert des Festivals, einem Projekt der Evangelischen Kirchengemeinde Trier in Zusammenarbeit mit dem Mosel Musikfestival. Die Leitung hatte Martin Bambauer.
Mit Franz Schuberts berühmter wie beliebter "Unvollendeten" begann der Abend. Die Musiker des Münchner Barockorchesters L\'Arpa Festante machten auf ihren historischen Instrumenten die düstere Seelenlandschaft der Musik, durch die sehnsüchtige Melodien ziehen, in ihrer Farbvielfalt und ihren wechselnden Stimmungen erlebbar.
Düstere Violinen


Bambauer ließ rhythmisch konturiert spielen und arbeitete kammermusikalisch das Frage- und Antwortspiel der Instrumente heraus. Tröstlich erklangen die Bläser. Wunderbar: das düstere, feine Gemurmel der Violinen zum Anfang. Schuberts ruheloser Sinfonie folgte - womöglich als Antwort auf all die musikalische Ungewissheit - seine gewaltige Messe in As-Dur, gesungen vom Bachchor Trier.
Als Schuberts Kampf mit dem Tod hat der Dirigent Nikolaus Harnoncourt die Messe bezeichnet. Gekämpft wurde an diesem Abend tatsächlich an allen Fronten. Bambauer setzte auf Klanggewalt. Was nicht nur der Dynamik der Musik schlecht bekam. Mochte der Chor noch so sehr mit vollem Einsatz und Engagement singen. Die mörderisch hohen Frauenstimmen forderten die Sängerinnen bis an ihre Grenzen und überforderten sie unüberhörbar. Was himmlische Klarheit vermitteln sollte, geriet dabei schrill und allzu scharf. Und auch die Münchner Musiker wie die Solisten hatten Mühe, der Klangmacht standzuhalten. Sehr schön erklang der Chor im tröstlichen "Benedictus, qui venit in nomine Domini" oder zum Ende im "Agnus Dei".
Hervorragend ausgewählt waren die - in dieser Messe leider nur spärlich eingesetzten - Solisten. Engelgleich erklang Johanna Winkels reiner Sopran. Gundula Schneiders warmer Alt verstand sich gleichermaßen auf Dramatik wie Innerlichkeit. Neben Andreas Karasiaks schlankem Tenor erklang Klaus Mertens verlässlicher Bass. Etwa 850 Zuhörer bedankten sich.