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| 20:25 Uhr

Ein Leben für die Musik: Zum Tod von Domkapellmeister Klaus Fischbach in Trier

Für Klaus Fischbach ist der Domchor ein Universal-Instrument – „wie eine gute Orgel“. TV-Foto: Martin Möller
Für Klaus Fischbach ist der Domchor ein Universal-Instrument – „wie eine gute Orgel“. TV-Foto: Martin Möller FOTO: Martin Möller (mö) ("TV-Upload M?ller"
Trier. Klaus Fischbach, lange Jahre Domkapellmeister in Trier, ist tot. Er wurde am Donnerstag leblos in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Als Ursache gelten Herzinfarkt oder Schlaganfall. Martin Möller

Spuren von einem Todeskampf gibt es nicht. Der Tod muss ihn auf dem Weg vom Arbeitsplatz zum Klavier ereilt haben - völlig überraschend und ohne Schmerzen. Fischbach starb, wie er gelebt hatte: leise, unauffällig und ganz inmitten der Musik.

Klaus Fischbach wurde am 5. Juli 1935 geboren. Er stammt aus dem kleinen Eifelort Wallenborn. Die prägende Gestalt in seiner musikalischen Entwicklung war Johannes Klassen, Trierer Domkapellmeister 1934 bis zu seinem Tod 1957 und gleichfalls aus Wallenborn stammend. Klassen muss dem jungen Klaus Fischbach mehr vermittelt haben als musikalische Techniken. Er setzte zu Beginn der 1940er Jahre beharrlich die Aufnahme von Frauen in den Domchor durch und schuf so einen gemischten Chor aus Frauen, Männern und Knaben, der für Fischbach wegen seiner stilistischen Anpassungsfähigkeit ein Ideal geblieben ist.

Damit hat Fischbach in einer imponierenden Breite das Musikleben des Bistums und der Stadt Trier bereichert. Er hat mit dem Domchor den Gottesdiensten musikalische Gestalt gegeben und mit Aufführungen großer Oratorien Maßstäbe gesetzt - von Händels "Messias" bis hin zum "Requiem Canicaeanum" seines Trierer Komponistenkollegen Heinz Heckmann, das er nach einer missglückten Uraufführung mit einer zweiten Aufführung rehabilitierte.

Ein "Chorleiter im Geist von Johannes Klassen" sei er, sagte er, so wie er sich als Komponist an Heinrich Lemacher und dem Bernkasteler Hermann Schroeder orientiere. Die Zahl seiner Werke ist beachtlich. Im Internet werden rund 150 Kompositionen angeboten, kleinere, oft für bescheidene Besetzungen und umfangreiche wie die Oberweseler Liebfrauenmesse oder die "Trierer St. Piddersmesss", die unter Leitung des Komponisten am 6. Juni 2015 uraufgeführt wurde.

27 Jahre lang, von 1973 bis zum Jahr 2000, leitete Fischbach die Dommusik. Er war der erste Trierer Domkapellmeister ohne geistliche Weihe und lebte damit in der für ihn charakteristischen leise selbstbewussten Art. Als er zu Beginn seiner Tätigkeit dem Domkapitel mit den Worten vorgestellt wurde "Domkapellmeister Fischbach, ein Laie", korrigierte er spontan: "Nein, ein Fachmann!".

Fischbach hatte ja nicht nur seinen Domchor, sondern auch den " Madrigalchor Klaus Fischbach ", mit dem er auch außerhalb der Kirche bis zu seinem Tod aktiv gewesen ist. Mit dem Madrigalchor demonstrierte Fischbach die hohe Schule der Chormusik a-cappella: eine sorgfältig austarierte Klangkultur, ein präziser Umgang mit dem gesungenen Wort, ein feines Sensorium für Stile und Stildifferenzen. Immer noch und immer wieder hat er mit diesem Kammerchor die Hörer beglückt und die Ausführenden dazu. "Er war für uns wie ein Vater", sagte Chorsprecherin Ulrike Bierbüsse. Pläne mit diesem Chor gab es noch zuhauf. "Mein Leben reicht nicht aus für das, was ich noch mit euch machen will", sagte er einmal. Die Nachricht von seinem völlig unerwarteten Tod hat darum nicht nur seine Angehörigen und Kollegen überrascht, sondern vor allem die zahlreichen Sänger, die sich ihm zugehörig fühlten.