Hommage an eine Jazz-Ikone

Dudelange · Hierzulande ist die französisch-belgische Sängerin Viktor Lazlo Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre als Popsängerin ("Sweet, Soft and Lazy") und Duett-Partnerin von Stefan Waggershausen ("Das erste Mal tat\'s noch weh") bekanntgeworden. Nun hat sich die 54-Jährige als profunde Jazz-Interpretin vorgestellt. In Luxemburg sang sie Titel von Billie Holiday.

 Mit viel Einfühlungsvermögen bringen Viktor Lazlo und ihr Begleiter Michel Bisceglia den Zuhörern im Kulturzentrum Opderschmelz Leben und Musik von Billie Holiday nahe. TV-Foto: Anke Emmerling

Mit viel Einfühlungsvermögen bringen Viktor Lazlo und ihr Begleiter Michel Bisceglia den Zuhörern im Kulturzentrum Opderschmelz Leben und Musik von Billie Holiday nahe. TV-Foto: Anke Emmerling

Foto: Anke Emmerling

Dudelange. Vor drei Jahren hat Viktor Lazlo zusammen mit dem Autor Eric-Emmanuel Schmitt im Théâtre Rive-Gauche Paris eine szenische Hommage an die legendäre Jazzsängerin Billie Holiday (1915-1959) auf die Bühne gebracht. Deren musikalischen Kern hat sie nun im Kulturzentrum Opderschmelz, Dudelange, zu einem Konzert mit intimem Charakter verdichtet.
Nur begleitet vom Jazzpianisten Michel Bisceglia bringt sie knapp 20 Songs der Ikone zu Gehör, die am 7. April vor 100 Jahren in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland geboren worden und später zum Weltstar der Jazzszene aufgestiegen war. Es sind Stücke, die Billie Holiday durch ihre Interpretation zu Klassikern gemacht hat, wie "I cover the Waterfront" oder "Summertime". Es sind aber auch viele, die für Holiday oder von ihr selbst geschrieben wurden und engen Bezug zu ihrem tragischen, von Prostitution, Drogensucht und Gefängnisaufenthalten gezeichneten Leben aufweisen, zum Beispiel "God Bless the Child" oder "Dont explain".
Viktor Lazlo macht glücklicherweise gar nicht erst den Versuch, die für ihre einzigartige Improvisationsstärke bekannte Holiday zu kopieren, sondern setzt ihre eigenen Mittel ein, um zu betonen, worauf es in deren Liedern ankommt: auf das Gefühl.
Lazlo, Tochter karibischer Eltern, verfügt über eine warme, angenehm zwischen Dunkel und Hell changierende Stimme, die sie technisch versiert und mit behänder Leichtigkeit einsetzt. Lautmalerische Scatpassagen in "Them there Eyes" oder flotter Swing in den temporeichen rhythmischen Wortfolgen von "Swing Brother Swing" klingen da genauso überzeugend wie der tiefe Blues in "Fine and Mellow".
Zu einem bewegenden und zart-eindringlichen Höhepunkt macht sie "Strange Fruit", das 1939 aus einem Gedicht des jüdischen Lehrers Abel Meeropol entstandene Stück über Lynchjustiz an Schwarzen, das einer der größten Erfolge Billie Holidays war.
Pianist, Komponist und Produzent Michel Bisceglia untermalt und illustriert die beklemmende Thematik mit sensiblen leisen und traurigen Tönen. Überhaupt erweist er sich in nuancenreichen Improvisationen zu jedem Titel als ein Meister der Stimmung und Atmosphäre. Das musikalische Bild von Billie Holiday, das sich auf diese Weise formt, ergänzt Viktor Lazlo, die ihren Künstlernamen aus dem Kultfilm "Casablanca" entliehen hat, mit französischsprachigen Erzählungen über Holidays Leben. Auch hier findet sie mit Einfühlungsvermögen und Humor den richtigen Ton. Sie vermittelt unter anderem die Diskriminierungserfahrungen der farbigen Jazzsängerin, die als eine der ersten mit weißen Musikern auftrat, oder deren unglückliche Erfahrungen mit Männern und Geld.
Das knapp eineinhalbstündige Programm kommt bei den 400 Besuchern gut an. ae