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Kammermusik-Reihe im Trierer Palais startet mit Experiment

Kammermusik-Reihe im Trierer Palais startet mit Experiment

Es gehört Mut dazu, zum Saisoneinstieg die Besetzung Streichquartett plus Gitarre, Bandoneon und Kontrabass anzubieten. Trotz erheblicher künstlerischer Probleme - sinnvoll war das Experiment der Trierer Kammermusikalischen Vereinigung allemal.

Trier. Es klang nach Caféhaus, und das muss kein Nachteil sein. So verbreitete sich beim "Hombre Tango" von Bandoneon-Interpret und Komponist Marcelo Nisinman ganz spontan eine gelöste, fast beschwingte Stimmung im Trierer Kurfürstlichen Palais. Und die hielt bei Boccherinis Quintett für Gitarre und Streichquartett an, obwohl sich bei den Interpreten zunehmend Pro bleme auftaten. Bei Zusammenspiel und Intonation gab es Defizite. Vor allem: Es gelang nicht, die Soli von Gitarrist Friedemann Wuttke und die Tutti des Infinitum-Streichquartetts voneinander abzugrenzen. So entwickelte sich ein edler Wettstreit zum aussichtslosen Kampf.
In Astor Piazollas "Tango Sensations" für Bandoneon und Streichquartett kam die lateinamerikanische Stimmung eher schwerfällig daher. Die vier Streicher setzten vor allem auf Klang und großflächige Dynamik und vernachlässigten die kleinen, die "sprechenden" Laut-Leise-Differenzierungen. Zu Mozarts Streicher-Divertimento KV 136 nach der Pause stellte eine Besucherin die nachvollziehbare Frage, ob Mozart wirklich schöner klingt, wenn er nur schneller gespielt wird. Und in Piazzollas Doppelkonzert für Gitarre, Bandoneon und Quintett plusterten die Streicher den Klang auf, als wären Sinfoniker am Werk.
Wer wirklich die Schönheiten lateinamerikanischer Musik erleben wollte, musste sich lange gedulden. Endlich, in der Zugabe und nur mit dem Duo Wuttke/Nisinman, war sie da - diese unnachahmliche Stimmung aus sanfter Melancholie und beschwingter Lebensfreude. "Ein trauriger Gedanke, der getanzt werden kann", sagte einst Enrique Santos Discépolos über den Tango.
Die 180 Zuhörer reagierten unterschiedlich. Eine lautstarke Fraktion, vielleicht die Mehrheit, bekundete helle Begeisterung, andere beließen es bei Höflichkeitsbeifall. Es war ein Versuch, und Versuche können schiefgehen, sonst hat der Begriff keinen Sinn. Trotz allem: Gelohnt hat sich das Konzert für die meisten Besucher ganz gewiss. mö