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Mensch... Manfred Schell!

Mensch... Manfred Schell!

Respekt, Respekt, Manfred Schell! Wenn Sie mit den 15 000 Lokführern Ihrer Gewerkschaft GDL den Bahnverkehr in Deutschland lahmlegen wollen, dann weiß aber auch ein jeder (inklusive Mehdorn), wo der Hammer hängt.

Millionen Menschen werden zu spät zur Arbeit kommen, sich auf verstopften Straßen schwarzärgern und die Taxistände überrennen. Sie werden sich Blasen an die Füße laufen, sich Muskelkater auf dem nach Jahren wieder aus dem Keller hervorgeholten Fahrrad holen und zu spät zur Entbindung ihres Erstgeborenen kommen. Immerhin kämpfen Sie auch für "Ihre Bahn". Von der Pike auf haben Sie das Lokführer-Geschäft gelernt, haben bei den ollen Dampflokomotiven als "Rohrbläser" Ruß aus Rohren gepustet, tonnenweise Kohlen geschippt und stinkende Schweinewaggons ausgemistet. Auch wenn Sie äußerlich eher an den sprichwörtlichen Bahnhofsvorsteher von Heckhuscheid erinnern, mit Ihnen ist nicht zu spaßen: Sie wollen einen besseren Tarifvertrag für Ihre Mitglieder - schlappe 31 Prozent mehr Gehalt - und wenn das heißt, dass Deutschland zu Fuß gehen muss … dann ist das halt so. Außer natürlich bei Ihnen. Sie fahren ja ohnehin lieber mit schnellen Autos als mit der (manchmal auch) schnellen Bahn. Sogar zwei Ferraris haben Sie schon einmal besessen und einen davon auf regennasser Fahrbahn zersemmelt. Das passiert bei einem Zug ja zum Glück ziemlich selten. Sie lassen die Züge jetzt eher symbolisch entgleisen, und Deutschland guckt in die (Tunnel)-Röhre. So entsteht jeden Tag ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehreren Millionen Euro. Naja, halb so schlimm, ist doch für einen guten Zweck. Ach ja, können Sie mich in Ihrem neuen, schnellen Auto vielleicht morgen mitnehmen? Sie wissen ja, die Bahn kommt … nicht. Alexander Houben