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Musikalische Räume für Geist und Gefühl

Nils Mönkemeyer und Andreas Arend im Kloster Machern beim Mosel Musikfestival. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Nils Mönkemeyer und Andreas Arend im Kloster Machern beim Mosel Musikfestival. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Bernkastel-Wehlen. Mit Johann Sebastian Bachs Cello-Suiten und französischer Barockmusik begeisterten der Bratschist Nils Mönkemeyer und Andreas Arend an der Theorba etwa 150 Zuhörer im Kloster Machern.

Bernkastel-Wehlen. So etwas bietet nun einmal nur das Live-Erlebnis. Mäuschenstill ist es im Konzertsaal von Kloster Machern. Vorn auf der Bühne, vor dem himmelwärts strebenden Altarbild der Kapelle, steht Nils Mönkemeyer mit seiner Bratsche und spielt Johann Sebastian Bachs berühmte Cello-Suiten Nr. 1 und Nr. 2. Kaum wagt man zu atmen, um nur ja nicht das feine Gewebe aus Klang und musikalischen Gedanken zu zerstören.
Mönkemeyers Bratsche schafft einen wunderbaren intimen Klangraum, einen stillen musikalischen Rückzugsort, in dem die Musik tief innen leuchtet und zum Echolot der Seele wird. Die Suiten gehören bekanntlich zum "Allerheiligsten" der Cello-Literatur.
In Mönkemeyers Spiel verlieren die faszinierenden Kompositionen nichts an Erhabenheit, nur an Erdenschwere. Fast abgeklärt klingt die Musik zuweilen, befreit von aller irdischen Last und jenem existenziellen Kampf, zu dem das Cello herausfordert.
Letzte Wahrheiten


Mönkemeyers Spiel ist Klangrede im Wortsinn, ein fein ausformulierter, bewegender Gesang, dessen Vielfarbigkeit und Temperamente gleichermaßen aus dem Geist wie aus dem Gefühl kommen. In sich versunken scheint die Musik im großartigen Prélude der Suite Nr. 2 über letzte Wahrheiten nachzudenken. Von virtuoser Leichtigkeit ist die Courante.
Überhaupt hat Mönkemeyers Umgang mit seinem Instrument etwas von einer Liebesbeziehung. Das ist auch in Machern gleich eingangs zu erleben, wenn er in der melancholischen Komposition des Franzosen Marin Marais "La Guitarre" aus "Pièce de Viole" mit seiner Bratsche tanzt, sich in ihrem Rhythmus wiegt und sich zärtlich an sie schmiegt, wenn ihre Musik schmeichelt. Später am Abend wird er kraftvoll in ihre Saiten greifen und sogar mit ihr rasen.
Als Partner hat Mönkemeyer Andreas Arend an der Theorbe mitgebracht. Auf seiner Laute mit den langen Basssaiten ist Arend ein spielfreudiger Partner. Ein geradezu lustvoller Dialog entwickelt sich zwischen den beiden Musikern.
Der sanften Bratsche bietet Arends spröde Theorbe, die manchmal wie ein Spinett klingt, einen idealen Boden. Auch Arend ist ein ungeheuer beredter, einfühlsamer Musiker, gleichsam ein Meister aller Jahreszeiten auf seinem Instrument. Wunderschön: die Suite für Theorbe von Robert de Visée.
Zum musikalischen Bravourstück gerät den beiden Musikern zum Schluss Marin Marais lautmalerisches Blättergesäusel "La Badinage" und der wilde, ausgelassene Tanz "Le Tourbillon" (beide aus "Pièce de Viole"). Die jubelnden 150 Zuhörer erklatschten sich noch drei Zu gaben. er