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Schlampig wie Luise Koschinsky

Schlampig wie Luise Koschinsky

TRIER. Aus Uraltkalauern, Video-Einspielungen und Krawallparodien flickte sich Hans Werner Olm das zweistündige Bühnenprogramm "Ich freu‘ mich so" zusammen. Über 800 Gäste sahen es in der Europahalle in Trier.

Hans Werner Olm hat in seiner 25-jährigen Laufbahn als Komiker fast alle Seiten in diesem Geschäft kennen gelernt. Sein Mitwirken in dem Busen- und Blödelfilm "Sunshine Reggae auf Ibiza" war gewiss nicht die dunkelste. Es ist erst wenige Jahre her, da musste ein Auftritt in der Trierer Tuchfabrik mangels Nachfrage abgesagt werden. Heute füllt er die Europahalle fast komplett. Grund dafür ist die mediale Präsenz, die er seit 2002 mit einer eigenen Fernsehsendung auf RTL genießt. Denn an seinen Programmen hat sich seit Jahren nicht viel verändert. Manche Gags der aktuellen Show "Ich freu‘ mich so" scheinen sogar eher aus seiner Anfangszeit zu stammen. "Trier - im Herzen Deutschlands…", stellt Olm fest und die Geografie auf den Kopf "…und am Arsch der Welt". Es gibt nicht viele Comedians, die sich diesen Uraltkalauer zur Eröffnung noch trauen. Häufiger gleitet Olm auf "Provinzkappensitzungsniveau" ab und erzählt einfach nur Witze. Witze über die schon frühere Generationen allenfalls schmunzeln konnten. Wie beispielsweise zum Thema vegetarische Nahrung. "Meine Mutter hat immer gerufen ,Hans Werner, das Essen wird welk‘." Aber Olm bedient sich nicht nur von längst verrottet geglaubten Witzmüllhalden. Um knapp zwei Stunden Programm zu füllen, zeigt er auch mehrere Einspieler aus seiner Sendung. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Beiträge mit den meisten Lachern bedacht werden. Denn während in seiner Fernsehshow ein Konzept erkennbar ist, wirkt das Bühnenprogramm wie ein Flickenteppich.Witze ohne roten Faden

Eine Show muss nicht unbedingt einen roten Faden haben, um gut zu sein. Aber Olm ist schlichtweg schlampig. Darüber, dass er Zitate den falschen Urhebern zuordnet oder Begriffe verwechselt, lässt sich hinwegsehen. Ärgerlich ist jedoch, dass er oft entweder ohne Aussicht auf eine Pointe daher plappert - Improvisation gehört nicht zu seinen Stärken -, oder zu wenig aus einer guten Nummer heraus holt. Beispielsweise haben seine Songparodien meist nur eine Strophe. Aber Olm kann auch anders. Ganz tief drin, tief unter den Frauenkleidern seiner Prollfigur "Luise Koschinsky", steckt ein kluger Satiriker. In drei vorgetragenen Kurzgeschichten, die zwar derb, aber nicht platt waren, schimmert dies durch. Olm täte gut daran, auch den Rest seiner Nummern so sorgfältig zu erarbeiten. Denn wenn er keine eigene Fernsehshow mehr hätte, die eine enorme Werbung für Bühnenprojekte ist, könnte er in ein paar Jahren wieder Mühe haben, die Tuchfabrik zu füllen. Ingo Appelt kann ihm da gewiss Auskunft geben.