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Todesahnung, Liebessehnsucht

Todesahnung, Liebessehnsucht

Vom Trierer Theater wurde das 3. Sinfoniekonzert am Donnerstag, 24. November, bereits zum "krönenden Abschluss des Mahler-Jahres ausgerufen". Das mag für Trier sogar stimmen. Gustav Mahlers 9. Sinfonie ist zweifellos Höhepunkt des städtischen Mahler-Zyklus\'. Außerdem auf dem Programm: "The unanswered Question" von Charles Ives.

Trier. Über Mahler und das Sinfoniekonzert sprach TV-Redakteur Martin Möller mit Generalmusikdirektor Victor Puhl.
Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 9: Sie ist Mahlers letzte vollendete Sinfonie, wurde aber zu seinen Lebzeiten nicht mehr uraufgeführt. Was ist neu, was ist einzigartig an diesem Werk?
Puhl: Diese Sinfonie ist wie ein Rückblick auf Mahlers Komponistenleben zu einem Zeitpunkt, an dem er sein Lebensende schon vorausahnte. Seine Antwort ist dieses ungewöhnliche Werk. Es strahlt eine gewisse Ruhe aus. Mahler setzt sich nicht mehr mit anderen Personen und Kompositionsstilen auseinander, sondern konzentriert sich ganz auf sich selbst. Man findet in der Sinfonie Zitate aus eigenen Werken. Der erste Satz mit dem einleitenden Tod-Motiv ist symbolisch für Mahlers Situation, in der Todesahnung und Sehnsucht nach Liebe und Frieden sich verbinden. Die Mittelsätze spiegeln Mahlers gebrochenes Verhältnis zu der Welt. Und im abschließenden Adagio schreibt Mahler eine Musik der Entrückung und Erlösung. Abschied von der Welt.

Was bedeutet die Sonderstellung, die diese Sinfonie auch bei Mahler hat, für Sie als Interpreten? Worauf achten Sie, worauf zielen Sie?
Puhl: Ich achte bei der Probenarbeit besonders auf die Deutlichkeit der musikalischen Strukturen. Das ist in dieser Sinfonie eine besondere Schwierigkeit. Der erste Satz beispielsweise verbindet Sonaten- und Variationsform - erstaunlich, dass seine Einheit nie gefährdet ist. Ungewöhnlich ist auch, dass die "Neunte" die einzige Sinfonie von Mahler ist, bei der alle vier Sätze verschiedene Tonarten haben. Sie sind zwar Teil eines großen Ganzen, aber jeder ist für sich ganz eigenständig. Ich achte darauf, dass die Unterschiede zwischen den Sätzen, dass die Kontraste deutlich werden.

Die "Neunte" ist zweifellos Höhepunkt der Trierer Mahler-Reihe. Was kommt danach?
Puhl: Wir werden bei Mahler erst einmal eine kleine Pause machen. Ich bin auch noch nicht sicher, ob wir in der nächsten Spielzeit mit der Reihe weitermachen. Ein schöner Abschluss wäre die 4. Sinfonie. Sie ist leichter und beschwingter. Und in mancher Hinsicht gehören die "Vierte" und die "Neunte" zusammen. mö
3. Sinfoniekonzert am Donnerstag, 24. November, 20 Uhr, im Trierer Theater. Charles Ives, The unanswered Question, Gustav Mahler, Sinfonie Nr. 9. Karten: 0651/7181818, www.theater-trier.de