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Und das alles ohne Noten

Jazz-Professor, Pianist, Produzent, Bandleader und seit kurzem auch der Macher des „Album of the year“ in den USA: Der Trierer Georg Ruby. Foto: Jean M. Laffitau
Jazz-Professor, Pianist, Produzent, Bandleader und seit kurzem auch der Macher des „Album of the year“ in den USA: Der Trierer Georg Ruby. Foto: Jean M. Laffitau
Trier. Großer internationaler Erfolg für einen Künstler aus Trier: Die neue CD des Jazz-Pianisten Georg Ruby wurde in New York als wichtigstes Album des Jahres 2011 ausgezeichnet. Im TV-Interview erklärt er, was es mit seinem ungewöhnlichen Stil "Instant Composing" auf sich hat.

Trier. Georg Ruby gehört - jenseits seiner Musik - zu den eher stillen Größen im Lande. Schon seit Jahren firmiert der 58-Jährige in der Spitzengruppe der deutschen Jazzer, hat unzählige Konzerte gegeben, über 30 CDs produziert. In Saarbrücken ist er Professor an der Musikhochschule, in Köln betreibt er das Jazz-Haus im Stadtgarten und sein Label JazzHausMusik, in Berlin geht er auf Talentsuche. Sein Lebensmittelpunkt liegt aber immer noch in einem alten Bauernhof in Hofweiler, zwischen Trier und Bitburg gelegen.
Seit einigen Tagen hat Ruby schwarz auf weiß, dass sein musikalischer Ruhm deutsche, ja sogar europäische Grenzen sprengt. Das New Yorker Magazin The New York City Jazz Record, die wichtigste Jazz-Zeitung der USA, hat sein neues Album "Deuxième bureau" in ihrer Januar-Ausgabe zur CD des Jahres 2011 gekürt. Ruby hat es zusammen mit dem Luxemburger Klarinettisten Michel Pilz aufgenommen, und die Aufnahme, die nun den Ritterschlag aus Übersee erhalten hat, ist ihre erste gemeinsame Arbeit. Der TV hat mit dem Künstler, der immer noch regelmäßig in Trier auftritt, gesprochen.
Herr Ruby, ist das jetzt der Einstieg in den Weltruhm und die Riesenkarriere?
Georg Ruby: Schön wär\'s. Aber Jazz, zumal in dieser experimentellen Form, ist immer noch ein Nischenprodukt. Selbst die arriviertesten Leute verdienen damit kein Geld. 1000 verkaufte CDs sind da schon extrem viel.
Also ein Preis wie die goldene Ananas: Höchst ehrenvoll, aber es bringt nicht viel?
Ruby: Nein, so eine Ehrung bringt natürlich eine große Image-Steigerung, das ist eine tolle Visitenkarte, wenn es um das Booking von Auftritten geht. Das gilt aber auch, wenn jemand wie Oliver Strauch in Trier den Preis des Jazzclubs EuroCore erhält.
Apropos Trier: Sie sind schon in den 70er Jahren als Musiker nach Köln gegangen, obwohl sie immer hier in der Gegend wohnen geblieben sind. Muss man von Trier weg, um als Künstler was zu werden?
Ruby: Das ist dieses Phänomen mit dem Propheten im eigenen Land. Man geht aus Trier weg, profiliert sich anderswo, und wenn man dann zurückkommt, hat man auf einmal ein wesentlich höheres Ansehen. Aber diese Erfahrung haben auch schon andere gemacht.
Die Musikrichtung von "Deuxième bureau" nennt sich "Instant Composing", auf Deutsch etwa "aus dem Moment heraus komponieren". Was muss man sich darunter vorstellen?
Ruby: Das drückt eine bestimmte Haltung auf der Bühne aus. Wir arbeiten ohne Noten, alles wird improvisiert. Es gibt keine Vorgaben oder Absprachen, da sind wir kompromisslos. Und es wird auch nach der Aufnahme nichts musikalisch bearbeitet oder geschnitten.
Könnte man das auch Free Jazz nennen?
Ruby: Das ist nicht direkt vergleichbar. Free Jazz war eine ganz bestimmte Ära Ende der 60er Jahre, eine sehr emotionale Geschichte, die sich gegen die Konventionen richtete.
Täuscht der Eindruck, oder machen Sie da eine Musik, die den Beteiligten großen Spaß bringt, sich live vielleicht noch ganz gut vermittelt, aber auf CD doch etwas "strange" rüberkommt?
Ruby: Da ist was dran, das ist ganz ähnlich wie bei der Neuen Musik in der Klassik. Im Live-Modus können das Ungeübte sicher griffiger erfahren. Aber es gibt auch viele, gerade auch Freunde zeitgenössischer Klassik, die das als Konserve mögen.
Ich nehme mal an, von dieser Art Musik allein kann man nicht leben …
Ruby: … Das hängt von den Ansprüchen ab … Nein, im Ernst: Als Jazzer muss man flexibel sein. Ich versuche, meinen Schülern an der Musikhochschule eine Ausbildung auch rund um den Beruf herum zu vermitteln. Aber wenn man verschiedene Sachen macht, kann man auch multiplen Spaß haben. DiL