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Wiedergelesen: LieblingsBücher

Wiedergelesen: LieblingsBücher

Der Traum vom schnellen Geld: ob beim Lottospielen, im Kasino oder an der Börse - viele werden von ihm in seinen Bann gezogen. Für die meisten zerplatzt er.

Seine Anziehungskraft wirkt jedoch ungebrochen. Auch Felix Nasmyth wittert seine Chance reich zu werden, als sein Bekannter Vogelsang plötzlich vor der Tür steht und ihm ein unmoralisches Angebot macht. Er soll in den Bergen nördlich von San Francisco Marihuana anbauen. Eine halbe Million Dollar könne er daran verdienen - alles, was er tun müsse, sei für die Pflanzen zu sorgen. Klingt einfach, ist es aber nicht - wie Felix und seine beiden Freunde Phil und Gesh schon bald herausfinden. Ratten knabbern die Pflanzen ab, ein Bär legt das Bewässerungssystem lahm, und ständig ist den dreien die Polizei auf den Fersen. Immer wenn ein Problem gelöst scheint, taucht ein neues auf. T.C. Boyle hat diese Geschichte bereits 1984 geschrieben. Es ist eines der ersten Bücher des amerikanischen Autors. Damals erschien "Grün ist die Hoffnung" in der ersten deutschen Fassung von Werner Richter. Die neue Übersetzung von Dirk van Gunsteren wirkt frischer, ist näher am Witz des Originaltextes. Boyles Roman lebt vor allem von seinen skurillen Charakteren: Da wären der neugierige Hinterwäldler Sapers und sein schwachsinniger Sohn Marlon, der gewalttätige Polizist Jerpbak oder Phil, der Kunstwerke aus alten Metallteilen zusammenschweißt. Boyle hat die seltene Gabe seine Geschichten mit Humor zu erzählen, ohne spöttisch auf seine Figuren hinabzublicken. In "Grün ist die Hoffnung" lacht und leidet der Leser mit dem Ich-Erzähler Felix mit. Er wünscht sich, dass dieser naive Versager es einmal im Leben schafft, etwas auf die Reihe zu bekommen - und wenn es bloß der Anbau von Drogen ist. Dabei ist schnell klar, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen kann. Auf dem Weg zum furiosen Finale lernt der Leser zusammen mit Felix aber vielleicht auch etwas über sein eigenes Leben und die Träume, denen wir alle nachjagen. Letztlich geht es bei "Grün ist die Hoffnung" also gar nicht um die Drogen - die spielen nur am Rande eine Rolle - sondern um die Hoffnung auf ein bisschen Glück - und dieses muss nicht unbedingt im schnellen Geld liegen. Christian Altmayer T.C. Boyle: "Grün ist die Hoffnung", Carl Hanser Verlag, 383 Seiten, 24,90 Euro.