Auf den Spuren des Schweins

WITTLICH. Premiere in der Kreisstadt: Erstmals gab es in Wittlich eine Stadtführung für Kinder. Im Rahmen der Wittlicher Kulturtage erkundeten Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren die Säubrenner-Stadt.

"Das hier nennen wir die gute Stube der Stadt", erklärt Georg Metzen. Er führt die aufmerksamen Zuhörer auf den Marktplatz. Zu einer ganz besonderen Stadtführung sind 15 Kinder aus der Region gekommen, sie lauschen gespannt den Erzählungen ihres Stadtführers. "Warum hat der Mann da oben einen Blumenstrauß in der Hand?", fragt ein Mädchen. Georg Metzen weiß, dass damit dem Stadtpatron Rochus jedes Jahr für das gute Wetter gedankt wird. Eine interessante Anekdote an diesem eher kühlen und nassen Tag. Gruß aus dem Mittelalter und viele Infos

Sogar drei Kinder aus Magdeburg sind dabei. Als sie das Säubrennerschwein am alten Rathaus entdecken, meint der sechsjährige Peter: "Das läuft ja auch nicht weg, da kann man sicher gut drauf sitzen!" Der Weg führt die jungen Zuhörer, die auch von ein paar Eltern begleitet werden, durch die Burgstraße Richtung Schlossplatz. Georg Metzen zeigt den Kindern das Stadtwappen mit den zwei Schlüsseln, die für Eifel und Mosel stehen, auch der Brunnen mit den Schweinchen, der an der Sparkasse gelegen ist, weckt das Interesse der Kinder. Wenige Meter vor dem Busbahnhof ruft ein mittelalterlich verkleideter Herr den Kindern ein "Herzliches Willkommen" zu. Es ist Karsten Mathar, vom Verein Stadtmarketing, der als wiederbelebter Schlossherr Otto von Ziegenhain von Burg Ottenstein und Schloss Philippsfreude Einiges zu berichten weiß. "Leider kann ich euch aber nicht zeigen, wo das Schloss genau stand", sagt Mathar. Die Umrisse des Schlosses sollten wenige Tage vor der Führung vom Wittlicher Historiker Patrick Bourassin aufgemalt werden, der Regen verhinderte jedoch die Aktion. Natürlich darf bei einer Stadtführung durch Wittlich die Säubrennersage nicht fehlen. Die Reste der Stadtmauer in der Himmeroderstraße dienen als Schauplatz dazu: Das notdürftig mit einer Möhre verschlossene Stadttor sollte Wittlich vor Feinden schützen. Ein Schwein fraß jedoch die besagte Rübe, die Feinde drangen ein und legten die Stadt in Schutt und Asche. Die Kinder sind ganz fasziniert von der alten Sage, auch der kleine Peter sagt: "Die Geschichte mit Schwein hat mir am meisten gefallen." Nach 90 Minuten, die die Kinder zu Fuß zurücklegten, begrüßte Winzer Heinz Zender die tapferen Teilnehmer mit frischem Traubensaft und einer Urkunde mit der Burg Ottenstein in seinem Weingut. Karsten Mathar ist zufrieden mit der Premiere der Kinderstadtführung, die das Stadtmarketing organisiert hat: "Wir wollen auch Kindern auf interessante Weise die Geschichte der Stadt näher bringen" Das Programm hat nicht nur den Besuchern aus Magdeburg Spaß gemacht: "Einiges kannte ich natürlich schon, aber die Führung war sehr interessant, besonders die Geschichte der alten Stadtmauer", findet die zehnjährige Anna aus Lüxem.