Designerstücke aus Müll

Aaron Scheuer recycelt Planen zu Accessoires, macht aus alten Weinfässern Möbel, peppt abgetragene Klamotten zu ausgefallenen Hinguckern auf und bastelt Lampen aus Elektroschrott. Seit einem Jahr entwirft und baut der österreichische Designer in seinem Kinheimer Moselier Gebrauchsgegenstände mit eigenwilligem Charme.

Kinheim. "Moselier heißt Aaron Scheuers Designerwerkstatt am Ufer der Mosel in Kinheim. Seit vergangenem Sommer entwirft, baut und verkauft der 31-jährige Österreicher aus Graz hier Gebrauchsgegenstände. Man könnte auch sagen Kunst, die man benutzen kann. Nach zehn Jahren Hamburg und sehr ausgefallenen Ideen von dem, was schön ist, eine mutige Entscheidung. Bis jetzt beäugen die alteingesessenen Kinheimer seine Werkstatt noch eher skeptisch. Aber von Trier kommt die Kundschaft bereits in das beschauliche Moseldörfchen gefahren, weil sie gehört hat, "hier gibt es coole Sachen", berichtet Aaron Scheuer.
Er selbst bezeichnet sich als Designer, nicht als Künstler. Denn er will Dinge schaffen, die benutzbar sind. Daher reichte ihm das Zeichnen nicht, das er früh von seinem Vater, dem österreichischen Comiczeichner Chris Scheuer, lernte. Da es vor allem die Form ist, die ihn interessiert, arbeitete er nach der Schulzeit in Spanien zwei Jahre lang als Assistent eines Bildhauers. Letztlich entschied er sich, Kommunikationsdesign zu studieren und ging dafür nach Hamburg.
Aber für seinen Geschmack verbrachte er in dem Beruf zu viel Zeit am Computer. Er versuchte es als Trickfilmer in Indien, in einer der zahllosen Animationsfabriken in Bombay. Die enttäuschende Einsicht: "Letztendlich sitzt man da auch nur am Computer." Nach einem Jahr kehrte er zurück nach Hamburg und kam über den Kulissenbau für Theater, Film und Werbung zum Exponatebau für Museen. Hier lernte er über den Entwurf hinaus das Handwerkliche vom Tischlern über Metallverarbeitung bis hin zur Elektrik.
Entwerfen und Herstellen verbindet er nun in Kinheim. Er baut Möbel aus alten Weinfässern oder Hölzern, die die Mosel anschwemmt. Aus Elektroschrott macht er Lampen und weggeworfenes hochwertiges Verpackungsmaterial aus dem Hamburger Hafen verarbeitet er unter dem Label "Ragit" zu Taschen, Rucksäcken, Hüten und Portemonnaies. Scheuer näht auch Klamotten, bunt lässig und wild ist seine Mode. In eine alte grüne Lederjacke hat er orangene Planenstücke an Schultern und Armaufschlägen eingenäht. T-Shirts verleiht er eine eigene Note, indem er sie bedruckt, eine Tasche einnäht und sie bestickt.
"Ich benutze alles, was andere nicht mehr brauchen können. Ich kann aus Müll viel machen", sagt Scheuer. Das ist die Basis seines Designs. Und darin steckt auch die Herausforderung: "Schönes Design muss auch funktionieren und langlebig sein", lautet Scheuers Anspruch. Was ihn so am Recyceln reizt, sind die Spuren im Material. "Ich finde es reizvoll mit Material zu arbeiten, das eine Geschichte hat. Die Gebrauchsspuren inspirieren mich", sagt er.
Er hat auch schon neue Ideen: Ein Recyclingschuh aus alten Autoreifen und Ruhe-Inseln aus Weinfässern zum Sitzen und Liegen. Die stellt er sich zur öffentlichen Nutzung am Kinheimer Moselufer vor. "Es wäre gut für den Ort", ist Scheuer sicher, der mit Frau und bald dem zweiten Kind hier Wurzeln schlagen will.
Extra

Moselier - Werkstatt für Design. Moselweinstraße 17, Kinheim. E-Mail: ragit@gmx.net Telefon: 0176/20995188. Homepage: www.ragit.de