Inventur im Wald

KRÖV-BAUSENDORF. Der Wald hat viele Funktionen. Er ist Erholungsraum, Lebensraum, Wasserspeicher und Holzlieferant. Schutz, Pflege und wirtschaftlicher Nutzen müssen aufeinander abgestimmt sein. Alle zehn Jahre muss eine Forsteinrichtungsplanung erstellt werden. In der VG Kröv-Bausendorf wird dies zurzeit in acht der zehn Gemeinden gleichzeitig erledigt.

Am Ende dieses Jahres werden Max Merrem und Klaus Remmy die Gemeindewälder in der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf sehr genau kennen. Fast jeden Waldweg, ob in Kinderbeuern, Reil oder Hontheim, werden sie mindestens einmal gegangen sein. Die beiden Fachleute erstellen zurzeit für acht der zehn waldbesitzenden Gemeinden in der VG die Forsteinrichtungsplanung. Sie ist auf zehn Jahre ausgerichtet und Grundlage der jährlichen Forstwirtschaftspläne. Bislang wurde das in der VG Kröv-Bausendorf stets von staatlicher Seite gemacht, heuer hat man erstmals freiberufliche Forstsachverständige beauftragt. VG-Chef Otto Maria Bastgen: "Wie wollen, dass sich mal ein Außenstehender den Wald anschaut. Vielleicht kommen dann ganz neue Vorschläge und Ideen dabei raus." Bezahlt werden diese Privatgutachter ebenfalls vom Land, rund 80 000 Euro kostet im Fall der VG Kröv-Bausendorf die Arbeit der "Forsteinrichter". Die VG zählt zu den waldreichsten im Land. Rund 50 Prozent Wald sind im Besitz der Gemeinden, 30 Prozent sind Staatswald und 20 Prozent sind in Privateigentum.Hontheim besitzt den meisten Wald

Merrem und Remmy erstellen ihre Planung ausschließlich für die Gemeindewälder. Das sind immerhin 3400 Hektar. Den meisten Wald mit 1176 Hektar besitzt Hontheim, gefolgt von Kröv mit 929 Hektar und Reil mit 600 Hektar. Die beiden Forstsachverständigen gehen bei ihrer Arbeit systematisch vor. Zunächst wird Inventur gemacht, das heißt die Baumarten werden erfasst, die Holzmenge wird ermittelt und es wird berechnet, wie viel Holz pro Jahr hinzuwächst. Letzterer Wert ist wichtig, da im Sinne einer nachhaltigen Waldwirtschaft nicht mehr Holz geerntet werden darf, als jährlich hinzuwächst. Für die Wald-Inventur können Merrem und Remmy auf die Karten des Geo-Informationsdienstes zurückgreifen, die die Verbandsgemeinde auch für andere Zwecke nutzt. Letztlich liefert die Bestandsaufnahme wichtige Hinweise darauf, wie in Zukunft der Wald genutzt werden sollte. Selbstverständlich werden, bevor der Bericht als Endfassung vorliegt, die betreffenden Gemeinden und der Revierförster einbezogen. So ist auch ein Waldbegang mit Gemeinderat, Forsteinrichter und örtlicher Forstverwaltung vorgesehen. Am Ende - das wird etwa April 2006 sein - liegen die Ergebnisse als Datensatz, Schrift- und Kartenwerk vor. Die Interessen der Gemeinden können durchaus unterschiedlich sein. Will die Gemeinde beispielsweise den touristischen Aspekt ihres Waldes mehr berücksichtigt wissen, müssen bei der Bewirtschaftung (zum Beispiel Wanderwege und Laubwald am Ortsrand) andere Schwerpunkte gesetzt werden. Auch das Ökokonto fließt in die Überlegungen mit ein. Für jeden Eingriff in die Natur muss ein Ausgleich erfolgen. Mit der Zehnjahresplanung können schon vor möglichen Eingriffen - wie zum Beispiel der Ausweisung eines Baugebietes - entsprechende Ausgleichspflanzungen in Angriff genommen werden.

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