"Kladderadatsch" im Weinhaus

Eine innige Liebe zum Wein hat den Berliner Dichter Johannes Trojan einst mehrmals an die Mosel nach Traben-Trarbach geführt. Der frühere Chefredakteur der deutschen Satire-Zeitung "Kladderadatsch" war eng mit vielen Weinhändlern der Moselstadt befreundet. 2015 jährt sich der Todestag zum 100. Mal.

Traben-Trarbach/Berlin. "Was man mit Wasser trinkt hinein, bringt leicht das Blut ins Stocken, dagegen ist ein guter Wein ganz frei von Mikrokokken. Und was ergibt sich als Moral für uns aus dem Bisher'gen? Wer fleißig schwingt den Weinpokal, bewahrt sich vor Bakterien." Dieses lustige Kurzgedicht stammt aus der Feder des vor 100 Jahren verstorbenen Berliner Schriftstellers Johannes Trojan.
Heimat- Geschichte(n)


Der humorvolle Autor erlangte einst als Chefredakteur des politisch-satirischen Wochenblattes "Kladderadatsch" deutschlandweit große Bekanntheit. In seiner Freizeit bereiste Trojan über viele Jahrzehnte lang die Moselregion und besuchte oftmals die Weinstadt Traben-Trarbach. Seine Reiseberichte und Erzählungen machten den Weinliebhaber im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden kulturellen Botschafter des Mosellandes, was den seinerzeit aufkommenden Fremdenverkehr förderte.
Der 1837 geborene Dichter war auch ein beliebter Stammgast im Berliner Weinlokal des Traben-Trarbacher Weingroßhändlers Heinrich Haussmann. In dem gut besuchten Weinhaus in der Jägerstraße 5 verkehrten einst große Künstler, Schriftsteller und Reichstagsabgeordnete. Auch der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck trank dort mit Vorliebe Traben-Trarbacher Moselwein. Darüber hinaus gilt die Berliner Weinstube als Wiege der ehemaligen Satire-Zeitung "Kladderadatsch". Über deren Entstehung und Namensgebung sprach ihr einstiger Chefredakteur Trojan gerne, woran sich der Traben-Trarbacher S. Emert-Kool im Jahre 1915 erinnerte: "Man wollte ein politisch, sathirisches Blatt gründen, ähnlich wie das bekannte englische Witzblatt ,Punsch'. Nach vielen scharfen Debatten und mühseligen Hin- und Herlavieren, war man im Ganzen einig geworden, nur über einen Punkt war man sich nicht klar, über den Namen, welcher das Blatt tragen sollte. Lange hatte man schon gesessen, viel Wein war schon den Kehlen hinabgeflossen, heiß waren schon die Köpfe, und immer konnte man noch nicht zu einem günstigen Resultat kommen.
Einer der Anwesenden hatte seinen Hund, eine große Dogge, mitgebracht. Das Tier lag unbeobachtet schlafend zu Füßen seines Herrn. Aufgeweckt durch das lebhafte Debattieren, schlich sich der Hund an den reichen mit Eßwaren besetzten Tisch und ergriff einen Zipfel der Tischdecke, diese dann herunterzerrend; mit einem lauten ,Kladderadatsch' fiel das Geschirr zu Boden. Da sprang einer der Anwesenden auf und rief: ,Meine Herren, wir haben den Namen der Zeitung, wir wollen dieselbe Kladderadatsch nennen!' " 1899 verfasste Trojan ein Buch mit dem Titel "Der Sängerkrieg zu Trarbach", worin er den zweiten Casino-Wettbewerb für den Preis um das beste Moselweinlied schilderte. Außerdem dichtete er zahlreiche schwungvolle Trinklieder, wie "Zu Enkirch im Anker" sowie mehrere Scherzgedichte mit Bezug zum Thema Wein. Trojan pflegte ebenso wie sein Berliner Dichterkollege Julius Wolff und der bedeutende Jugendstil-Architekt Bruno Möhring langjährige Freundschaften mit Traben-Trarbacher Weinhändlern, darunter Julius Kayser. Eine Fotografie aus dem Jahr 1910 erinnert an die 18. Moselreise Trojans, die der Dichter anlässlich des 100. Stiftungsfestes des Traben-Trarbacher Casino-Vereins machte (siehe Foto).Extra

Johannes Trojan kam am 14. August 1837 als Sohn eines Kaufmanns in Danzig zu Welt. Im Jahre 1856 legte er dort das Abitur ab. Danach begann er ein Medizinstudium in Göttingen und studierte später Germanistik in Berlin und Bonn. 1862 wurde der Schriftsteller Hilfsredakteur der Berliner Montagszeitung. Zwischen 1866 und 1909 arbeitete Trojan für die Zeitung "Kladderadatsch", deren Chefredakteur er ab 1886 war. phi

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