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Klärschlamm könnte Abwasser teurer machen

Klärschlamm könnte Abwasser teurer machen

Bislang wird der Klärschlamm aus der Anlage Bruderbach bei Thalfang als Dünger auf Feldern genutzt. In Thalfang geht man davon aus, dass dies ab 2016 aufgrund neuer Bestimmungen nicht mehr möglich ist. Bis dahin muss eine andere Entsorgungslösung gefunden werden. Die Abwassergebühren werden dann wohl steigen.

Thalfang. Bis 2016 kann Klärschlamm als Dünger auf Feldern verwendet werden. Danach tritt laut Edwin Maßmann, Leiter der Verbandsgemeindewerke Thalfang, die Düngemittelverordnung mit strengeren Grenzwerten in Kraft. "Dann können wir nicht mehr mit Schlamm düngen", sagt Maßmann.
Kläranlagenbetreiber wie der Zweckverband Bruderbach, an dem die Verbandsgemeinden Thalfang und Hermeskeil beteiligt sind, müssen also eine andere Entsorgungsstrategie entwickeln. "Am einfachsten wäre eine Trocknungsanlage auf dem Gelände", erklärt Maßmann. Eine Studie habe dies als wirtschaftlichste Variante benannt. Eine solche Anlage kann aber bis zu zwei Millionen Euro kosten.
Die Mitglieder im Werkausschuss des Gemeinderats haben sich Gedanken gemacht, wie das billiger geht. Den Schlamm in die Trocknungsanlage in Platten zu bringen, wo er zu Brennmaterial für Zementwerke umgewandelt würde, wäre eine Möglichkeit gewesen. Doch die Anlage, die die Abwärme einer Biogasanlage genutzt hat, steht still und wird voraussichtlich auch nicht mehr in Betrieb gehen. Ihr wurde die Genehmigung wegen Geruchsproblemen entzogen.
Eine andere Möglichkeit wäre, den Schlamm in die Zentralkläranlage der Stadt Wittlich zu transportieren. Dort soll zusätzlich zu weiteren technischen Änderungen eventuell eine Klärschlammtrocknungsanlage gebaut werden. Der Schlamm würde dort mit Hilfe von Solarenergie und der Abwärme des vorhandenen Blockheizkraftwerks getrocknet.
Lothar Schaefer, Leiter der Wittlicher Werke, sagt jedoch: "Wir bauen die Trocknungsanlage nicht, solange der Schlamm noch in der Landwirtschaft genutzt werden darf." Schaefer rechnet damit, dass dies auch über 2016 hinaus möglich ist. Er erwartet so schnell keine Änderung der Gesetzeslage. Für den Fall, dass die Wittlicher Werke doch eine Trocknungsanlage bauen, sieht Schaefer durchaus die Möglichkeit, den Schlamm aus Thalfang aufzunehmen.
Wie auch immer sich die Bedingungen in Wittlich gestalten, für die Thalfanger bleibt das Problem des Transports. "Klärschlamm besteht zu 96 Prozent aus Wasser, das mit dorthin gebracht würde", beschreibt Maßmann einen enormen Kostenfaktor.Die Lösung für dieses Problem wäre, den Schlamm mit Hilfe einer Zentrifuge oder Presse ein Stück weit zu trocknen. So lassen sich immerhin 70 Prozent des Wassers entziehen. Eine Trocknungsanlage schafft laut Maßmann 90 Prozent.
Das Klärschlammproblem wird auf der Tagesordnung der nächsten Verbandsversammlung stehen. Ein Termin steht dafür noch nicht fest. Auch wenn bis 2016 noch fünf Jahre Zeit sind, will Maßmann eine baldige Entscheidung. Baue man eine Anlage vor Ort, müsse allein dafür ein Jahr angesetzt werden. Hinzu kämen die Zeiten für die Bearbeitung des Förderantrags sowie die Ausschreibung.
Eins scheint klar zu sein: "Die aufwendigere Behandlung des Klärschlamms wird sich auf die Abwassergebühren auswirken", sagt Maßmann. Wie viel die Gebühr steigen wird, sei jetzt noch nicht absehbar, denn noch gibt es keine verlässlichen Zahlen.Aus der Verbandsgemeinde Thalfang fließen die Abwässer der Ortsgemeinden Thalfang (inklusive Gewerbegebiet Vorwald), Bäsch, Malborn, Hilscheid, Dhronecken, Burtscheid und Lückenburg in die Anlage. Die Hochwald-Nahrungsmittel-Werke betreiben eine eigene Kläranlage mit Spezialtechnik. Die Kläranlage Bruderbach wird von einem Zweckverband betrieben. Aus der Verbandsgemeinde Hermeskeil sind die Ortsgemeinden Beuren, Prosterath, Geisfeld und Rascheid angeschlossen. doth