Mülheim will sich aktiv an Energiewende beteiligen

Mülheim will sich aktiv an Energiewende beteiligen

Die Gemeinde Mülheim hat in einer Bürgerversammlung ihr Integriertes Klimaschutzkonzept vorgestellt. Maßnahmen zur Energieeinsparung sowie die Nutzung nachwachsender Rohstoffe, wie zum Beispiel Rebholz, sollen dafür sorgen, dass Bürger und Unternehmen ab dem Jahr 2050 nicht mehr von Öl oder Gas abhängig sind.

Mülheim. Weg vom zur Neige gehenden teuren Öl, hin zu klimafreundlichen und möglichst günstigen Gemeinschaftslösungen in Sachen Energieversorgung: Dieses Ziel hat Mülheim schon länger vor Augen. Nun ist das eigens beauftragte "Integrierte Klimaschutzkonzept" vorgestellt worden.
Erarbeitet hat es das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) am Umweltcampus Birkenfeld (FH Trier) und wurde gefördert vom Bundesumweltministerium. Es zeigt Perspektiven auf, die bislang teils wenig beachtet wurden.Große Einsparpotenziale


So könnte laut Felix Flesch (IfaS) die Windkraft eine wichtige Rolle spielen. Entlang der L 158 nach Monzelfeld hält er zehn Anlagen mit einer Gesamtleistung von 23 Megawatt für möglich. Diese könnten jährlich 48 000 Megawattstunden Strom erzeugen - ein Vielfaches von dem, was die Mülheimer Haushalte verbrauchen. Ein zweiter wichtiger Baustein seien Einsparpotenziale. Sie zu nutzen und auf effizientere Energievarianten umzusteigen, könne sich für Private, Firmen und die Gemeinde rechnen. Als Beispiel für die Kommune nannte er moderne und sparsame Straßenleuchten.
Bei Unternehmen im Gewerbegebiet bestehe, so Flesch, ein großes Interesse an einem Nahwärmenetz. Sofern es sich für sie rechne, seien alle Betriebe bereit, sich an ein solches Energieversorgungssystem anzuschließen. Flesch kommt abschließend zu dem Schluss: "Mülheim könnte bis 2050 energieautark sein."
Ortsbürgermeister Friedhelm Leimbrock sagte, die einzelnen Schritte des Klimaschutzkonzeptes würden nun nach und nach abgearbeitet. Was sich auf Anhieb anbiete, sei die Nahwärmeversorgung für das Industriegebiet. Zu berücksichtigen sei, dass die Gemeinde nicht Betreiber eines solchen Netzes sei, sondern lediglich den Anstoß dazu geben könne.
Mehrere Bürger begrüßten die Idee einer Energiegenossenschaft. Als wenig realistisch wird allerdings die Nutzung von Wasserkraft gesehen. Der Mülheimer Hubertus Bollig begrüßt die Idee einer Energiegenossenschaft. Geringe Chancen sieht er für ein Wasserkraftwerk: "Die Mosel hat wenig Strömung." Außerdem sei sie als Schifffahrtsstraße nur bedingt nutzbar."
Martin Ames regte eine Umfrage im Neubaugebiet an: "Ich würde gern meine Heizung austauschen."Extra

Bausteine des Klimaschutzkonzeptes: Maßnahmen zur Energieeinsparung in privaten und öffentlichen Gebäuden; Nutzung von Windkraft (Riesenpotenzial vor Ort, rechtlich derzeit aber schwierig umsetzbar); Nutzung von Wasserkraft durch Strömungskraftwerke (Mosel, Frohnbach, Veldenzer Bach, Reaktivierung ehemaliger Mühlenstandorte); Energieerzeugung durch Biomasse mit Holz aus Wald und Rebflächen, Rebholz von einem Hektar entspricht etwa drei Festmeter Buchenholz oder 600 bis 800 Liter Heizöl, Mülheim hat 70 Hektar Weinberge; Nutzung von Photovoltaik, Solarthermie und Erdwärme. Bürgerbeteiligung: Gründung einer Energiegenossenschaft Mülheim und Gründung einer Arbeitsgruppe Klimaschutznetzwerk; Zeitrahmen: Bis 2020 sollen einzelne Konzept-Bausteine realisiert oder angepackt sein. Dazu bedarf es weiterer Informationen der Bürger; Start einer Beratungsoffensive. urs