Musikschule des Landkreises Bernkastel-Wittlich feiert 50. Jubiläum

Musik : Ein Kreis ohne Musikschule? Undenkbar!

Was 1968 als wagemutiges Unternehmen, so der damalige Landrat Dr. Helmut Gestrich, begann, ist heute als Musikschule des Landkreises Bernkastel-Wittlich eine Institution: 50 Lehrer unterrichten an 40 Orten 1500 Schüler.

Landrat Gregor Eibes kündigt es in seiner Rede zu Beginn bereits an: „Auf die Frage, wie man angemessen das Jubiläum einer Musikschule feiert, kann es nur eine Antwort geben: natürlich mit Musik.“ Und mehrere Gruppen, Absolventen und Lehrer  der Musikschule des Landkreises Bernkastel-Wittlich, die an diesem Wochenende ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert hat, haben an dem Jubiläumsfestakt in der Mosellandhalle unter starkem Beifall der 180 Besucher ihr Bestes gegeben und mit ihren hervorragenden Leistungen die Worte des Landrates bestätigt.

Emily Valerius, Bundessiegerin im Wettbewerb Jugend musiziert, sorgte mit „Rise like a Phoenix“ für den ersten Applaus. Das Kammer­orchester der Musikschule war gleich mehrmals gefordert. Zweimal stimmten die Musiker unter der Leitung von Kajo Lejeune gemeinsam mit Thomas Hammes aus Osann-Monzel, früherer Schüler der Musikschule und jetzt Solotrompeter im Radio-Sinfonie-Orchester des SWR, Stücke von Giuseppe Torelli für Trompete und Streicher an.

Ingrid Wagner gelang die Verbindung des Kammerorchesters mit dem Kinder- und Jugendchor Young Voices, die gemeinsam Lieder aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Matthieu“ anstimmten. Und für regelrechte Begeisterungsstürme bei den Zuschauern sorgte das Blasorchester mit Lehrkräften der Musikschule, das gemeinsam mit Moritz Reutlinger am Violincello und unter der Leitung von Stefan Barth Freidrich Guldas Konzert für Violoncello und Blasorchester spielte.

Eibes hielt Rückschau auf die Geschichte der Institution, die 1968 als sechste Musikschule in Rheinland-Pfalz gegründet wurde. 230 Schüler seien seinerzeit zentral in Bernkastel-Kues unterrichtet worden. Später wurde das Angebot flächendeckend gestaltet. Mitte der 1990er Jahre entstand das Dreisäulenmodell: Kreismusikschule, Kreismusikverband und Kreischorverband fusionierten im Interesse einer qualitätssichernden Weiterentwicklung und gelten seitdem als staatlich geförderte Musikschule.  „Aus tiefster Überzeugung sage ich: Ich kann und ich will mir einen Landkreis Bernkastel-Wittlich ohne unsere Musikschule nicht vorstellen“, sagt der Landrat.

Denn musikpädagogische Breitenarbeit und Spitzenförderung seien elementare Teile von Bildung und damit Teil der kommunalen Daseinsvorsorge, sagt er. Streng genommen handele es sich zwar um freiwillige Ausgaben des Landkreises. Es sei jedoch zu überlegen, ob Kultur nicht zur Pflichtaufgabe von Kommunen wird, so Eibes.

Frank Wilhelmi, seit 20 Jahren Leiter der Musikschule, und der Landrat gaben eine Übersicht über die Schülerzahlen. Im Jubiläumsjahr werden rund 1500 Schüler im Alter von sechs Monaten bis nahezu 80 Jahren von 50 Lehrern an mehr als 40 Orten im Landkreis unterrichtet. Wilhelmi verwies darauf, dass die Schülerzahlen leicht rückläufig seien, bedingt durch die sich ausbreitende Ganztagsschule, höhere Entgelte und die demografische Entwicklung.

Christoph Utz, Vorsitzender des Verbandes der Musikschulen in Rheinland-Pfalz, lobt die Arbeit der Musikschule des Landkreises. „Es ist ein schönes Beispiel, was man mit Kontinuität und engagierten Handeln erreichen kann. Die Musikschule gebe Impulse für ein Miteinander, ergänze das Bildungsangebot und leiste Beiträge bei der Inklusion und Integration. Das sei nicht selbstverständlich, denn Rheinland-Pfalz verfüge nicht über ein flächendeckendes Netz an Musikschulen, obwohl Kultur bedeutsam sei. „Es ist wichtig, dass es hier einen Anker für Musikschularbeit gibt“, sagt Utz. Dabei sei die Hauptaufgabe, die benötigte Manpower bereitzustellen und dem Mangel an Lehrkräften entgegenzuwirken. Heute werde nicht mehr strittig über Kultur diskutiert, nur noch darüber, wie viel sie kosten dürfe.

Wie bereits zuvor der Landrat fordert er das Land auf, sich stärker an der Finanzierung der Musikschulen zu beteiligen. 48 Prozent der Kosten tragen die Eltern, 45 Prozent die Kommunen und lediglich sieben Prozent das Land. Es seien schon mal neun gewesen, so Utz. Und: „Es ist nicht einzusehen, dass der Anteil des Landes absinkt.“ Kultur müsse für jeden erreichbar bleiben.