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Peter Bleser: Getrübte Freude beim Sieger im Wahlkreis Mosel

Peter Bleser: Getrübte Freude beim Sieger im Wahlkreis Mosel

Peter Bleser holt zum achten Mal in Folge die meisten Stimmen im Wahlkreis 200, und FDP-Kandidatin Karina Conrad kann auf Einzug in den Bundestag hoffen.

 Werner und Brigitte Kneppel (unten links) haben in Morbach ihre Stimmen abgegeben.
Werner und Brigitte Kneppel (unten links) haben in Morbach ihre Stimmen abgegeben. Foto: Klaus Kimmling
 Horst Endler hat in Piesport gewählt
Horst Endler hat in Piesport gewählt Foto: Klaus Kimmling

Es ist kurz vor 19 Uhr, als Peter Bleser den kleinen Sitzungssaal in der Kreisverwaltung Cochem-Zell betritt. Im Fernsehen läuft die neueste Hochrechnung; auf einer Leinwand werden zusätzlich die nach und nach gemeldeten Ergebnisse aus dem Wahlkreis 200 (Mosel/Rhein-Hunsrück) gezeigt. Der CDU-Kandidat Bleser hat zum achten Mal in Folge den Wahlkreis, zu dem neben dem Rhein-Hunsrück-Kreis und Kreis Cochem-Zell die Verbandsgemeinden Thalfang, Bernkastel-Kues, die alte VG Traben-Trarbach und die Einheitsgemeinde Morbach gehören, gewonnen.

Doch Bleser ist alles andere als überschwänglich. Die CDU liegt im Bund bei 33 Prozent, es ist das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl aller Zeiten. Da kann ihn auch sein gutes persönliches Erststimmenergebnis nicht richtig freuen. Er holt deutlich über 40 Prozent der Stimmen.

Zum deutlichen Stimmenverlust auf Bundesebene und in seinem Wahlkreis sagt Bleser: "Wir hätten bei einigen Fragen die Koalition mit der SPD infrage stellen müssen." Die CDU habe zum Beispiel in der Asylpolitik schärfere Regeln gewollt, diese seien aber von Rot-Grün in den Bundesländern verhindert worden.

Die SPD-Kandidatin Ivonne Horbert ist zu diesem Zeitpunkt mit etwa 27 Prozent deutlich abgeschlagen. Sie spricht von einer "krachenden Niederlage" der SPD. "Ich befinde mich irgendwie in einer Schockstarre", sagt die Hunsrückerin." Ähnlich äußert sich der Vorsitzende der SPD Cochem-Zell, Benedikt Oster. Aber er blickt nach vorne: "Die SPD hat ganz klar den Auftrag von den Wählern bekommen, in die Opposition zu gehen. Ein weiter so kann es nicht geben. Wir müssen uns von unten auf neu aufbauen. Und es wird auch personelle Änderungen geben müssen."
In Mainz wird gefeiert. Bei der FDP. Karina Conrad ist mit Parteifreunden in einem Lokal. "Wir alle sind total happy und haben einen Riesenspaß", sagt die Jungpolitikerin, die auf der FDP-Landesliste Platz vier einnimmt. Es wird wohl nach Mitternacht werden, bis sie weiß, ob sie in den Bundestag einzieht. Die Chancen stehen nicht schlecht. Bei Redaktionsschluss lag das vorläufige Endergebnis noch nicht vor.

AfD-Kandidat Martin Fischer freut sich über das Ergebnis seiner Partei. Im Wahlkreis habe man die Stimmenzahl verdoppeln können. Fischer: "Wir haben den klaren Auftrag, die Stimmen der Bürger zu vertreten, die uns gewählt haben." Auch die Linken konnten im Wahlkreis 200 deutlich zulegen. Kandidatin Alexandra Eriksson: "Unsere Mühen haben sich gelohnt." Sie sagt aber auch: "Das AfD-Ergebnis ist zum Schreien. Das haben vor allem die beiden großen Parteien zu verantworten."

Bereits nach den ersten Hochrechnungen zeichnet sich ab, dass eine sogenannte Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen am wahrscheinlichsten ist. Bei Peter Bleser ruft das nicht unbedingt große Freude aus. Seit 2011 ist er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium. Bleser blickt in die Zukunft und warnt: "Das Landwirtschaftsministerium darf auf keinen Fall in grüne Hände fallen."

Besorgt äußert auch er sich über das starke AfD-Ergebnis. Der 65-Jährige, seit 1990 im Deutschen Bundestag, sagt: "Ich bin besorgt über die Stimmung im Land. Es gibt offensichtlich viele Menschen, die bereit sind, radikal zu wählen. In den Wochen vor der Wahl wurden niedrige Instinkte geweckt."

Die Freien Wähler (FWG), die mit Willi Feilen einen Morbacher als Einzelbewerber ins Rennen geschickt haben, spielen ebenso wie die ÖDP keine Rolle. Für die ÖDP war Johannes Schneider aus Maring-Noviand angetreten. Die Grünen können sich im Wahlkreis nicht verbessern, sie schneiden lokal deutlich schlechter ab als im Bund. Deren Einzelbewerber Ralf Kauer ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.