Problem: ein seltenes Gras

WITTLICH. Wer es bis Mitte des Jahres nicht schafft, kann mit etwas Pech fast von vorne anfangen: Wittlich allerdings will bis dahin die Fortschreibung des Flächennutzungsplans hinter sich haben. Sonst könnten neue EU-Richtlinien, die dann beachtet werden müssen, zu einer Fortsetzung des "Papierkriegs" führen, der schon 1999 eröffnet wurde, als der Rat beschloss, den Plan von 1981 wieder zukunftsreif zu machen.

Obwohl der Flächennutzungsplan (FNP) mehr oder weniger nur eine grobe Marschrichtung für die immerhin 4965 Hektar der Gemarkung Wittlich vorgibt - denn verbindliche Details sind in den Bebauungsplänen zu treffen - soll er im Vorfeld auch schon das ausschließen, was "Ärger" bringen kann. So kommt es, dass bei aller gebotenen Abstraktionsfähigkeit im Verfahren dennoch auf Details geachtet werden muss. Zum Beispiel: Wo auf dem rund 10 000 Fußballfelder großem Gebiet könnte eine kleine geschützte Art plötzlich eine Rolle spielen? So bilden sich die Wittlicher Stadträte beim Thema FNP auch regelmäßig über die "Dicke Trespe", alias Bromus grossus mehr oder weniger unfreiwillig weiter. Streng geschützte Art nahe am Industriegebiet

Der Grund dafür ist folgender: Das haferähnliche Gras mit Rispen ist eine streng geschützte Art. Es wurde zuletzt im Sommer 2005 nahe der geplanten Erweiterung des Industriegebiets Wengerohr-Süd gefunden, nachdem der Naturschutzbund Deutschland schon 2003 auf das selten gewordene Ackerunkraut aufmerksam geworden war. Deshalb weist die Kreisverwaltung der Korrektheit halber in ihrer Stellungnahme zum FNP auf die Möglichkeit hin, dass sich die Pflanze per Samenflug im geplanten Industriegebiet ansiedeln könne. Dann müsse "eine Ausnahmegenehmigung zur Umsiedlung der Exemplare bei der Oberen Landespflegebehörde beantragt werden, die diese bereits in Aussicht gestellt hat". Ob das Land die bisherigen Fundorte als FFH-Gebiet (nach Flora-Fauna-Habitat-Richlinien) nachzumelden gedenkt, sei noch nicht geklärt. Schon im Oktober 2004 hatten Nabu und BUND zu Nachmeldungen des Landes Rheinland-Pfalz kritisiert, dass das Gebiet "Äcker bei Wengerohr" als einer von zwei Vorkommen der geschützten Pflanze im Land noch nicht im Meldevorschlag enthalten sei. Der Stadtrat ließ sich nicht weiter von diesem Detail des Gesamtkonzepts beunruhigen. Bürgermeister Ralf Bußmer hatte dem Thema FNP vorangeschickt: "Wir werden heute einen großen Meilenstein hinter uns bringen. Ein Werk, das viele Jahre Arbeit gebraucht hat. Es war ein unheimlicher Kommunikationsaufwand und ist ein super Ergebnis." Er dankte insbesondere denen, die in der Verwaltung und vom Bitburger Planungsbüro Isu an dieser Arbeit beteiligt waren. Votum fiel stumm und einstimmig

Um den Meilenstein ein weiteres Mal Richtung Ziellinie zu bewegen, musste der Rat selbst keine Anstrengung mehr auf sich nehmen. "Ist jemand dagegen?", "Enthält sich jemand?", lauteten die Fragen zu jedem einzelnen Punkt und vor dem Gesamtbeschluss zur Planfeststellung. Das Votum fiel stumm und einstimmig, ohne dass ein Arm gehoben werden musste. Jetzt wird der FNP der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich zur Genehmigung vorgelegt. Sobald diese vorliegt und bekannt gemacht ist, wird der Plan wirksam.