"Richtfest" zur Säubrennerkirmes

In seiner Serie "Stadtgeschichte(n)" beleuchtet der TV heute den Werdegang der alten Wittlicher Lieserbrücke in der Himmeroder Straße. 1842 erbaut, war die Brücke im Jahr 1942 von der deutschen Wehrmacht gesprengt worden, und 1950 wurde sie wieder aufgebaut.

Wittlich. Nicht alles, was im Fühjahr 1945 in der Stadt Wittlich kaputt war, ist durch alliierte Luftangriffe zerstört worden. Die Eisenbahnbrücke in der oberen Burgstraße sowie die Straßenbrücke über die Lieser in der Himmeroder Strasse, die 1842 erbaut worden war, sind kurz nach dem 100. Geburtstag der Letzteren vor dem Herannahen der "feindlichen Front" (16. US-Division) von der Deutschen Wehrmacht in die Luft gesprengt worden. Ob die verantwortlichen Militärs gedacht haben, die Amerikaner, die sich am 10. März 1945 aus Richtung Pichterberg der Stadt Wittlich näherten, kehrten wieder um, wenn sie nicht über die Lieser kommen? Durch die Sprengung wurden die Häuser in der näheren Umgebung in Mitleidenschaft gezogen. Walburga Boor, deren Elterhaus unmittelbar an der Lieserbrücke steht, erinnert sich: "Von der Sprengung woar oose Daagen un de Finsder kappod. Mir hon aber neist kred." Das kurze Zeit nach Kriegsende errichtete hölzerne Brücken-Provisorium war nach wenigen Jahren so morsch und baufällig, dass kein Fahrzeug mehr über die "Rumpelbrücke" fahren durfte. Der Verkehr wurde über die Lieserbrücke in der Trierer Straße umgeleitet. 1950 wurde die Brücke in der Himmeroder Straße auf den Fundamenten der alten Brücke wieder aufgebaut. Dabei hat man festgestellt, dass sich die Flußsohle der Lieser vom Beginn des früheren Brückenhauses bis zum Neubau vermutlich durch Steine und Geröll um annähernd einen Meter gehoben hatte. Bauzeit betrug drei Monate

Die Bauzeit der Brücke betrug bescheidene drei Monate. Am Samstag, 19. August 1950, der ersten Säubrennerkirmes, feierte man "Richtfest", und am 10. September 1950 wurde die Brücke im Rahmen einer Feierstunde dem Verkehr übergeben. An dem Bau beteiligt waren die Wittlicher Unternehmer Willi Stein und die Straßenbaufirma Mehrfeld. Das Geländer fertigte Schmiede- und Schlossermeister Willi Schrot. Für den Neubau der Lieserbrücke musste die Stadt Wittlich 40 000 DM aufbringen. Über diese Summe musste ein Kredit aufgenommen werden. Es war der erste Kredit, den die Stadt Wittlich nach der Währungsreform von 1948 aufnehmen musste, was Bürgermeister M. J. Mehs verwaltungsintern folgendermaßen kommentierte: "Jetzt hat die Stadt Wittlich den A. voll Schulden. Ob wir das jemals abbezahlt bekommen?"