Sprechstunde im Bürgermeisterzimmer

Sprechstunde im Bürgermeisterzimmer

In Manderscheid öffnet das neue Ärztehaus im alten Rathaus. Wo bisher Handwerker gearbeitet haben, sollen bald Behandlungen und Beratungen erfolgen. Und es gibt noch weitere Pläne.

Manderscheid Im alten Rathaus der Verbandsgemeinde Manderscheid hat sich einiges getan in den vergangenen Monaten. Im Herbst 2016 hat der Mediziner Dr. Matthias Schilling, der bisher seine Praxis in Wittlich hatte, das Gebäude von der Verbandsgemeinde Wittlich-Land gekauft, um dort ein Ärztehaus zu etablieren (der TV berichtete mehrfach). Seit Ende Januar laufen die Umbau- und Renovierungsarbeiten für den Neustart im April. Schilling: "Am 20. Januar habe ich mich hier vor Ort mit allen Handwerkern getroffen, und wir haben den Zeitplan besprochen und Kontakte ausgetauscht", erzählt Schilling von dem Beginn der Arbeiten. Die Böden wurden ausgetauscht und in Klinikqualität neu verlegt, 28 Türen wurden aus- und neue eingebaut, die Elektroinstallationen wurden erneuert, die Möbel aus Schillings alter Praxis in Wittlich wurden nach Manderscheid gebracht und dort wieder aufgebaut. "Die Handwerker haben gut gearbeitet. Wir werden sogar eine Woche früher fertig als geplant", sagt der Mediziner. Eines der vielen Zimmer im Erd- und ersten Obergeschoss ist allerdings fast so geblieben wie es vor der Renovierung war: das alte Bürgermeisterzimmer im ersten Geschoss. Wo einst Walter Densborn oder Wolfgang Schmitz ihr Büro hatten, wird bald Matthias Schilling seinen Besprechungs- und Beratungsraum haben. Die Schränke und Lampen hat Schilling dafür übernommen. Am Gebäudeäußeren bleibt der alte Schriftzug "Rathaus" erhalten und wird ergänzt durch den Zusatz "für Medizin und Gesundheit". Schilling: "Wir verstehen es dann als Haus, in dem Rat erteilt wird", sagt er. Die Eröffnung des Ärztehauses in Manderscheid kann also kommen. Der erste offizielle Termin am Samstag, 1. April, ist ein Ärztesymposium mit geladenen Gästen (siehe Info). Die Sprechstunden starten am Montag, 3. April. Neben Schilling werden Dr. Stefan Weinig, der zuvor in Großlittgen eine Praxis hatte, und vermutlich ab der zweiten Jahreshälfte Dr. Susanne Conrad, die aus Pantenburg stammt, im Ärztehaus praktizieren. Eventuell kommt mit dem Manderscheider Allgemeinmediziner Dr. Bernd Wandernoth in ein paar Monaten ein vierter Arzt hinzu. Zudem werden 13 Angestellte, darunter Diabetes-Beraterinnen, im Ärztehaus arbeiten, im Obergeschoss öffnet Verena Schömer in drei Räumen eine Physiotherapie-Praxis. Und, so Schilling: "Der Schulungsverein Diabetes wird künftig statt in Wittlich seinen Sitz hier in Manderscheid haben und hier Schulungen anbieten." In der Säubrennerstadt würden aber trotzdem weiterhin Sprechstunden und Infogespräche angeboten. Denn neben der Allgemeinmedizin liegt ein Schwerpunkt der Mediziner im Ärztehaus auf der Diabetologie. Schilling: "Eigentlich wollte ich mich hier ganz der Diabetologie widmen, aber das funktioniert nicht. Bei uns bekommen Diabetiker, die eine Entzündung am Fuß haben, noch am gleichen Tag einen Termin. Das sind für uns Notfälle wie Herzinfarkte", verspricht der Arzt. Neben dem Ärzte- und Diabetologenteam werden, so Schilling, Mitarbeiter der Orthopädie- und Schuhtechnik Wild aus Trier zweimal in der Woche nach Manderscheid zur Beratung von Menschen mit diabetischem Fußsyndrom kommen, der Manderscheider Schumacher Frank Salzburger werde ebenfalls mit dem Ärztehaus kooperieren. Und Notar Thomas Endres werde künftig statt im Maarmuseum seine Sprechstunden wieder im Manderscheider Rathaus anbieten und Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie die Mediziner, nur eben ein einem anderen Bereich. Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, ist "stolz, dass uns das gelungen ist. Ich bin Dr. Schilling sehr dankbar, dass er das Projekt umsetzt." Denn bei allen Plänen "braucht man auch immer jemanden, der vorneweg geht". In diesem Fall einen Arzt, der bereit gewesen sei, das Projekt zu realisieren. Was in Manderscheid rund elf Monate nach den ersten Gesprächen zwischen der Verwaltung und dem Mediziner passiert ist. KommentarMeinung

Mutig und wichtigMit einer Arztpraxis aus der Kreisstadt Wittlich ins deutlich kleinere Manderscheid zu wechseln, ist ungewöhnlich, mutig, richtig und vor allem wichtig. Denn in Zeiten, in denen die ärztliche Versorgung auf dem Land immer schlechter wird, wird in Manderscheid mit dem Praxis-Umzug ein Zeichen gesetzt. Für eine bessere Ärzteversorgung und gegen den Leerstand auf dem Land. Das zeigt, dass man manchmal nur gut Ideen, die richtigen Leute und etwas Mut braucht. p.willems@volksfreund.de DAS ÄRZTESYMPOSIUM IN MANDERSCHEID

Extra

Für das Ärztesymposium mit geladenen Gästen am 1. April im Manderscheider Ärztehaus gibt es bereits zahlreiche Zusagen. Darunter sind neben Bürgermeister Dennis Junk von der Verbandsgemeinde Wittlich-Land die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Irmgard Stippler, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz, der Landesärztepräsident Dr. Günther Matheis, Dr. Peter Heinz, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, und Dr. Burkhard Zwerenz, Vorsitzender des Landesverbands der Hausärzte. Das Symposium steht unter dem Titel "Die Zukunft der ärztlichen Versorgung auf dem Land". Im Anschluss findet die Einsegnung des Rathauses mit Abt Johannes vom Kloster Himmerod statt.