Dorfleben: Von Kuhfladen-Roulette und Bäume sammeln

Dorfleben : Von Kuhfladen-Roulette und Bäume sammeln

Die Pötscher Jungen engagieren sich seit 30 Jahren in Minderlittgen. Manchmal sind sie bei ihren Aktionen auf tierische Hilfe angewiesen.

Manchmal braucht es gar nicht viel, um die Dorfgemeinschaft zu stärken. Nachbarn, die sich gut verstehen, können schon ein Anfang sein. So ist es jedenfalls in Minderlittgen. Aus einer Nachbarschaftsgruppe, die in der Ortslage „Auf Pötsch“ lebt bezeihungsweise vor 30 Jahren gelebt hat, sind die Pötscher Jungen geworden. 1989 haben sie sich zum ersten Mal getroffen, zum Weihnachtsbäume einsammeln. Heute ist es schon Tradition im Dorf.

Inzwischen gehen auch die Kinder der Pötscher Jungen mit, und wenn Nachwuchs aus dem Dorf mal ein Stück auf dem Traktor mitfahren möchte, ist das auch kein Problem. Axel Hecking, Ortsbürgermeister von Minderlittgen und bei den Pötscher Jungen dabei, berichtet: „Wir sind eine sehr offene Gemeinschaft, wer bei uns dabei sein will, ist willkommen. Inzwischen sind mehrere Generationen unter uns 30 Pötschern.“

Und die packen alle mit an, beispielsweise wenn es ums Weihnachtsbäume einsammeln geht. Zwei Traktoren hat die Gruppe dabei und eine Spendendose. An jeder Haustür wird geklingelt, man hält einen kleinen Plausch, nimmt den Weihnachtsbaum mit und bekommt eine kleine Spende, ab und zu auch Süßigkeiten für die Kinder und ein Schnäpschen für die Erwachsenen.

„Für die Dorfgemeinschaft ist es auch wichtig, dass man miteinander im Gespräch bleibt. Wir sind da sehr offen“, sagt Axel Hecking.

Ein eigenes Fest veranstalten die Pötscher Jungen alle zwei Jahre. Dabei wird gegrillt, es gibt Getränke zu moderaten Preisen, und es kommen viele Menschen aus dem gesamten Dorf.

„Eigentlich war das Fest für die Nachbarschaft geplant, aber dann sind weitere Minderlittger neugierig geworden und kamen dazu“, erinnert sich Ralf Hecking, ebenfalls ein Pötscher Junge. Zweimal mussten sie damals Getränke nachordern, erinnern sie sich.

Für eines ihrer Feste haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Sie haben Kuhfladen-Roulette gespielt. Dabei werden auf einer Wiese verschiedene Felder markiert, und die Spieler können ein Feld „kaufen“. Anschließend wird eine Kuh auf die Wiese gestellt. Der Besitzer des Feldes gewinnt, auf das der erste Kuhfladen fällt. „Und es hat lange gedauert, bis der erste Kuhfladen kam“, erinnert sich Ralf Hecking lachend.

Wenn andere Feste im Dorf sind, helfen die Pötscher Jungen gerne mit. Sie haben zudem mit dazu beigetragen, dass das alte Backhaus wieder aktiviert worden ist. Die Pötscher wollten wissen, ob der Ofen, der im alten Backhaus war, noch funktioniert, und haben ihn ins Laufen gebracht. Inzwischen wurde das Backhaus von der Gemeinde renoviert, es gibt einen Aufenthaltsraum, Toiletten und einen angrenzenden Spielplatz.

Beim Dorffest wird, im kleinen Rahmen, Kuchen im Ofen gebacken. Axel Hecking: „Wir haben zwei Bäcker im Ort, die sich darum kümmern.“ Die Erlöse ihrer Feste und des Weihnachtsbäume-Sammelns spenden die Pötscher Jungen für einen guten Zweck. Viele Jahre lang ging das Geld an eine Jugendeinrichtung, inzwischen sind es Projekte im Ort, denen das Geld zugute kommt.

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