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Waschen, nähen, bügeln statt stempeln

Waschen, nähen, bügeln statt stempeln

MORBACH. Seit fünf Jahren wird in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Morbach fleißig gewaschen, gebügelt und genäht. Das kleine Jubiläum wäre eigentlich ein Anlass zum Feiern. Doch "Wapsi - ein Projekt für Frauen in Morbach" ließ diesen Geburtstag still verstreichen.

"Wapsi" hat keinen Grund für Jubelfeiern. Noch vor wenigen Monaten stand das Caritas-Projekt für Frauen in schwierigen Lebenssituationen auf der Kippe, weil nicht klar war, wie es finanziell weiter geht. Zuschuss vom Bistum fließt wieder

Da in der ehemaligen Landwirtschaftsschule arbeitslose Frauen, Aussiedlerinnen und Asylbewerberinnen beschäftigt und qualifiziert werden, gibt es staatliche Zuschüsse zu den Lohnkosten. Die Differenz zahlte bislang die "Aktion Arbeit" vom Bistum Trier. Ob dieser Zuschuss weiter fließen konnte, war lange unklar. Und damit stand die Zukunft von "Wapsi" in Frage. Das ist erfreulicherweise Vergangenheit. In der Zwischenzeit erhält "Wapsi" immerhin 5000 Euro pro Jahr Förderung vom Bistum. Doch die Zahl der Mitarbeiterinnen ist geschrumpft. Derzeit waschen, bügeln und nähen sechs Frauen in Morbach um die Wette. "Ich habe nie gern gebügelt", verrät die 56-jährige Christine Weber, die wegen Rückenproblemen ihren Beruf als Altenpflegerin nicht mehr ausüben kann. "Ich konnte die Patienten nicht mehr heben." Mittlerweile ist sie zu 70 Prozent schwerbehindert. Doch die Arbeit mit den anderen Frauen macht ihr Spaß. Auch das "Kreuz" macht mit. "Ich muss ja nicht die ganze Zeit auf der Stelle stehen." Immer wieder läuft sie hin und her, holt sich ein neues Kleidungsstück aus der Bügelwäsche. Und auch die Kunden wollen bedient werden. Kundengespräche führt inzwischen auch Armik Kondschorjan, Asylbewerberin aus Aserbeidschan, die im dritten Jahr dabei ist. Die gelernte Grundschullehrerin hatte in ihrer neuen Heimat große Sprachprobleme. Doch das ist vorbei. "Mittlerweile kann ich auch Kunden bedienen, und ich mache es gern." "Wapsi" hatte in der Vergangenheit Sprachkurse angeboten, doch auch am Bügelbrett wird gelernt. Und das unter erschwerten Bedingungen. Denn in der Bügelstube wird Dialekt gesprochen. Doch was ein "Schmier mit Wuuscht" ist, weiß die 55-Jährige längst. Die "Wapsi"-Frauen haben sich einen festen Kundenstamm erarbeitet. Dazu gehört sogar eine Frau, die mittlerweile ins Saarland verzogen ist, aber immer kommt, wenn sie in der Nähe zu tun hat. Rotraud Försterling, die das Projekt der Caritas leitet, bringt auch regelmäßig Bügelwäsche aus Bernkastel-Kues mit, wo die Caritas in einer Senioren-Wohnanlage untergebracht ist. Ein wenig zu kämpfen hat "Wapsi" auch mit den Nachwehen der Existenzprobleme. Denn auch das Kinderhaus Mandala bietet jetzt verstärkt einen Bügelservice an. Försterling schätzt, dass aber maximal fünf Kunden abgesprungen seien. Mehr Kopfzerbrechen bereitet den Wasch- und Bügelfrauen die Veränderungen in der Arbeitsmarkt-Politik. "Wir hoffen, dass wir unsere Arbeit behalten", sagt Christine Weber. Zwar sei an weitere Stellenkürzungen nicht gedacht, versichert die Projektleiterin, doch dank Hartz sollen die Arbeitsverträge nur noch über ein halbes Jahr abgeschlossen und dann wieder mit anderen Personen besetzt werden. "Wapsi" ist telefonisch erreichbar unter 06533/941463.