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Zwischen Lindgren und Lebensrettern

Zwischen Lindgren und Lebensrettern

SALMTAL. Rocken, campen, feiern – beim achten Gut-Holz-Festival in Salmtal ist gleich alles auf einmal möglich. Zu dem zweitägigen Open-Air am kommenden Wochenende werden mehr als 2000 Besucher erwartet.

16 Grad Celsius, Platzregen, Sonne und Gewitter. Nein, so stellt man sich den August nicht vor - in Irland vielleicht, aber nicht in Deutschland. Leidenschaftliche Festivalgänger dürfte ein solches Wetter eigentlich nicht abschrecken, zumal Rock-am-Ring-Erprobte wissen: Wer dem Wetter trotzt, der ist erst ein echter Festival-Fan. Dennoch wirft Andreas Reichert seit einiger Zeit jeden Morgen erst einen bangen Blick gen Himmel und dann auf die Wetterkarte. Der 26-Jährige gehört zum Organisationsteam des Gut-Holz-Festivals in Salmtal. "Im vergangenen Jahr hatten wir zwar Glück mit dem Wetter, aber dennoch ein bisschen Pech", erzählt der Vermessungstechniker. "Um Salmtal herum ging die Welt unter, nur bei uns war es gut." Das habe einige davon abgehalten, zum Gut-Holz-Festival zu fahren. In diesem Jahr rechnen die Veranstalter mit mehr als 2000 musikbegeisterten Menschen - und mit gutem Wetter. "Ab Donnerstag soll es wieder trocken und wärmer werden", sagt Reichert voller Optimismus. "Aber bei den Bands bleibt den Leuten gar nichts anderes übrig, als nach Salmtal zu kommen - egal welches Wetter ist." Wenn der Salmtaler von dem Konzertgelände, auf dem gleichzeitig am Rand gecampt werden darf, spricht, kommt er ins Schwärmen: "Das ist eine riesige Wiese, die wunderschön gelegen und von Wald und Salm umsäumt ist." Der Aufbau von Bühne und Technik beginnt heute. "Mittlerweile haben wir mehr als 100 Helfer, die mit anpacken. Da arbeitet jeder für jeden. So etwas gibt es nur in Salmtal", sagt Andreas. Die Bandauswahl des Festivals ist ein Spiegelbild des Musikgeschmacks des Organisationsteams: "Auf unserem Festival spielen ausschließlich die Bands, die uns persönlich gefallen." Headliner des zweitägigen Festivals an der Salm wird am Samstag die Hamburger Band "Tomte" sein. Tomte? Das hört sich nach Astrid Lindgrens Kinderbuch "Tomte Tummetott" an. Richtig! Danach hat sich die deutschsprachige Band um Sänger Thees Uhlmann benannt. Der beweist nicht nur in seinen Songtexten, dass er mit Worten umgehen kann. Er hat sich auch als Redakteur verschiedener Musikzeitschriften ("Spex", "Intro") einen Namen gemacht. Bei "Tomte" wird Leben gerettet, wo es nur geht - mit Stil und allem, was dazugehört. "Angelika Express" haben eine bedeutend kürzere Anreise als die Nordlichter von "Tomte": Sie kommen aus Köln. Ihre Texte sind provokant und machen Spaß. Die drei Jungs beglücken die Gut-Holz-Besucher mit rumpeligem Garagen-Pop. Auch wenn "Tomte" und "Angelika Express" bundesweit die bekanntesten Bands dieses Festivals sind, dürfte ihnen eine andere Band - zumindest unter Besuchern aus dem Raum Wittlich - fast den Rang ablaufen: "Mary Greenwood", eine integrative Rock-Band, die vor acht Jahren in Maria Grünewald, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Wittlich, gegründet wurde. Bei dieser Formation spielen behinderte Musiker gemeinsam mit nichtbehinderten deutschen Alternative-Rock mit eigenen Texten. Zurück zum Wetter: Der Wetterfrosch des Trierischen Volksfreund ist für das kommende Wochenende guter Dinge und sagt: 26 Grad und Sonnenschein.