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Geplantes Bordell in Ürzig macht Ärger

Nicht zu übersehen: Ein großes Schild an der B 53 weist auf den Club „Mosel Beach“ hin. TV-Foto: Winfried Simon
Nicht zu übersehen: Ein großes Schild an der B 53 weist auf den Club „Mosel Beach“ hin. TV-Foto: Winfried Simon
Ürzig. Im ehemaligen Hotel Ürziger Würzgarten am Moselufer in Ürzig soll ein Bordell entstehen. Das sorgt im Ort für heftige Diskussionen. Zurzeit hat der Betreiber aber lediglich eine Lizenz für eine Gaststätte. Die Genehmigung zum Betrieb eines Bordells liegt noch nicht vor. Winfried Simon

Ürzig. Das Schild an der B 53 am Ortseingang von Ürzig ist nicht zu übersehen. "Club Mosel Beach" steht in roter Schrift auf der Tafel. Der Schattenriss einer Frau, die in horizontaler Lage abgebildet ist, lässt keinen Zweifel: Beim Club Mosel Beach handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Gasthaus, vielmehr sollen hier Damen ganz spezielle Dienste anbieten.
Doch noch empfängt in der mit roten Plüschsesseln ausgestatteten Bar lediglich ein einziger Mann die Gäste. Nur Getränke können die Besucher bei ihm ordern, spärlich bekleidete Frauen sind nicht zu sehen.
Janni Gashi steht hinter der Theke. Er sagt ohne Umschweife: "Hier soll ein Bordell entstehen." Sein Sohn Idriz soll es betreiben. Die Familie kennt sich in der Rotlicht-Branche aus. Janni Gashi betrieb viele Jahre den Nachtclub Kokett-Bar in Wittlich-Wengerohr. Die Geschäfte hat er inzwischen an seinen anderen Sohn Dennis übergeben.
Nach Angaben von Janni Gashi hat sein Sohn Idriz die Barräume des ehemaligen Hotels gemietet. Fünf, sechs Bardamen wolle er einstellen, sagt Janni Gashi. Wer mehr als nur einen Piccolo mit einer der leicht bekleideten Damen schlürfen wolle, könne sich auf ein Zimmer begeben. Mit den Zimmern habe er aber nichts am Hut. Diese hat ein Longkamper gemietet. 50 Euro sollen die Damen für eine Übernachtung zahlen.
"Was die dort treiben, ist deren Sache", sagen Gashi und der Longkamper. Zehn Zimmer hat der Longkamper nach eigenen Angaben bereits entsprechend hergerichtet, die anderen will er nach und nach renovieren. Der Longkamper: "Die Bardamen können die Zimmer mieten, ebenso Paare, die ungestört ein paar schöne Stunden erleben wollen. Aber auch jeder andere Gast ist willkommen. Es ist ein Hotelbetrieb ohne Frühstück."
Besitzer des Hotels ist seit Anfang der 90er Jahre Horst Edel aus Baden-Baden - ein ehemaliger Opernsänger und Schauspieler. Er hatte eine Rolle in der in Ürzig gedrehten Fernsehserie "Moselbrück" und war Darsteller in der 1972 gedrehten Sexkomödie "Heb hoch das Hemd, wenn's Höschen klemmt". Zeitweise betrieb er selbst das Hotel. Bis Ende 2008 war es verpachtet, danach stand es leer. Edel weiß, was die Männer mit seiner Immobilie vorhaben. Er sagt: "Ist doch in Ordnung. Wir leben doch in einem liberalen und freien Land."
Ganz und gar nicht in Ordnung findet die Bordellpläne hingegen Ortsbürgermeister Arno Simon. Ein solches Etablissement wäre schädlich für das Image der Gemeinde. Vor allem stört er sich an dem großen Hinweisschild. Gashi sagt dazu: "Wenn es stört, mache ich es wieder weg - kein Problem."
Bislang hat Gashi nur eine vorläufige Schankerlaubnis. Er wolle aber eine Genehmigung zum Betrieb eines barähnlichen Betriebes, sprich Bordell. Das Ordnungsamt der VG Bernkastel-Kues habe aber einen entsprechenden Antrag abgelehnt. War um, wisse er nicht, sagt Gashi. Die VG-Verwaltung teilt auf Anfrage mit: Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, könne man nichts sagen. Außerdem sei der Datenschutz einzuhalten. Man werde den Fall genau prüfen.
Ein Bordell an so exponierter Stelle? Viele Ürziger halten davon nichts. Petra Pfeiffer (30) spricht deutliche Worte: "Das würde unser schönes Weindorf verschandeln. Zuerst die Brücke, jetzt noch ein Puff - schlimm." Auch Roman Christoffel (57) ist gegen ein solches Etablissement. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Mosel Beach befänden sich ein Altenheim und der Kindergarten. Allein schon deshalb dürfe dort kein Bordell betrieben werden. Christoffel: "Das große Schild - unmöglich. Es ist der erste Eindruck der Gäste, wenn sie in den Ort kommen."
Doris Zehren (51) sieht das anders. "Das Haus steht am Ortsrand, ist also weit genug weg. Für mich ist das kein Problem."
Benedikt Pfeiffer (49) ist nicht gerade begeistert, meint aber: "Wenn es anderswo stehen würde, mehr versteckt, wäre es o.k. Man kann ja so was nicht verbieten." Ähnlich äußert sich Maria Lehnert (47): "An der Stelle passt ein solches Haus sicher nicht. Grundsätzlich bin ich aber nicht dagegen."