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Die Region profitiert von Wanderungsgewinnen

Die Region profitiert von Wanderungsgewinnen

Die Zeiten, in denen ein Bürger fremder Nationalität in der Region Trier ein Exot war, sind längst vorbei. Jeder 16. Bewohner hat einen ausländischen Pass. Geht es nach der heimischen Wirtschaft, dann wird dieser Anteil weiter deutlich wachsen.

Trier. Vor wenigen Tagen meldeten die statistischen Ämter, die Einwohnerzahl in Deutschland sei erstmals seit Jahren gestiegen. Allerdings nicht aufgrund wachsenden Kindersegens, sondern durch die Zuwanderung ausländischer Bürger. Einen "Wanderungsgewinn" von 340 000 Menschen zählten die Demografen bundesweit für 2012. Allerdings, und da waren sich die Experten einig, würden sich die Neubürger den Großstädten und Boom-Regionen zuwenden - und nicht dem platten Land.
Doch die Region Trier scheint das Gegenteil zu beweisen. Seit Jahren steigt die Zahl von Menschen mit ausländischem Pass, die in der Stadt Trier und den vier Kreisen leben, kontinuierlich. Dabei sind es EU-Länder, aus denen der überwiegende Teil der Neubürger kommt. In größeren Zahlen vertreten sind aber auch Russen, Ukrainer, Türken, Kosovaren oder Amerikaner.
Die meisten kamen oder kommen in die Region, um hier zu arbeiten - und sie haben oft gute Jobs in Aussicht. "Das ist eher eine Wohlstands- als eine Armuts-migration", vermutet der Trierer Soziologe Waldemar Vogelgesang. Eine wichtige Rolle spielt die Jobmaschine Luxemburg. Massiv ist auch der Trend, dass Luxemburger Staatsbürger, die in Luxemburg arbeiten, sich in Deutschland ansiedeln - oft, weil hier das Wohnen und Bauen bezahlbarer ist als im flächenmäßig kleinen Großherzogtum.
Von größeren Problemen zwischen Einheimischen und Neu-Bürgern ist erstaunlich selten die Rede. Der Zuzug habe sich "über einen langen Zeitraum abgespielt", sagt Prof. Vogelgesang, deshalb sei es ruhig zugegangen. Auf dem Land gebe es "ohnehin keine homogene Struktur mehr". Integrationsschwierigkeiten seien eher zu befürchten, wenn viele Menschen in relativ kurzer Zeit zuwanderten, wie vor einigen Jahren die Spätaussiedler aus dem Osten. Letztere fehlen in der Statistik, weil sie als deutsche Staatsbürger nicht gesondert erfasst werden. Dennoch warnt der Soziologe von der Uni Trier davor, "diese Leute zu vergessen und nur noch auf die Anwerbung neuer Zuwanderer zu setzen".
Auch sonst ist nicht alles eitel Sonnenschein. "Heile Welt? Das wäre schön", sagt Ilyas Pinar vom Multikulturellen Zentrum in Trier. Es gebe durchaus alltäglichen Rassismus. Wer fremd aussehe, müsse in der Disco mit Rausschmiss und am Bahnhof mit verschärften Kontrollen rechnen. Auch die permanenten Demonstrationen der NPD mit ihren rechtsradikalen Parolen seien für viele Ausländer ein Grund zur Sorge.
Noch eine wichtige Veränderung lässt sich den Statistiken (sehr anschaulich dargestellt auf www.infothek.statistik.rlp.de ) entnehmen: Wo 1990 noch weit überwiegend Männer als Ausländer in der Region lebten, hat sich das Bild gewandelt. Inzwischen sind die ausländischen Frauen fast überall in der Überzahl. Vor allem in der Stadt Trier - was wiederum mit den Hochschulen zusammenhängen dürfte.Extra

Wer hätte das geahnt? In der Stadt Trier stellen die Franzosen mit 700 Einwohnern die stärkste Nationalität - offenbar eine Spätfolge der früheren Militär-Präsenz. Im Kreis Trier-Saarburg sind die Luxemburger mit 2293 die mit weitem Abstand größte Ausländer-Gruppe - vielen von ihnen haben sich an der Obermosel angesiedelt. Ähnlich die Situation im Kreis Bitburg-Prüm: Infolge der Grenznähe stellen auch hier die Luxemburger mit 1873 das weitaus größte Kontingent. Im Kreis Bernkastel-Wittlich sind die Polen (888) die stärkste Nationalität - sie sind auch sonst in der ganzen Region stark vertreten. Überraschung im Vulkaneifelkreis: Dort liegen die Niederländer mit 404 Einwohnern vorn. Das könnte mit dem Zuzug junger Landwirte zusammenhängen, die leerstehende Bauernhöfe übernehmen. DiL (Datenbasis: Januar 2012)