Disput im Gericht und via Internet

Disput im Gericht und via Internet

In ungewöhnlicher Schärfe wird derzeit ein Drogenprozess vor dem Trierer Landgericht geführt. Verteidiger und die beiden Staatsanwälte liefern sich seit Wochen einen heftigen Disput - zum Teil auch im Internet.

Trier. Garstig, unzivilisiert, unreif: Anwalt Achim Flauaus aus dem hessischen Bensheim greift die beiden Staatsanwälte Eric Samel und Jörn Patzak ungewöhnlich scharf an. Und das nicht im Gerichtssaal, sondern im Internet. Auf seiner Internetseite kommentiert der 46-Jährige regelmäßig den Fortgang des seit Februar laufenden Drogenprozesses. Angeklagt sind ein 36-jähriger Luxemburger - Mitglied der Rockerbande Hells Angels - und ein 39-Jähriger aus dem Westerwald. Ihn vertritt Flauaus.
"Staatsanwälte sehen rot"


Den beiden Angeklagten wird vorgeworfen, mit einem bereits verurteilten Großdealer aus der Eifel Geschäfte gemacht zu haben. Der Westerwälder, der ebenfalls dem Umfeld der Hells Angels zugerechnet wird, ist bereits mehrfach vorbestraft, unter anderem auch wegen Drogenschmuggels. Zusammen mit dem Mitangeklagten soll er Anfang 2009 bei dem Eifeler 100 Gramm Kokain bestellt haben. Bereits vor Wochen hatte der Dealer als Kronzeuge in dem Prozess ausgesagt - unter Polizeischutz, aus Angst vor Übergriffen von Mitgliedern der Rockerbande. So wie der gesamte Prozess unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfindet.
Seit Wochen liefern sich die beiden Staatsanwälte mit den Rechtsanwälten Flauaus und Volkhard Schreiber - ein erfahrener Hells-Angels-Verteidiger, der nun den Luxemburger vertritt - einen für einen solchen Drogenprozess ungewöhnlich heftigen Disput. Vor allem Schreiber versucht mit zahlreichen Beweisanträgen - am gestrigen Verhandlungstag waren es allein sieben - die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen zu widerlegen. Das veranlasst die beiden Staatsanwälte immer wieder zu bissigen, teils aggressiven Reaktionen. Die Verteidigung verliere den Überblick und argumentiere "ins Blaue", sagte Patzak gestern. Flauaus kontert via Internet, bezeichnet die Staatsanwälte als garstig und bescheinigt ihnen "mangelnde Reife". "Es reicht schon die kleinste Lebensäußerung eines Verteidigers, um sie ‚rot\' sehen zu lassen." Und er moniert, dass sie "sogar auf zivilisatorische Errungenschaften" wie "Guten Morgen" verzichten. Und: "Untereinander haben sie viel Spaß." Anträge der Verteidiger kommentierten sie mit "Grinseinlagen" oder "Unmutsbekundungen". Mittlerweile ist der Disput spannender als der eigentliche Prozess, der sich durch die zahllosen Beweisanträge in die Länge zieht. Am Donnerstag könnte das Scharmützel seinen Höhepunkt erreichen. Dann sind die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung geplant, falls es keine neuen Anträge gibt.