Gefährliches Spiel mit der Angst

Gefährliches Spiel mit der Angst

TRIER. Vor dem Trierer Landgericht ist am Donnerstag der Prozess gegen fünf Schausteller fortgesetzt worden. Sie sollen mitschuldig sein am Tod einer 14-jährigen Dauner Schülerin. Das Mädchen war nach einem Sturz aus einer Bungee-Kugel gestorben. Sie war nicht angeschnallt.

Erschreckende Erkenntnisse am Ende des zweiten Verhandlungstags im Trierer "Bungee-Prozess": Dass an dem Katapult mit der Angst der Fahrgäste "gespielt" wurde, einige erst im letzten Augenblick vor dem Abschuss angegurtet wurden, war offenbar keine Ausnahme. Und: Trotz offenkundiger Sicherheitsmängel stehen auf Rummelplätzen anscheinend immer noch Bungee-Katapulte vom Typ "Sling-shot", die nach dem tödlichen Zwischenfall auf der Dauner Laurentiuskirmes vor anderthalb Jahren nicht nachgerüstet worden sind.Fragwürdiges Animier-Programm

Kein guter Tag für die fünf derzeit in Trier auf der Anklagebank sitzenden Schausteller. Unabhängig voneinander bestätigten am Donnerstag gleich mehrere Zeugen, was die Aussage eines 25-jährigen Ex-Beschäftigten vom Vortag bereits vermuten ließ: Das späte Angurten der Vergnügungssüchtigen in der Bungee-Kugel gehörte zumindest zeitweise zum Programm am Todeskatapult, um den Nervenkitzel noch zu steigern. "Ich habe immer gesagt: Irgendwann passiert da mal was", sagte ein anderer ehemaliger Mitarbeiter vor Gericht. Vor allem bei "dickem" Betrieb und wenn Mädchen oder Frauen in der Bungee-Kugel saßen, spulten die Schaustellergehilfen gerne mal ihr fragwürdiges Animier-Programm ab: "Das reichte vom Flirten bis zum Angst-Einjagen", sagt der Zeuge. So seien etwa Sicherheitsgurte wieder aufgemacht worden, obwohl der Spannvorgang schon lief - laut Bedienungsanleitung streng untersagt. Ein wahres Trauma erlitt nach eigenen Angaben eine junge Frau auf dem Konzer Heimatfest, nachdem sie mit einer Freundin im "Slingshot" Platz genommen hatte. "Wir lassen euch unangeschnallt in die Luft gehen und schauen, was dann passiert", habe einer der Schaustellergehilfen den Mädchen gesagt. Als sie schließlich - angegurtet - gen Himmel katapultiert wurden, habe man sie dort minutenlang kopfüber hängen lassen "Ich dachte, gleich ist es zu Ende. Das hält doch ein normaler Mensch nicht aus." Ähnlich empfand das auch ihre Freundin: "Ich dachte, mein Kopf explodiert gleich."Schlechte Noten für den Tüv

Ein wenig wie auf der Anklagebank musste sich am Donnerstag der eigens aus Österreich angereiste Chef der "Slingshot"-Herstellerfirma fühlen. "Wir haben alles darangesetzt, das Gerät so sicher wie möglich zu machen", rechtfertigte sich der 44-Jährige. Und der Tüv Thüringen habe die Anlage schließlich auch abgesegnet. Nach dem Unglück in Daun seien einige Bungee-Katapulte in Deutschland mit zusätzlichen Sicherungssystemen nachgerüstet worden - "aber nicht alle". Die Sicherheitsvorkehrung sei keine Vorschrift. Ein miserables Zeugnis stellte dem Technischen Überwachungsverein auch der vom Gericht bestellte Sachverständige aus. "Ohne Abschaltmechanismus hätte der Tüv die Anlage nicht abnehmen dürfen", sagte Gutachter Manfred Thiel (Bitburg). Die eigentliche Unglücksursache: "summiertes Fehlverhalten des Personals". Am heutigen dritten Prozesstag wird mit den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklägern und Verteidigern gerechnet. Das Urteil soll am Fetten Donnerstag (23. Februar) gesprochen werden.

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