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Venezuela rüffelt Berlin - Botschafter einbestellt

Venezuela rüffelt Berlin - Botschafter einbestellt

Caracas (dpa) Angesichts der Krisenlage in Venezuela warnt die Führung von Staatschef Nicolás Maduro die Bundesregierung mit scharfen Worten vor Einmischung. Der Deutsche Botschafter Stefan Andreas Herzberg wurde zu Außenminister Jorge Arreaza zitiert und bekam eine Protestnote überreicht, nachdem sich Regierungssprecher Steffen Seibert kritisch zur Situation in dem zerrütteten Staat geäußert hatte.

"Weder Deutschland noch ein anderes Land der Welt haben das Recht, sich in die inneren Angelegenheiten Venezuelas einzumischen", sagte Arreza.
Er bezog sich auf Äußerungen von Seibert in der Regierungspressekonferenz am Montag. "Wir wollen und brauchen eine friedliche Rückkehr zur demokratischen Ordnung" in Venezuela, hatte der Sprecher von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) betont. Es müsse Schluss sein "mit willkürlichen Verhaftungen und exzessiver Gewalt gegen Regierungsgegner". Seibert sprach von einer faktischen Entmachtung des Parlaments und forderte Schutzgarantien für die abgesetzte Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, die Maduro den Umbau des Staates zu einer Diktatur vorgeworfen hatte.
Wenige Stunden nach Überreichen der Protestnote durchsuchte der Geheimdienst die Wohnung von Luisa Ortega und beschlagnahmte unter anderem Computer. Ihr Ehemann, der Abgeordnete Germán Ferrer, wird vom neuen Generalstaatsanwalt, dem linientreuen Tarek William Saab, beschuldigt, an der Spitze eines Korruptionsnetzwerk zu stehen und Geld auf Konten im Ausland geparkt zu haben. Die Aufhebung von Ferrers Immunität wurde beantragt. "Das ist eine Rache dieser Regierung, weil wir gegen den Totalitarismus kämpfen, der in Venezuela herrscht", erklärte Ortega auf Twitter. Die 59-Jährige darf das Land vorerst nicht verlassen.

Seit April starben bei Protesten und Unruhen im Land mit den größten Ölreserven 123 Menschen. Maduro hat wiederholt die Opposition für die Toten verantwortlich gemacht. Gewalt sowie Mangel an Lebensmitteln und Medizin prägen den Alltag. Bereits 140 000 Venezolaner haben sich illegal nach Kolumbien abgesetzt, auch nach Brasilien sind Zehntausende Menschen geflüchtet.