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Pädagogik
Von hohen Rössern und Bäumen

Ralf Taubert (71) ist einer der Gründerväter der Waldjugendspiele, die bereits 1982 in Greimerath begannen. Bis heute kommt seine außergewöhnliche Art, den Kindern Zusammenhänge im Wald zu erklären, gut an.
Ralf Taubert (71) ist einer der Gründerväter der Waldjugendspiele, die bereits 1982 in Greimerath begannen. Bis heute kommt seine außergewöhnliche Art, den Kindern Zusammenhänge im Wald zu erklären, gut an. FOTO: Herbert Thormeyer
TRASSEM. Weg von der Playstation, rein in den Wald: Mehr als 500 Jugendliche haben an den 25. Waldjugendspielen in Trassem teilgenommen. Ein Blick in die Geschichte der Spiele offenbart überraschende Zusammenhänge. Von Herbert Thormeyer

Die Wettervorhersage für den 7. Juni hatte nichts Gutes ahnen lassen: Schwere Unwetter waren vorhergesagt. Kurzerhand hat das Forstamt Saarburg die 25. Wald-Jugendspiele in Trassem in den September verschoben. Letztlich war es nicht so schlimm, doch die Vorhersage bescherte den Spielen eine Premiere.

Eigentlich messen sich Drittklässler bei dem Wettbewerb im Wald. Schmunzelnd merkt Dietmar Schwarz, Leiter des Bereichs Waldinformation, Umweltbildung und Walderleben an: „Aus den Drittklässlern sind inzwischen Viertklässler geworden.“ Das Interesse daran, einen interessanten und lehrreichen Tag im Wald zu verbringen, hat jedoch nicht nachgelassen. 33 der 36 angemeldeten Klassen mit zusammen 580 Schülern waren erneut dabei. Nicht gekommen sind lediglich drei Klassen aus Luxemburg. „Für die ist das ein Auslandsaufenthalt, für den einige Genehmigungen eingeholt werden müssen, was nicht rechtzeitig geklappt hat“, erklärt Schwarz mit Bedauern, denn für den Standort Trassem sind es Jubiläumsspiele. Die Zahlen sind beeindruckend: Von 1994 bis 2018 haben 1218 Klassen mit 26 150 Schülern teilgenommen. Mehr als 1600 Forstpatinnen und Forstpaten und rund 2000 Helferinnen und Helfer haben die Wald-Jugendspiele in all den Jahren unterstützt.

Als einer der Väter dieses Wettbewerbs im Bereich des Forstamtes Saarburg gilt Ralf Taubert. 1982 hat der ehemalige Förster den Wettbewerb erstmals in Greimerath veranstaltet. Der heute 72-Jährige steht seitdem in jedem Jahr an einer Station und erklärt Kindern die Zusammenhänge im Wald. Seine Begeisterung für diesen wunderbaren Lebensraum will er so lange wie möglich an junge Menschen weitergeben. Taubert erklärt: „Die Kinder haben ja heutzutage so wenig Zeit und sind viel mit ihren Computern oder der Playstation beschäftigt.“ Im nächsten Jahr feiert er mit seiner Waldjugend in Greimerath das 40-jährige Bestehen.

Um die 70er Jahre herum passierte etwas Bedeutendes in den damaligen vier Forstämtern von Landesforsten Rheinland-Pfalz: Man suchte mehr Öffentlichkeit, um über den Wald zu informieren. Schwarz: „Förster, das waren früher Honoratioren wie der Pastor oder der Bürgermeister.“ Die Proteste der 68er-Generation brachten den hohen Sockel ins Wanken. „Die Forstbeamten stiegen von ihrem hohen Ross, das sie in früheren Zeiten für dienstliche Zwecke tatsächlich besaßen“, sagt der Forstmann schmunzelnd. Die Entwicklung macht er an einem Namen fest: Karl-August Bottler vom Forstrevier Dudeldorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Er gilt als Vater der Wald-Jugendspiele, denn er war auch Landesleiter der Waldjugend.

Als Schüler machte Joachim Haupert 1982 mit. Heute ist der 50-Jährige Förster in Trier und ganz selbstverständlich als Pate dabei. Er sagt: „Früher gab es 20 Stationen. Das war viel anstrengender.“ An den heute zwölf Stationen können sich die Forstleute mehr Zeit nehmen, etwas zu erklären.

Um drei Schwerpunkte geht es: Waldbäume, Wildtiere und die Funktion des Waldes, insbesondere die Nachhaltigkeit. Dietmar Schwarz will das Konzept für die dritten Klassen beibehalten, sieht aber für die siebten Klassen einen Umstrukturierungsbedarf, denn: „Gerade zu diesem Zeitpunkt steht das Thema Wald in den Schulen nicht auf dem Lehrplan.“ Sechste oder achte Klassen einzuladen, wäre deshalb sinnvoller. Daran arbeitet er in einer Kommission bei Landesforsten mit. Es soll weiter spannend und interessant bleiben, denn erfahrungsgemäß bleibe der Tag in Trassem nachhaltig im Gedächtnis und zwar über Jahrzehnte, meint Schwarz.

Ob das auch bei dem neunjährigen Marvin Schlager von der Grundschule Konz so sein wird? Er sagt: „Das Wettrennen mit dem Stapeln von Baumstämmen hat mir am besten gefallen.“ Seine Klassenkameradin Lina Clemens hat gelernt, die verschiedenen Waldbäume zu unterscheiden und präsentiert ihr Wissen: „Die Lärche verliert im Winter ihre Nadeln, die anderen Nadelbäume nicht.“ Für Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, ist der Wettbewerb „toll“. Sie sagt: „Die Jugend baut hier früh eine Verbindung zum heimischen Wald auf.“ Forstamtschef Helmut Lieser freut sich: „Es gibt Kinder, die haben tatsächlich Angst vor dem Wald. Nach den Wald-Jugendspielen ist diese Angst weg.“

Das Forstamt Saarburg bietet Waldprojekte an, für die sich Lehrer und ihre Klassen bei Dietmar Schwarz unter Telefon 06581/2681 anmelden können. Weitere Informationen gibt es online auf www.wez-trassem.de