43 Mal falscher Alarm in der Nacht: Streiche in Triers Asylbewerberheimen werden zum massiven Sicherheitsproblem

43 Mal falscher Alarm in der Nacht: Streiche in Triers Asylbewerberheimen werden zum massiven Sicherheitsproblem

43 Mal mussten Feuerwehr und Polizei zwischen Oktober und März zu den beiden Trierer Asylbewerberheimen ausrücken. 43 Mal war es falscher Alarm, jemand hatte ohne Not den Brandmelder aktiviert. Die Heimleitung warnt vor einer Eskalation: Viele Bewohner wollen ihre Zimmer trotz Alarm nicht mehr verlassen.

Trier. Feueralarm in der Nacht - und er kommt aus einem Asylbewerberheim. Sofort sind die schlimmsten Befürchtungen da, die Angst vor einem Brandanschlag, die Furcht um das Leben von Männern, Frauen und kleinen Kindern. Polizei und Feuerwehr reagieren sofort, sie müssen vom Schlimmsten ausgehen. Auch wenn es der dritte Einsatz in derselben Nacht ist und die beiden Alarme vorher nur Dummejungenstreiche waren.
Zwischen November und Mitte März reagierte die Berufsfeuerwehr Trier auf 43 falsche Alarme im Asylbewerberheim Dasbachstraße in Trier-Nord und der provisorischen Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Eurener General-von-Seidel-Kaserne. Der Rechtsbegriff lautet "böswillige Alarmierung": Jemand drückt auf den Knopf einer Brandmeldeanlage, doch es brennt nicht. Er oder sie will nur Spaß machen. Solche Druckknopfmelder sind Ende Oktober 2014 in beiden Einrichtungen installiert worden. Sofort danach begann das Problem. Bis heute gibt es keine Lösung, doch es droht eine Eskalation.
Wer einer böswilligen Alarmierung überführt wird, muss zahlen. "Bei 43 Fällen dieser Art kommen nach der Gebührensatzung der Stadt Trier 34 400 Euro zusammen", sagt Ralf Frühauf vom Trierer Presseamt. Gebühren, die niemand zahlen wird, weil die Verursacher nicht ermittelt werden können. Doch diese Strafgebühren sind das kleinste unter mehreren großen Problemen.
Das Asylbewerberheim Dasbachstraße gehört organisatorisch zur Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), einer Landesbehörde. Frank-Peter Wagner leitet das Heim in Trier-Nord, in dem seit 1992 Asylbewerber aus der ganzen Welt aufgenommen werden. "Bei jedem einzelnen Alarm startet der Nachtdienst eine Evakuierung des betroffenen Gebäudes", erklärt Wagner. "Aber viele der Bewohner wollen mittlerweile nicht mehr raus in die Kälte und weigern sich, da sie natürlich wieder an einen falschen Alarm glauben." Eine Haltung, die lebensgefährlich werden kann, wenn aus dem falschen Alarm ein echter wird.
Heimleiter Wagner ist ratlos. "Das Problem besteht weiterhin, immer wieder kommt es zu falschen Alarmen. Natürlich erwarten Polizei und Feuerwehr von uns eine Lösung. Der Druck ist enorm." Mehrere Alarme in einer Nacht binden viele Einsatzkräfte bei Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten. "Kräfte, die bei einem echten Notfall in derselben Nacht fehlen."Sperrung des Taschengelds


Wagner und seine Mitarbeiter versuchten, Kameras zu installieren, um die Täter abzuschrecken: "Doch das ist natürlich problematisch wegen der Persönlichkeitsrechte der Bewohner." Bevor dieses Problem akut werden konnte, kamen die Kameras wieder weg. Sie haben sowieso nichts bewirkt. "Die Täter haben sie einfach mit einem Stock weggedreht."
Ansagen, Aushänge, Vorträge, Gespräche - alle möglichen Formen der Kommunikation änderten die Lage nicht. In seiner Not traf Wagner eine Entscheidung, für die er von Trier bis nach Mainz hart kritisiert wurde: Er drohte allen Bewohnern der Häuser, in denen die falschen Alarme auftraten, per Aushang eine kollektive Sperrung ihres Taschengeldes an. Es war keine einsame Entscheidung, die ADD stand hinter dieser Drohung. Jeder Asylbewerber erhält 120 Euro pro Monat.
"Das hat gewirkt", berichtet Wagner. "Die falschen Alarme sanken auf Null." Doch der Heimleiter hat keine Zweifel daran, dass diese Sperrung nicht die beste Idee war. "Es war Notwehr", sagt er. "Wir wussten uns nicht mehr anders zu helfen."
Das Multikulturelle Zentrum Trier protestierte vehement "Solche Kollektivstrafen stehen in krassem Widerspruch zum rechtsstaatlichen Grundsatz der Unschuldsvermutung und entbehren jeder juristischen und verwaltungsrechtlichen Grundlage", sagt Vorstandsmitglied Jules Tüscher. "Das Taschengeld ist eine staatliche Leistung, die jedem Asylbewerbenden laut Asylbewerberleistungsgesetz juristisch zusteht."
Offensichtlich stimmt das Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen in Mainz dieser Sichtweise zu, denn es stoppte die Trierer Taschengelddrohung sofort. "Die Vorwürfe waren und sind berechtigt", sagt Heimleiter Wagner. "Das Taschengeldproblem ist vorbei und wird sich nicht wiederholen." Er betont, es habe sich nur um eine Drohung gehandelt. "Wir haben keinem einzigen Bewohner tatsächlich das Taschengeld gestrichen."
Das Problem besteht weiter. "Die böswilligen Alarme sind seltener geworden, aber sie sind noch da", sagt Wagner. Feuer im Asylbewerberheim - die schlimmsten Befürchtungen werden wiederkommen.Extra

Kein Taschengeld: Diese Drohung war nur von kurzer Dauer, das Ministerium für Integration in Mainz stoppte sie. Foto: privat.

Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in der Dasbachstraße wurde 1992 eröffnet. 2013 einigten sich die Stadt Trier und das Land Rheinland-Pfalz, Gebäude in einer früheren Bundeswehrkaserne in Trier-Euren ebenfalls zum provisorischen Aufnahmeheim umzufunktionieren. Beide Einrichtungen sind mittlerweile völlig überfüllt. In der Dasbachstraße in Trier-Nord gehören Wohncontainer schon seit 2012 zum gewohnten Bild. In der Eurener Kaserne wurden im Februar in aller Eile Wohnzelte aufgebaut, um die Flüchtlinge unterzubringen. Der unverändert starke Strom von Menschen, die aus Not und Gefahr fliehen und Hilfe brauchen, stellt alle Behörden weiterhin vor enorme Herausforderungen. Der Stadtrat hat die Verwaltung in seiner Februarsitzung beauftragt, einen Runden Tisch Flüchtlingshilfe einzuberufen. jp

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