Bewegte Geschichte zweier Trierer Banken

Bewegte Geschichte zweier Trierer Banken

Wundersame Alterung: Warum die Commerzbank 85-jähriges Bestehen feiert, obwohl sie erst 2009 in Trier ihren 50. beging.

Foto: (h_st )
Dresdner Bank und Commerzbank haben in Trier häufige Standortwechsel hinter sich. 1987 bezog die Bank das ehemalige Kino Capitol in der Brotstraße (links). Erster Sitz in Trier war am Kornmarkt (Mitte), ein Übergangssitz an der Ecke Rindertanz-/Christophstraße. Fotos (3): Historisches Archiv Commerzbank AG. Foto: (h_st )

Trier Bei der Feier zum 85-jährigen Bestehen der Commerzbank in Trier ging es kürzlich neben der Digitalisierung und der Entwicklung des Bankgeschäfts auch um die Historie der Bank. Vor geladenen Gästen klärte Volker Böhme, der Filialdirektor der Commerzbank Trier, zunächst auf, warum die Bank 2009 ihr 50-jähriges Bestehen in Trier feierte und nun schon 85 wird. Das liegt nicht an einer wundersamen Alterung, sondern an der Fusion mit der ehemaligen Dresdner Bank, die bereits seit 1932 handelsrechtlich in Trier eingetragen war.

2009 wurden die zwei Traditionshäuser zusammengelegt, wodurch es bis 2016 in der Innenstadt zwei große Commerzbankgebäude gab. Zuletzt zog die Bank aus ihrem alten Stammsitz in der Simeonstraße 58 neben der Porta Nigra aus und sitzt nun nur noch im ehemaligen Hauptgebäude der Dresdner Bank in der Brotstraße 24.

Martin Röder, zuständig für das historische Archiv der Bank, schilderte die wechselvolle Bankgeschichte in Trier. Die Dresdner Bank hatte in ihrer 85-jährigen Firmengeschichte in Trier bereits dreimal den Standort gewechselt. Im Nachgang der Weltwirtschaftskrise 1929 ließ die damalige Reichsregierung die Danat-Bank mit der Dresdner Bank verschmelzen, wodurch am 24. März 1932 die Dresdner Bank ihren ersten Sitz in der Johann-Philipp-Straße einnahm. Nach den Luftangriffen 1944 musste die Dresdner Bank behelfsmäßig umziehen und wechselte in die Räume des Kreditvereins Schweich an der Ecke Rindertanz-/Christophstraße.

Bis 1950 wechselte die Filiale noch zweimal den Standort. Dabei war sie kurzzeitig am Porta-Nigra-Platz 6 und in der Simeonstraße 11 untergebracht, bis sie ins wiederaufgebaute Bankgebäude in der Johann-Philipp-Straße 5/6 zog. Allerdings erlangte die Filiale den Namen Dresdner Bank erst 1957 wieder, nachdem die Alliierten ihre Dezentralisierungsbestimmungen gegen Großbanken aufhoben hatten. Mitte der 1980er Jahre wurden die Räume in der Johann-Pilipp-Straße zu klein. Das ehemalige Kino Capitol in der Brotstraße 24 wurde als neues Bankgebäude ausgewählt und 1987 bezogen. Die Fassade wurde aufwendig erneuert und mit Rosenthaler Elbsandstein aus der Region um Dresden verkleidet, um an die Herkunft der Bank zu erinnern. Zur jüngsten Neugestaltung wurde die Filiale einige Monate lang geschlossen und der Geschäftsbetrieb in der Simeonstraße gebündelt. Durch eine Investition im einstelligen Millionenbereich wurde die Bank auf den neuesten Stand der Technik gebracht und pünktlich zur 85-Jahr-Feier der übernommenen ehemaligen Dresdner Bank wiedereröffnet. Das Gebäude der ursprünglichen Commerzbankfiliale in der Simeonstraße 58 steht zum Verkauf. Die 30 Mitarbeiter wurden ohne Personalabbau auf eine Filiale zusammengelegt.

Im Anschluss an den lebhaften Vortrag von Martin Röder konnten sich die Gäste im kernsanierten oberen Stockwerk auch eine kleine Ausstellung ansehen. In dieser waren neben historischen Bildern und Zeitungsberichten auch Rechenmaschinen und Bürogegenstände aus 85 Jahren Bankgeschichte ausgestellt.

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