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Der Platz an der Wunsch-Schule wackelt

Der Platz an der Wunsch-Schule wackelt

Eine harte Nuss für die Trierer Schulplaner: Die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen der Stadt machen deutlich, dass die Akzeptanz bei den Gymnasien extrem auseinanderklafft. Und bei der Realschule plus flüchten die Eltern zu den Privatschulen - mit erheblichen Konsequenzen.

Trier. Der 29. Februar war in diesem Jahr der Tag der Wahrheit für die Trierer Schulen, endete doch ausgerechnet am Schalttag die Anmeldefrist für das Schuljahr 2012/13. Bei den weiterführenden Schulen dürften die Ergebnisse für manchen Schock sorgen. Zum Beispiel bei den vielen Eltern, die ihren Nachwuchs hoffnungsvoll am Max-Planck-Gymnasium angemeldet haben. 169 Kinder wollten einen Platz an der Schule mit dem klaren mathematisch-sportlichen Profil - aber nur 118 können in den vier einzurichtenden Parallelklassen unterkommen. Auf fast jede dritte Familie kommt also eine Absage zu. Andrang am MPG, Flaute am FSG

Von solchen Luxus-Problemen kann das Friedrich-Spee-Gymnasium am Ehranger Mäusheckerweg nur träumen. Dort haben sich ganze 53 Schüler beworben - und dabei sind schon alle eingerechnet, die gar nicht aufs FSG wollen, sondern auf die Realschule plus Ehrang. Nach der gemeinsamen Orientierungsstufe (siehe Extra) dürfte sich das Potenzial halbe-halbe aufteilen. Dann bliebe für beide Schulen noch eine Klasse - zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. FSG-Schulleiter Hermann Bous wirkt angesichts der Zahlen ratlos. Das sei "keine dolle Situation", sagt der Direktor ehrlich, auch wenn er hofft, "dass noch ein paar Schüler verteilt werden". Seine Schule stehe vor "schwierigen Problemen", aber der Grund sei "schwer nachvollziehbar". Vor wenigen Jahren war die Spee-Schule noch der Schüler-Krösus, konnte sich vor Anmeldungen kaum retten. Doch dann wurde man G-8-Gymnasium mit verkürzter Schulzeit - eigentlich ein Anziehungspunkt für besonders leistungsstarke Schüler. Parallel gab es aber auch - ausdrücklicher Wunsch des Landes - eine gemeinsame Orientierungsstufe mit der Realschule plus aus den alten Real- und Hauptschulen. Zugleich entstand mit dem Gymnasium Schweich eine starke Konkurrenz außerhalb der Stadt. Nun scheint es eindeutig so zu sein, dass die Eltern die ungewöhnliche Mischung von Gesamt- und Hochleistungsschule nicht wollen. "Diese Kombination ist offenkundig nicht tragfähig", analysiert MPG-Direktor Armin Huber. Dessen Freude über den Erfolg der eigenen Schule wirkt gebremst, trägt er doch jetzt die Hauptlast bei den frustrierenden Eltern-Absagen. ADD sorgt für Schülerlenkung

Am Donnerstag haben sich Schulleiter und ADD zusammengesetzt und erste Schritte zur "Schülerlenkung" besprochen, sprich: zur Zuteilung. Viel geht nicht: Das HGT ist mit 117 Anmeldungen voll, das AVG hat mit 104 noch einen kleinen Spielraum. Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium ist mit 74 Anmeldungen zwar auch nicht gerade sensationell frequentiert, hat aber ohnehin nur Platz für drei Klassen à maximal 30 Schüler. Folge: Der "Überhang" am MPG wird, soweit er aus dem Umland kommt, wohl in die Röhre schauen. Denn die Trierer Schüler werden nach dem Prinzip des kürzesten Schulwegs zuerst versorgt. ADD und Stadt haben zwar bereits Gespräche über die Zukunft des FSG-Konzepts angekündigt, aber kurzfristig wird das nicht mehr viel ändern. Noch eine zweite Zeitbombe tickt unter den Anmeldezahlen: Deutlich weniger Schüler werden die städtischen Realschulen plus besuchen. Nur noch 64 an der R-plus-Süd (statt 79), nur noch 48 an der Kurfürst-Balduin-R-plus (statt 56), und in Ehrang dürften am Ende höchstens 30 übrig bleiben. Macht geschätzte 140 - und das reicht auf Dauer nicht für die vorgesehenen drei Realschulen plus in Trier. Bei einer gesetzlichen Klassenmesszahl von 25 genügen zwei dreizügige Schulen. Dagegen platzen die privaten katholischen Haupt- und Realschulen in Trier aus allen Nähten. Ein positives Signal gibt es für die Stadt aber auch: In Trier-West haben sich erstmals Schüler aus der Verbandsgemeinde Trier-Land angemeldet. Meinung

Höchste Zeit, zu liefernSchulentwicklung in Trier: Das bleibt ein Pulverfass. Sogar da, wo Probleme gelöst schienen. Die Konzeption für die Realschulen plus (Ehrang, Trier-West, Trier-Nord) wackelt, wenn einerseits für den Umzug der Trier-Süder Schule ins Maarviertel viel Geld investiert werden soll, andererseits nicht klar ist, ob die Stadt dauerhaft überhaupt drei R-plus braucht. Und die Geschäftsverteilung der Gymnasien kippt, wenn die Eltern weiter mit den Füßen gegen den Standort Mäusheckerweg abstimmen. Zumindest falls das Land stur an einem Konzept festhält, das der Klientel schwer vermittelbar ist. Auch wenn es nach tibetanischer Gebetsmühle klingt: Ein Konzept für die Trierer Schullandschaft muss her, und zwar eines, das nicht nur die gerade an dieser oder jener Stelle aufflackernden Feuerchen austritt. Und das Umland muss mit ins Boot, weil die Probleme weder in Ehrang noch bei den Realschulen ohne Kooperation mit dem Kreis zu lösen sein werden. Versprochen hat die Stadt ein Konzept schon lange. Es wird höchste Zeit, zu liefern. d.lintz@volksfreund.deExtra

In Trier wollen im Sommer 1045 Kinder eine weiterführende Schule besuchen - rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Über 300 davon besuchen eine private Schule, 110 gehen auf die städtische Gesamtschule am Wolfsberg. Rund 520 wollen auf ein städtisches Gymnasium, etwa 110 auf eine städtische Realschule plus. Eine Ungewissheit bleibt, weil FSG und R-plus in Ehrang bis Klasse 6 eine gemeinsame Orientierungsstufe betreiben. Die Eltern haben die Wahl, müssen aber bei "Überfüllung" auch eine vergleichbare Schule in Kauf nehmen. So kann zwischen HGT (117 Anmeldungen), FWG (74), MPG (169) und AVG (104) "getauscht" werden. Das FSG als Schule mit verkürzter Zeit (G 8) bis zum Abitur kann aber aufgrund seines anderen Konzeptes niemandem aufgezwungen werden. DiL