Derber Filz statt rosa Robe

Seit mehr als zwanzig Jahren gestaltet Beate Lambrecht aus Gillenfeld Textilien und nutzt Naturfasern, Farben und alte Handwerkstechniken als Mittel künstlerischen Ausdrucks. In der Ausstellung "Die Prinzessin" zeigt sie zusammen mit Nadja Hormisch eine neue Sicht auf alte Mythen und Symbole.

Gillenfeld/Trier. Was ist eine Prinzessin? Ein schönes blondes Wesen mit prachtvollen Kleidern, das nur auf den Märchenprinzen wartet? Dieses Klischee aus Märchen und Kleinmädchenträumen hat für Beate Lambrecht keine Bedeutung. Aber sie ist überzeugt: "Das Bild von Prinzessin als Synonym für den Wunsch nach Schönem, Gutem und Vertrauensvollem im Menschen trägt jeder in sich". Sonderstellung durch Geburt

Vor drei Jahren hat die 49-jährige Textilkünstlerin aus Gillenfeld, die unter anderem in der Gruppe "Werkform" und dem Berufsverband Kunsthandwerk organisiert und mit Anerkennungspreisen beim Wettbewerb "Design und Gestaltung" ausgezeichnet ist, begonnen, sich dem Thema für eine Ausstellung zu nähern. In Nadja Hormisch aus Waldorf bei Koblenz fand sie eine künstlerisch ebenso ambitionierte Mitstreiterin. "Weil die Chemie stimmte, hat sich ein Prozess intensiver Auseinandersetzung entwickelt, in dessen Verlauf zwei unterschiedlich charakterisierte `Prinzessinnen mit vielen Gemeinsamkeiten entstanden sind" - und mit vielen Bezügen zur eigenen Realität. "Jeder muss sich überlegen, welche Werte und Ideale er oder sie ins Leben integriert", sagt Beate Lambrecht. Sie selbst gehe von der Vorstellung aus, dass eine Prinzessin mit ihrer durch Geburt oder Arbeit erlangten Sonderstellung vieles bewirken könne und sehe sie deshalb als anpackendes Wesen. "Sie kann wild und weise sein, eine Indianerin oder Schamanin, die sich für Harmonie und ein freies Leben im Einklang von Mensch und Natur einsetzt." Idealvorstellungen, wie sie auch in ihrer Biografie eine Rolle spielen, denn nach einem Pädagogikstudium hat sich Beate Lambrecht seit 1983 für ein freies Leben als Textilkünstlerin, aber auch als Tiertrainerin für Hunde oder Lamas entschieden. Letztere liefern ihr Wolle zum Filzen, einer Technik, die sie seit 2001 für sich entdeckt hat und in Kursen oder an den Berufsbildenden Schulen vermittelt. "Das besondere daran ist die physische Auseinandersetzung, man muss Kraft und Zeit investieren, man kann es nicht beschleunigen." Auch das hat fürs Ausstellungsthema Bedeutung: "Eine Prinzessin nimmt sich die Zeit, die sie braucht". Nicht umsonst sind viele Exponate gefilzt, ob verfremdete "Wappen", eine prachtvolle Decke in königlichen Rottönen, oder Kissen mit eingenähter Erbse frei nach Andersens Märchen.Eigenständig und freiheitsliebend

Kombiniert ist die derbe Wolle mit feinen Stoffen wie Seide und Leinen, auch sind oft kleine Schätze wie Blüten oder Glas-steine eingearbeitet. "Mir geht es darum, in unserer schnelllebigen Zeit den Wert dieser aufwändig und natürlich gewonnenen Fasern herauszustellen und den Blick fürs Detail zu öffnen", sagt die Künstlerin. Im Kontrast zu ihren in Rot- oder Naturtönen gehaltenen Objekten stünden die eher von einer ätherischen Vorstellung geprägten, häufig bestickten und in Blautönen gehaltenen von Nadja Hormisch. Gerade die Verschiedenheit aber transportiere ein neues umfassendes Bild der Prinzessin: "Sie ist eigenständig, freiheitsliebend, vielfältig, hat Respekt vor allem Lebendigen und strahlt unabhängig vom Alter Würde aus."Die Ausstellung "Die Prinzessin - Textile Objekte" läuft in der Orangerie am Trierer Weißhaus und ist bis zum 6. Mai täglich von 11 bis 13 und 14 bis 18 Uhr zu sehen.