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Dezernentenwahl verschiebt sich wohl auf Januar: SPD schließt Unterstützung der CDU-Amtsinhaberin nicht aus

Dezernentenwahl verschiebt sich wohl auf Januar: SPD schließt Unterstützung der CDU-Amtsinhaberin nicht aus

Insbesondere CDU und Grüne haben sich mehr Zeit erbeten, um die Bewerber für die Leitung des städtischen Baudezernats zu prüfen und kennenzulernen. Deshalb soll der oder die neue Beigeordnete nach TV-Informationen nun doch nicht schon im Dezember, sondern erst im Januar gewählt werden.

Vor allem Architekten und Bauingenieure, aber auch ein Maurergeselle und eine studentische Hilfskraft, Selbstständige, vier Kandidaten mit Doktortitel und welche, die schon Beigeordnete oder gar Oberbürgermeister in einer Stadt sind oder waren: Das Bewerberfeld (siehe Extra) für die Leitungsstelle des städtischen Dezernats IV ist breit gefächert.
Seit Dienstagabend liegt die Kandidatenliste den Stadtratsfraktionen vor (der TV berichtete) "Es sind mehrere interessante Namen dabei", sagt CDU-Fraktionschef Ulrich Dempfle.

Eine Entscheidung, welche Bewerber seine Partei zum Vorstellungsgespräch einladen will, sei allerdings noch nicht gefallen. "Mehr als fünf werden es wohl nicht sein", sagt Dempfle. Ein Bewerber sticht dabei klar aus der Kandidatenliste hervor: Erster Beigeordneter einer Stadt in Nordrhein-Westfalen, CDU-Mitglied, Volljurist. Der junge Mann ist nicht nur verantwortlich für die Finanzen der Stadt, sondern auch für die allgemeine Verwaltung, Soziales, Wohnen, Straßen und Verkehr, Grünflächen, Stadtentwässerung und Bauverwaltung.

Wäre die CDU-Kandidatin Hiltrud Zock im Oktober zur nächsten Trierer Oberbürgermeisterin gewählt worden - der Verwaltungs- und Finanzfachmann hätte der erfahrene Mann an ihrer Seite im Stadtvorstand werden können. Der offenbar vielseitig Bewanderte hat jedenfalls zu denjenigen gehört, mit denen die CDU schon vor der Stellenausschreibung des Beigeordnetenamts telefonisch Kontakt gehabt hat. "Aber nicht, weil wir ihn ins Auge gefasst oder uns ihn als Kandidaten gewünscht hatten!", betont Dempfle. "Vielmehr ist er auf uns zugekommen und hat gefragt, ob eine Bewerbung überhaupt Sinn macht, obwohl er Jurist und kein Architekt oder Bauingenieur ist. Und da haben wir dann gesagt, dass er sich selbstverständlich bewerben soll - schließlich werden rund die Hälfte aller Baudezernate in Deutschland nicht von Ingenieuren geleitet."

"Interessante Namen"

Von "mehreren interessanten Namen" auf der Liste spricht denn auch SPD-Fraktionschef Sven Teuber nach einem ersten Kandidatencheck. Wen die Sozialdemokraten zum Kennenlernen nach Trier einladen, steht ebenfalls noch nicht fest. Einen eigenen Kandidaten hatte die SPD nicht ins Rennen geschickt. "Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, dass wir die Amtsinhaberin Simone Kaes-Torchiani unterstützen - die fachliche Qualifikation und Erfahrung ist ja zweifelsohne bei ihr vorhanden. Aber selbstverständlich prüfen wir vor einer solchen Entscheidung, was das Bewerberfeld noch zu bieten hat", sagt Teuber.
Reiner Marz hat die Bewerberliste bislang nur überflogen. "Mir war kein Name zuvor bekannt", sagt der stellvertretende Fraktionschef der Trierer Grünen. Seine Partei will über die Kandidatenliste bei der Fraktionssitzung am Montag diskutieren.
Die sieben Parteien und der politische Verein FWG, die im Stadtrat vertreten sind, müssen in den nächsten Wochen entscheiden, welche der Bewerber sie bei Vorstellungsgesprächen näher kennenlernen wollen. Anschließend lädt die Stadtverwaltung die entsprechenden Kandidaten nach Trier ein. Die Kennlerntreffen finden dann mit jeder Partei gesondert statt. Die Vorstellungsrunden an nur einem Samstag über die Bühne zu bringen, könnte schwierig werden. Sollen ein oder mehrere Kandidaten sich bei allen Stadtratsgruppierungen vorstellen, dürfte ein Tag dafür kaum ausreichen.

Als 2009 die Leitung des Dezernats II neu zu besetzen war, mussten die beiden Bewerberinnen, die es in die Endrunde geschafft hatten - darunter Amtsinhaberin Angelika Birk - zu einer zweiten Vorstellungsrunde nach Trier kommen. Oberbürgermeister Klaus Jensen Vorstellungsrunden und auch die Wahl bis Ende des Jahres über die Bühne gebracht haben. CDU und Grüne wollen mehr Zeit. "Wir fänden es besser, die Wahl auf Januar zu verschieben", sagt CDU-Chef Dempfle.

EXTRA

Nicht 24 sondern 28 Aspiranten: Zu fast allen Bewerbern, die sich um das Beigeordneten-Amt beworben haben, hat die Stadtverwaltung jeweils einen eigenen DIN.A4-Bogen mit Angaben wie Geburtsdatum, Kontaktdaten und bisherigem Werdegang zusammengestellt. Bei einigen Kandidaten sind diese Infos dagegen auf nur je einem DIN.A4-Bogen zusammengefasst dargestellt. Diese Unregelmäßigkeit hat wohl zu einem Kopierfehler geführt, in dessen Folge dem Volksfreund am Mittwoch nur die Liste der ersten 24 Bewerber zugespielt wurde. Überraschungen bergen aber auch die Bewerber Nummer 25 bis 28 nicht, deren Info-Bögen dem TV mittlerweile ebenfalls vorliegen: Auch unter diesen findet sich kein bekannter Name.
Von den insgesamt 28 Bewerbern sind 23 Männer und fünf Frauen. woc