Fast wäre er Priester geworden

Fast wäre er Priester geworden

TRIER. Die Seniorin kommt mit der Glühbirne und dem neuen Fernseher nicht klar, der ältere Nachbar von nebenan könnte Hilfe mit den Ämtern gebrauchen: Hier engagiert sich Rolf-Dieter Kolb vom Trier-Norder Aktions-Team "Bürger für Bürger".

"Ein Mann, den ich kenne, sitzt im Gefängnis, er hat acht Monate gekriegt", berichtet Rolf-Dieter Kolb. "Die Arge zahlt aber nur sechs Monate die Miete! Damit er nicht seine Wohnung verliert, habe ich nun verhandelt, dass er das Geld für die fehlenden zwei Monate im Nachhinein abstottern kann." Eine alte Dame, 83, hat mittlerweile so steife Hände, dass sie sich nicht mehr selbst waschen kann. Rolf-Dieter Kolb rief den Hausarzt an: Sie braucht eine Pflegestufe. Im Rahmen des Aktions-Teams "Bürger für Bürger" engagiert er sich für seine Mitmenschen in Trier-Nord - gemeinsam mit seinem Nachbarn Manfred Schmidt und weiteren Helfern. "Wir sind um die 15 Leute. Ich mache oft Hausbesuche, um ‚verschämte Arme' zu treffen - die melden sich ja von sich aus nicht." Oft seien die Kinder schon lange aus dem Haus, die alten Menschen vereinsamt, bemühten sich aber, allein klarzukommen - was nicht immer gelingt. So wurde Anfang des Jahres die Aktion "Bürger für Bürger" als Ehrenamtskreis im Bürgerhaus Trier-Nord gegründet. "Der Leiter des Bürgerhauses, Bernd Weihmann, sprach mich an - der weiß, dass ich die Familien in Trier-Nord gut kenne. Ich hab' direkt ‚ja' gesagt." Geboren ist Rolf-Dieter Kolb in Echternach, er wuchs auf in Trier-Süd. Seit 1980 lebt er in Trier-Nord, gründete dort mit Jugendlichen eine Fußballmannschaft. "Wir hatten die beste Thekenmannschaft hier in Trier, den FC Sankt Ambrosius", lacht er. Mittlerweile sind sie alle verheiratet, besuchen ihn aber noch regelmäßig. "An Weihnachten kommen die alle vorbei, dann wird gefeiert." Er lebt allein in der Franz-Georg-Straße, "hinten raus ist es sehr ruhig, und ich habe nun einen wunderschönen Balkon." Kolb ist geschieden; die beiden Töchter wohnen in Saarbrücken und Freiburg. "Ich hab' auch schon Enkelkinder, zwei Jungen", berichtet er stolz. In Trier-Nord lebt er gern: "Die Problematik hier ist intensiv - aber auch die Gütezeichen", meint er. "Sonst wäre ich schon längst weg. Mir ging's darum, das Image hier zu heben, auch für die Jugend. Über die Jahre habe ich gelernt: Es fehlt ihnen an Vorbildern." Vor allem geht es Rolf-Dieter Kolb darum, durch sein Handeln Beispiel zu geben und gegen die Vereinsamung von Menschen zu kämpfen. "Eigentlich wollte ich Priester werden", verrät er. "Ich war in Linz am Rhein bei den Weißen Vätern, wollte nach Afrika gehen." Doch dann kam es anders; er lernte seine Frau kennen, wurde Verkaufskorrespondent und später Geschäftsstellenleiter bei "Romika". Rolf-Dieter Kolb fand jedoch Wege, seiner Neigung nachzugehen: Er wurde aktiv im Gemeinderat St. Ambrosius, setzte sich für junge Leute ein. "Ich hab' einige aus strafrechtlichen Sachen rausgerissen." Jungen Männern, "die das stilistisch nicht auf die Reihe bekamen", schrieb er Liebesbriefe an die Angebetete, berichtet er lachend. "Ich hab' so einige Ehen gestiftet."

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