Krise? Welche Krise?

Ruft ein Mann einen Autohändler an, weil er einen Wagen kaufen will. "Wir rufen Sie zurück", heißt es. Aber es ruft keiner zurück. Dies ist kein Witz, sondern der erste Akt der wahren Geschichte eines Mannes, der 40 000 Euro ausgeben wollte, aber vier Wochen lang keine Chance dazu erhielt.



Der Mann ist ein Trierer Spediteur und aufs Auto angewiesen. Sein Kombi hatte vor einem Monat den Geist aufgegeben - Motorschaden. Nachdem sich die Firma, die er auf der Suche nach Ersatz angerufen hatte, nicht meldete, ging er zu einem anderen Autohaus. Dort erspähte er das gewünschte Gefährt. Leider war es nicht mit einem Preis ausgezeichnet.

Schulterzucken beim Verkäufer: Dafür sei ein nicht anwesender Kollege zuständig: "Da müssen Sie nochmal vorbeikommen, wenn er da ist." Er ging nicht wieder hin, sondern konsultierte telefonisch zwei auswärtige Autohäuser. Dort erhielt er jeweils die Antwort, man sei mit der Abwrack-Prämie so beschäftigt, man könne kein Angebot machen.

Nächste Station: ein Händler an der Peripherie der Region. Der verfügte zwar über das gewünschte Modell, aber: "Eine Freundin des Hauses hat ebenfalls Interesse, muss aber noch testen, ob der Wagen in ihre Garage passt." Eine Woche später stand fest: Er passt nicht. Unser Spediteur wollte, schon ziemlich genervt, den Kombi ungesehen kaufen und sich liefern lassen. Das fand der Chef suspekt und bestand auf dessen persönlichem Erscheinen.

Und so geschah es: Der Trierer fuhr die 80 Kilometer hin, unterschrieb vor den Augen des verwunderten Händlers den Vertrag, lieferte brav in bar die Anzahlung ab und bekam sein 40 000-Euro-Gefährt geliefert. Was uns das lehrt?

Es gibt keine Wirtschaftskrise, wenigstens nicht im Kraftfahrzeug-Handel. Auf der Zulassungsstelle verbrachte der Mann geschlagene zweieinhalb Stunden. Großer Andrang, nur drei der sieben Bearbeiter-Plätze besetzt. Aber das ist eine andere Geschichte. will/jöl

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